Marwa-Prozess
Alex W. bekommt Wutanfall im Gerichtssaal
Im Dresdner Prozess um die ermordete Ägypterin Marwa El-Sherbini ist es zu einem Zwischenfall gekommen. Der Angeklagte hatte im Gerichtssaal einen Wutanfall. Drei Beamte mussten Axel W. davon abhalten, seinen Kopf weiter auf eine Tischplatte zu schlagen. Schon zu Beginn des dritten Prozesstages hatte es Probleme gegeben.
Der Angeklagte im Dresdner Landgericht hat Nerven gezeigt.
Der 28-Jährige stampfte mit den Füßen und schlug seinen Kopf auf eine Tischplatte. Drei Beamte mussten den aus Russland stammenden Deutschen festhalten. Beamte mussten dem Angeklagten gegen seinen Widerstand Sturmhaube und Kapuze abnehmen. Seine Bewachung wurde verstärkt. Statt vier halten nun neun Polizisten Alex W. in Schach.
Der dritte Prozesstag hatte mit fast anderthalbstündiger Verspätung begonnen, weil Alex W. nach einem Arzt verlangte. Er wurde im Haftkeller des Gerichtsgebäudes untersucht. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.
Der Angeklagte hatte sich in dem Verfahren bislang völlig abgekapselt und zu allen Vorwürfen geschwiegen. Er betrat den Saal bisher stets vermummt. Am Dienstag hatte er erstmals seine Sonnenbrille abgenommen.
Laut Anklage hat der 28-jährige die schwangere Ägypterin Marwa El-Sherbini aus bloßem Hass auf Nichteuropäer und Muslime am 1. Juli im Gerichtssaal erstochen.
Zum Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder seiner Ehefrau kommt Witwer Elwy Ali O. jeden Tag an Krücken ins Dresdner Landgericht. Auch er war bei der Verhandlung wegen Beleidigung gegen den Russlanddeutschen von dem Angeklagten niedergestochen worden. Dann schoss ihm versehentlich ein zu Hilfe gerufener Polizist in den Oberschenkel.
Ob der 32 Jahre alte Doktorand für Molekulare Zellbiologie und Genetik je wieder richtig laufen kann, ist noch unklar. "Er ist sehr tapfer, es ist nicht einfach für ihn", sagte sein Anwalt Heiko Lesch. "Er ist emotional sehr bewegt."
Elwy Ali O. hatte seine Frau vor knapp vier Monaten ins Landgericht begleitet. Mit dabei war der dreijährige Sohn des Paares, der an diesem Tag wegen Fiebers nicht in den Kindergarten gehen konnte.
Marwa El-Sherbini wollte nach ihrer Zeugenaussage mit ihm zum Arzt, doch sie starb vor seinen Augen. "Ich habe auch ein Bild im Kopf: Wie der Sohn neben der Mutter saß, nichts sagte oder schrie, er sagte keinen Ton", berichtete der damalige Vorsitzende Richter Tom Maciejewski als Zeuge.
Der Junge lebt inzwischen bei Verwandten der Mutter in Ägypten. Witwer O. habe ihn nach der Rehabilitation dort besucht, sagte Anwalt Lesch. Der junge Wissenschaftler wohnt nach wie vor in Dresden. "Er wird seine Doktorarbeit noch fertigstellen." Eine Zukunft an der Elbe kann er sich nach dem, was geschehen ist, nicht mehr vorstellen, hatte er vor Gericht gesagt.
In dem Prozess gegen Alex W. sollen insgesamt 30 Zeugen gehört werden. Bis zum 11. November sind elf Verhandlungstage geplant.
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