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30.09.09

"Wettbewerb der Religionen"

Bekehrungs-TV-Show ist in der Türkei ein Skandal

Es klingt wie ein Hirngespinst: In der Türkei sollen Geistliche verschiedener Religionen in einer TV-Show Atheisten "bekehren". Wer sich vom Islam oder dem Buddhismus überzeugen lässt, der gewinnt eine Reise. Die Empörung ist riesig – vor allem weil die transsexuelle Macherin offenbar wenig von Religion versteht.

© AFP
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In der Türkei wartet man seit dem Sommer auf den Start einer – den Erwartungen zufolge – besonders dämlichen und skandalösen Reality-Show. Geistliche verschiedener Weltreligionen sollen da Atheisten bekehren, aber im Detail steckt bekanntlich der Teufel, so dass der anfangs für September angekündigte Start nun auf November verschoben wurde. Immerhin hat man inzwischen einen verkündbaren Titel gefunden: "Wettbewerb der Religionen". Buddhistische, christliche, jüdische und muslimische Geistliche sollen Ungläubige vor den Kameras auf den rechten Pfad bringen.

Imame gibt es in der Türkei natürlich genug, aber ausgerechnet dieser Teil erwies sich als besonders haarig. In der Türkei sind alle Imame Staatsangestellte, und der Leiter der Religionsbehörde, außer sich vor Empörung ob der geplanten Kommerz-Veranstaltung, verbot schlichterhand jedem Imam die Teilnahme.

Es sei eine Erniedrigung der Religion, schrieb er dem Sender "Kanal T", und wenn sein Unmut anhält, dann könnte aus der pseudo-frommen Gier nach Geld noch ein echtes Politikum werden.

Nun soll ein Imam aus Marokko eingeflogen werden. Wo man den Rabbi hernehmen will und den christlichen Priester (welche Konfession ist unklar), das wird sich zeigen. Selbsternannte buddhistische Weise gibt es genug, nur nicht solche, die auch türkisch sprechen, aber vielleicht reicht eine Simultanübersetzung.

Seyhan Soylu, transsexuelle Erfinderin des Formats, möchte dass der Buddhist den Atheisten "über seinen Gott erzählt", und spätestens hier wird klar, dass Religionswissenschaft nicht die Stärke der TV-Planer ist – es gibt keinen Schöpfergott im Buddhismus. Und zum Judentum wird man meist nicht bekehrt, wie der Sender es wünscht, sondern man wird hineingeboren; nicht umsonst ist im Alten Testament vom "auserwählten Volk" die Rede.

Aber all das sind belanglose Kleinigkeiten, Hauptsache irgendwer steht vor der Kamera und erzählt irgendwas, und die Medien regen sich darüber auf, das tut der Quote gut. Auch ob die Atheisten wirklich Atheisten sind, das wird letzten Endes niemand so genau nachprüfen. Wer sich "bekehren" lässt, bekommt außer den Schlagzeilen und dem vermarktbaren Sofort-Ruhm eine Reise zur Heiligsten Stätte der passenden Religion.

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