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30.09.09

Nach Seebeben

Tödlicher Tsunami rast über Inseln im Pazifik

Nach einem schweren Seebeben im Pazifik zerstört ein Tsunami Dörfer im Inselstaat Samoa. Mehrere Menschen sterben in der Flutwelle, darunter sind nach Angaben von Rettungskräften Schulkinder. Küstenbewohner fliehen auf Anhöhen. Eine Tsunami-Warnung für Neuseeland heben die Behörden wieder auf.

© REUTERS
Christopher Moore of NOAA looks at computer graphs at the Pacific Tsunami Warning Center in Ewa Beach, Hawaii, concerning the earthquake and tsunami that hit American Samoa
Das Tsunami-Warnzentrum Hawaii

Ein Seebeben im Pazifik hat nach Angaben des amerikanischen Tsunami Warning Center einen Tsunami ausgelöst. Auf Samoa seien Zerstörungen angerichtet worden, berichteten Medien in Samoa und Neuseeland. Einige Dörfer auf besonders niedrig gelegenen Inseln vor Samoa seien zerstört worden, meldete Radio New Zealand.

Nach Informationen des deutschen Honorarkonsuls auf Samoa starben in dem Tsunami mehrere Menschen. "Hier war die Rede von toten Schulkindern", berichtete Arne Schreiber aus der Hauptstadt Apia am Telefon. Ob auch Touristen zu Schaden gekommen sind, sei noch nicht bekannt.

Ein Sprecher der Feuerwehr auf Samoa sprach im neuseeländischen Rundfunk von drei getöteten Schulkindern in dem Ort Falealili. Ein neuseeländischer Augenzeuge berichtete, das Dorf Sau Sau sei von der Flutwelle zerstört worden. "Es ging alles ganz schnell", berichtete Graeme Anselt nach Angaben des Rundfunks. "Kein Haus steht mehr, wir sind alle auf die Hügel gerannt."

Eine unbekannte Anzahl von Personen sei im Tsunami gestorben, bestätigte eine Polizeisprecherin in West-Samoa. Nach Behördenangaben kamen auch auf Amerikanisch-Samoa Menschen ums Leben. Zahlen waren zunächst nicht bekannt. "Ich kann bestätigen, dass es Schäden gibt, dass es Tote und Verletzte gibt", sagte die Polizeisprecherin. "Mehr kann ich Moment noch nicht sagen."

Auf Samoa leben nach Informationen des Honorarkonsuls Schreiber etwa 25 Deutsche. Der einzige Deutsche in der vom Tsunami betroffenen südlichen Region sei wohlauf. Auch im Norden des Inselstaates sei das Beben stark zu spüren gewesen. Die Erschütterungen hätten etwa 20 Sekunden gedauert. Sein ganzes Haus habe sich bewegt, sagte der deutsche Vertreter in dem Inselstaat.

Ein Mitarbeiter des Fernsehsenders TVNZ war in Samoa am Strand, als das Erdbeben passierte. Tony Manson sah den Tsunami nach eigenen Angaben, berichtete der Sender auf seiner Website. Das Meer habe sich zuerst zurückgezogen und sei dann innerhalb von wenigen Sekunden mit Macht über die Küste hereingebrochen.

Mehrere Dörfer seien überschwemmt worden. Einwohner suchten nach ihren Angehörigen. Manson berichtete, dass er mit anderem zusammen vom Strand weg auf höheres Terrain gerannt war.

Die Flutwelle schwappte knapp 100 Meter weit in die Hauptstadt von Amerikanisch-Samoa, Pago Pago, bevor sie sich wieder zurückzog. Mehrere Autos steckten anschließend im Schlamm fest, wie eine Mitarbeiterin der Zeitung "Samoa News" sagte. Bewohner der Hauptstadt von Samoa, Apia, flohen in Panik aus ihren Häusern.

"Hier ist überall Panik entstanden, weil die Kinder auf dem Weg zur Schule und die Menschen auf dem Weg zur Arbeit waren", sagte ein Korrespondent aus Apia auf Samoa dem neuseeländischen Rundfunk.

Der Tsunami traf demnach gegen 20 Uhr MESZ ein, das entspricht gegen sieben Uhr früh auf Samoa. Das Beben hatte nach unterschiedlichen Angaben eine Stärke von 7,9 bis 8,3. Sie war nach offiziellen Angaben knapp 1,60 Meter höher als der normale Pegel.

Vor einer Flutwelle wurde zunächst auch in Neuseeland, Hawaii, Papua-Neuguinea und anderen kleineren Inseln im Pazifik gewarnt. Das Zentrum des Seebebens lag demnach etwa 190 Kilometer südwestlich der amerikanischen Samoa-Inseln, in einer Tiefe von etwa 35 Kilometern unter der Meeresoberfläche.

Zivilschutzbehörden in Neuseeland riefen die Einwohner von Küstenstreifen dazu auf, sich schnell auf Anhöhen zu flüchten. Feuerwehrfahrzeuge waren laut neuseeländischem Fernsehen unterwegs, um die Anwohner zur Räumung ihrer Häuser zu bewegen. Später hob das Pazifik-Warnzentrum der USA – kurz vor Mitternacht europäischer Zeit – die Tsunami-Warnungen für Samoa und Neuseeland wieder auf.

Samoa ist ein Inselstaat im südwestlichen Pazifik. Der Westteil der Insel ist ein unabhängiger Staat, dieser Teil war mehrere Jahre vor dem Ersten Weltkrieg eine deutsche Kolonie. Der Ostteil gehört zu den USA. Auf den Inseln leben insgesamt rund 240.000 Menschen.

Der unabhängige Staat Samoa machte zuletzt Schlagzeilen, als die Regierung gegen den Protest der Bevölkerung von Rechts- auf Linksverkehr umstellte. Die Inseln liegen auf halbem Wege zwischen Hawaii und Neuseeland.

Das Gebiet umfasst rund 3000 Quadratkilometer mit zwei Hauptinseln und acht kleineren Inseln. 99 Prozent der Einwohner leben auf den Hauptinseln Upolu mit der Hauptstadt Apia und Savai'i.

Tsunamis sind Riesenwellen und können entstehen, wenn Beben oder Vulkanausbrüche den Meeresboden erschüttern. Im Gegensatz zu normalen Wellen, bei denen nur das Wasser an der Meeresoberfläche wogt, geraten bei einem Tsunami (japanisch: große Welle im Hafen) auch die tiefen Wasserschichten in Bewegung.

Auf hoher See ist diese Welle gewöhnlich nicht höher als zwei oder drei Meter und wird wegen ihrer großen Wellenlänge von Schiffen oft gar nicht bemerkt. In flachen Küstengewässern und engen Buchten läuft sie dann aber zu enormen Höhen von bis zu 40 Metern auf und kann ganze Landstriche verwüsten.

Tsunamis breiten sich mit bis zu 900 Kilometern pro Stunde aus und können so binnen kurzer Zeit ganze Ozeane durchqueren. Das höchste Tsunami-Risiko besteht wegen der großen Aktivität der Erdkruste rings um den Pazifik.

Frühwarndienste versuchen mit Sensorbojen, Computern und Satelliten, betroffene Gebiete rechtzeitig vor möglichen Riesenwellen zu warnen.

Am 26. Dezember 2004 hatte ein gewaltiger Tsunami, ausgelöst durch ein schweres Erdbeben vor der indonesischen Insel Sumatra, weite Küstenregionen in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand und auf den Malediven zerstört. Bei der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean waren mehr als 230.000 Menschen gestorben.

Quelle: AP/dpa/Reuters/oht
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