Amoklauf von Winnenden
Tim K. hat einen Abschiedsbrief hinterlassen
Sonntag, 22. November 2009 13:38 - Von Tatjana BojicDer Amoklauf von Winnenden gibt immer noch Rätsel auf. Vor allem das Motiv von Tim K., der 16 Menschen getötet hat, ist nach wie vor unklar. Jetzt kommt heraus, dass der 17-Jährige doch einen Abschiedbrief hinterlassen hat. Und dass er unter Mordfantasien und sadomasochistischen Neigungen litt.

Es sei unklar, ob sich diese Gedanken auf die Tötungsfantasien oder die sexuellen Neigungen beziehen, berichtete „stern.de“ unter Berufung auf das Gutachten, das der Staatsanwaltschaft Stuttgart vorliegt. Die Anklagebehörde wollte dazu auf Anfrage keine Stellung nehmen.
Dem Gutachten zufolge sei Tim K. in dem Jahr vor dem Amoklauf am 11. März in einem psychischen Zustand gewesen, der seine Eltern hätte warnen müssen, schreibt die „Winnender Zeitung“. Sein Vater hätte demnach erkennen müssen, dass ein so aus dem Gleichgewicht geratener Junge keinen Zugang zu Waffen haben darf.
Der 17-jährige Tim K. hatte am 11. März an seiner ehemaligen Schule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) und auf seiner anschließenden Flucht nach Wendlingen (Kreis Esslingen) 15 Menschen und sich selbst erschossen. Im September oder Oktober soll entschieden werden, ob gegen den Vater des Amokläufers Anklage erhoben oder ein Strafbefehl erlassen wird. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, weil Tim K. dessen Waffe und Munition benutzt hatte. Die Waffe hatte unverschlossen im Schlafzimmer der Eltern gelegen.
Dem Zeitungsbericht zufolge hatte Tim K. bereits im Frühjahr 2008 einen „Hilferuf“ ausgesendet: Weil er spürte, dass etwas mit ihm auf quälende Weise ganz und gar nicht stimmte, recherchierte er im Internet die Symptome psychischer Krankheitsbilder, kam zu der Selbstdiagnose, dass er möglicherweise an einer „bipolaren Störung“ leide, also manisch-depressiv sei. Tim K. wandte sich an seine Mutter: Er wolle sich in Behandlung begeben. So sei er nach Weinsberg in die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie gekommen und habe dort mehrere Gespräche mit einer Therapeutin geführt.
Im ersten Gespräch berichtete er laut Zeitung von heftigen Stimmungsschwankungen; die Befindlichkeits-Umschläge kämen manchmal stündlich über ihn. Er erzählte von seinem Alleinsein, seinen verkümmerten sozialen Kontakten und schlimmen Gedanken: Alles komme ihm dann schlecht vor, er habe einen Hass auf die ganze Menschheit, er sei von der Idee heimgesucht, alle umzubringen. Zur Ablenkung sei er in die Welt von Computerspielen geflüchtet. Die Therapeutin will den Eltern von den aggressiven Gedanken, die in Tim K. spukten, erzählt haben. Die Eltern bestreiten das. Dass er Zugang zu Waffen hatte, sei der Therapeutin nicht bekannt gewesen.
Auf dem Rechner des 17-Jährigen wurden laut „Winnender Zeitung“ auch Bilder gefesselter Männer gefunden. Die masochistische Bilder hätten ihn laut Gutachten beherrscht und angezogen und mit Scham- und Hassgefühlen zurückgelassen.Erschienen am 08.09.2009
















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