05.03.13

Spanischer König

Juan Carlos – krank, ungeliebt und bald weg?

König Juan Carlos muss – angeblich wegen einer Operation – die Geschäfte ruhen lassen, Sohn Felipe vertritt ihn. Doch ein Buch bringt pikante Details ans Tageslicht. Viele erwarten den Thronwechsel.

Von Ute Müller
Foto: dpa

Der spanische Juan Carlos auf dem Weg ins Krankenhaus
Der spanische Juan Carlos auf dem Weg ins Krankenhaus

Resignation schwang in seiner Stimme mit. "Ich bin schon wieder hier", sagte Spaniens König Juan Carlos am Wochenende bei seiner Ankunft in einer Madrider Privatklinik. Drei Stunden lang operierten die Ärzte seinen Bandscheibenvorfall, erfolgreich, wie es hieß. Es war die siebte Operation des 75-Jährigen seit Mai 2010.

Derart viele Eingriffe in so kurzer Zeit bleiben nicht ohne Folgen. Diesmal muss der König seine Geschäfte vier bis sechs Monate ruhen lassen, länger als je zuvor. In dieser Zeit wird ihn Kronprinz Felipe, 45, vertreten. Handelt es sich bei der Vertretung möglicherweise schon um eine Wachablösung?

Im Königshaus hatte man dies im Vorfeld der Operation zwar dementiert. Juan Carlos sei nach seiner Genesung durchaus in der Lage, seine Amtsgeschäfte weiterzuführen, hieß es. Damals kamen Gerüchte auf, der König könne es der holländischen Königin Beatrix gleichtun und abdanken. Dennoch halten sich in Madrid die Spekulationen, dass der neue Krankenhausaufenthalt der Anfang vom Ende der Regentschaft von Juan Carlos sei.

Dauerhafter Imageschaden

Die Zahl der Spanier, die dies wünschen, steigt. Zu sehr hat Juan Carlos seine krisengeplagten Landsleute mit der inopportunen Elefantenjagd in Botswana im Frühjahr vergangenen Jahres vor den Kopf gestoßen, zu viele Millionen soll sich sich sein unter Korruptionsverdacht stehender Schwiegersohn Iñaki Urdangarín angeeignet haben. Angesichts der Krise sind die Spanier immer weniger bereit, das Königshaus Jahr für Jahr zu finanzieren.

Laut Haushaltsplan erhält das Königshaus acht Millionen jährlich, doch das ist nur ein Bruchteil dessen, was die Spanier für ihre Monarchie ausgeben müssen, denn unberücksichtigt dabei sind die Gehälter der königlichen Belegschaft oder die Unterhaltung der Paläste und Jagdgründe im Besitz der Familie. Außerdem vergeht kaum ein Tag, an dem das Fundament der Monarchie nicht mit einer neuen "Enthüllung" ins Wanken gebracht wird.

Am Montag etwa wurden Vorwürfe bekannt, nach denen Urdangarín über ein weitere seiner angeblich gemeinnützigen Stiftungen zwischen 2006 und 2009 stolze 620.000 Euro einnahm, aber nur 1,5 Prozent des Geldes, 9800 Euro, an bedürftige Kinder verteilte. Dass sich der Prozess gegen den 45-Jährigen nun schon seit einem Jahr ohne nennenswerte Ergebnisse in die Länge zieht, trägt auch kaum dazu bei, den Beliebtheitsgrad der spanischen Monarchie zu steigern.

Am Dienstag kam jetzt ein neues Buch mit dem Titel "Ladies of Spain" auf den Markt. Darin unternimmt Autor Andrew Morton (60), Biograph der verstorbenen Lady Di, den Versuch, das Seelenleben der weiblichen Belegschaft des Königshauses zu erkunden. Königin Doña Sofia, so der Autor, sei in einer anderen Zeit groß geworden, es liege in ihrer DNA, Leid zu ertragen.

Konstante Ehebrüche

So habe sie die konstanten Ehebrüche des Gatten stets diskret übergangen, anders als die unglücksselige Diana, die Charles Abenteuer publik machte.

"Doña Sofia vergießt nur im stillen Kämmerlein Tränen", schreibt Morton, nach außen bewahre sie stets Haltung. Die ihrige sei keine Liebesheirat gewesen, umso stärkeren Wert habe Doña Sofia darauf gelegt, dass ihre Kinder dieses Schicksal nicht teilen. "Im Königshaus liebt jeder Doña Sofia, aber der König ist eben der König".

Am besten kommt Kronprinzessin Letizia in Mortons Buch weg, ausgerechnet die Tochter aus bürgerlichen Hause, auf die man anfangs herablassend blickte und sie kaum als passende Partie für Felipe erachtete, sei nun die Retterin der Borbonen und helfe der angestaubten Monarchie beim Übergang in die Neuzeit, so Mortons These. Ein weniger gutes Zeugnis erhalten ihre Schwägerinnen Elena (49) und Cristina (47) weg.

Die geschiedene Erstgeborene wird als Fan von Diäten und Teleshopping beschrieben, die jüngere Schwester als Wesen, das seinerzeit nichts anderes als die Eroberung von Iñaki Urdangarín im Kopf gehabt hatte. Ausführlich beschreibt Mortin, wie Urdangaríns ehemalige Freundin Carmen Carmí im Fernsehen erfuhr, dass dieser beabsichtige, die Infantin Cristina zu ehelichen. Cristina habe den Sportler hartnäckig und mit großem Geschick um den Finger gewickelt.

Affäre mit deutscher Prinzessin

Im Buch kommt auch am Rande eine Dame vor, für die sich die Spanier viel mehr interessieren: die deutsche Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein, 48. Jene Frau, die die Elefantenjagd von Juan Carlos organisiert hatte und gleich mitgefahren war, um für einen "reibungslosen Ablauf" zu sorgen, ohne freilich den "Fehltritt" und den Hüftbruch des Monarchen verhindern zu können.

Man sagt ihr eine Affäre mit Juan Carlos nach. Morton zitiert in seinem Buch einen Jagdkumpan des Königs, der beobachtet haben will, wie Corinna bei einer früheren Pirsch um fünf Uhr morgens aus der königlichen Suite schlich. Corinna hat freilich schon vor Tagen mit einem zweiteiligen Interview in der spanischen Tageszeitung "El Mundo" für Furore gesorgt.

Mit dem König verbinde sie eine "enge Freundschaft", sagte Corinna. Spanien habe sie auf diskrete Art so manchen Dienst erwiesen, so die Dame, die längst in Monaco lebt. Vizepräsidentin Soraya Sanz de Santamaria nimmt Corinna die Botschafterinnen-Rolle nicht ab.

"Das lassen wir zur Not vom Geheimdienst überprüfen", so die konservative Politikerin empört. Nach Spanien braucht Corinna so schnell nicht zurückkehren. Für Entrüstung sorgte ihr Titelbild auf der spanische Hochglanzpostille "Hola", wo sich Corinna mit einer Uhr von Audemars Piguet und einem Luxusarmband, dessen Wert auf drei Millionen Euro geschätzt wird, ablichten ließ. Wie die spanischen Medien vermuten, handelt es sich um Geschenke des Königs. Die Uhr, so ein Juwelier, soll auf der Rückseite eine eine vielsagend Gravur haben: "Always Yours".

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