27.02.13

Kannibalen-Cop

"Ich würde gerne ihren Arm gegrillt essen"

In New York steht ein Ex-Cop vor Gericht, weil er Frauen entführen, vergewaltigen – und essen wollte. 100 Namen standen auf seiner Todesliste. Selbst gewiefte Beamte gruselten sich bei den Fantasien.

Von Michael Remke
Foto: REUTERS

Kameras waren im Gericht nicht erlaubt, deshalb fertigte ein Gerichtszeichner Skizzen an: Gegen denn „Kannibalen-Cop“ Gilberto Valle (l.) sagte als erste seine Ex-Frau
So sieht der Gerichtszeichner die Verhandlung: Gegen den "Kannibalen-Cop" Gilberto Valle (l.) sagte zuerst seine Ex-Frau aus

Ist Gilberto Valle ein Kannibale mit einem widerlichen Appetit auf Frauen? Oder ist der 28 Jahre alte Ex-Polizist aus New York nur ein Mann mit extrem kranken Fantasien. Diese Fragen beschäftigt zurzeit ein Bundesgericht in Manhattan. Was Richter Paul Gardephe und die zwölf Geschworenen bei dem seit Montag laufenden Prozess hören, übersteigt dabei jede menschliche Vorstellungskraft.

Mindestens 100 Frauen, so heißt es in der Anklageschrift des "Kannibalen-Prozesses" – wie die "New York Post" das Verfahren nannte –, wollte der eher unscheinbar wirkende Valle entführen, vergewaltigen, ermorden und am Ende der Tortur die Leichenteile gekocht oder gegrillt verspeisen.

Lebenslange Haft fordert Staatsanwalt Randall Jackson, die Verteidigung dagegen Freispruch. Nach Valles Anwältin Julia Gatto gebe es keine Beweise für ein Verbrechen. "Man kann niemanden für seine Gedanken verurteilen. Selbst wenn sie krank sind."

Ankläger Jackson sieht das ganz anders und präsentierte vor Gericht gleich eine Reihe potenzieller Opfer von Valle. "Er wollte mich an den Füßen aufhängen, meine Kehle durchschneiden und dabei zusehen, wie ich langsam verblute", sagte Valles Noch-Ehefrau Kathleen Mangan. Die 27-Jährige hatte ihren Mann im vergangenen Oktober bei der Bundespolizei FBI angezeigt, nachdem sie den Mordplan für sich auf dessen Computer neben Bildern von toten und gefolterten Frauen gefunden hatte.

Ehefrau erwischt ihn bei SM-Pornos

"Am Anfang war er ein liebenswürdiger und lustiger Mann", berichtete Mangan, die ihren Mann bei einer Partnersuche im Internet kennengelernt hatte. Nachdem sie schwanger wurde, heiratete das Paar im vergangenen Jahr. Doch dann habe sich Valle plötzlich geändert. "Er hat bis morgens um vier Uhr früh am Computer gesessen und SM-Pornos geschaut", sagt Mangan.

Auch wenn sie das ablehnte, habe sie sich zunächst nichts dabei gedacht. Dennoch forschte sie nach und fand "Bilder von toten Frauen". Daneben standen detaillierte "Mordpläne für mindestens 100 Personen, darunter auch Ex-Freundinnen ihres Mannes. "Als ich meinen Namen auf der Todesliste fand, habe ich meine Tochter genommen und bin zu meinen Eltern geflüchtet", sagt Mangan.

Was die Polizei später auf dem Computer des Angeklagten fand, schockte selbst die erfahrenen Ermittler. Valle hatte auf einer einschlägigen Internetseite für Leute mit einem Fetisch für Folter und Vergewaltigung von Frauen gesurft. In einem Chat-Room unterhielt er sich mit Gleichgesinnten und schmiedete grausige und perverse Mordpläne.

"Sie schmeckt bestimmt köstlich"

"Ich würde gerne ihren Arm gegrillt essen", zitierte FBI-Agent Coreh Walsh vor Gericht aus einer dieser Konversationen mit einem Mann namens "Moody Blues". "Wenn ich sie sehe, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Sie schmeckt bestimmt köstlich." "Moody Blues", dessen Internetadresse in Großbritannien registriert ist, wollte lieber "ihre Leber, leicht gekocht und noch ein bisschen zäh".

Das potenzielle Opfer der perversen Unterhaltung war dabei Kimberley Sauer, eine alte College-Freundin von Valle. "Er war eine netter Kerl", sagte sie jetzt vor Gericht aus. "Aber ich hatte ja keine Ahnung." Laut FBI-Agent Walsh sollte Kimberley Sauer am 2. September 2012 entführt werden.

Die beiden Chat-Partner sprachen auch über die Logistik für ihren teuflischen Entführungsplan. "Für 5000 Dollar", so bot Valle an, "wolle er sie entführen" – und weiter: "Sie wird lebendig sein."

Unzählige Fotos von gefesselten Frauen

Auf die Frage von "Moody Blues", wie groß Valles Ofen denn sei, beruhigte ihn der Angeklagte. "Wenn ich ihre Beine einklappe, ist er groß genug." Laut FBI-Agent Walsh habe man auf "Valles Computer unzählige Fotos von gefesselten, gefolterten und ermordeten Frauen gefunden".

"Das sind nicht nur Fantasien", sagt Staatsanwalt Jackson. Der Angeklagte habe ganz "konkrete Pläne für die Ermordung tatsächlich existierender Personen" geschmiedet. Einige der Opfer seien Bekannte oder alte Freundinnen gewesen." Laut Ermittler habe man zehn Personen von der Todesliste mittlerweile befragt. Alle sagten aus, dass sie Valle kannten, viele aber nur flüchtig.

Valles Verteidigerin Julia Gatto zweifelt nicht an den Chats, an den Namen und an den gefundenen Mordplänen. "Doch das sind alles nur Fantasien, die im Internet ausgetauscht werden", sagt Gatto. "Wenn alle diese Verbrechen wirklich begehen würden, hätte wir einen wahren Fressrausch." Der Prozess ist auf zwei Wochen angesetzt.

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