27.02.13

Wetter

Der verdammte Winter ohne Sonne – wie lange noch?

Der Frühling steht unmittelbar bevor, zumindest aus meteorologischer Sicht. Doch Deutschland hängt im Rekordwinter ohne Sonne und Wärme fest. Warum das so ist und welche Aussichten es gibt.

Foto: dpa
Schnee
Im Grau(en) versunken: die Engelsfigur Fama auf der Kuppel der Akademie in Dresden

Nach dem Verständnis der Meteorologen endet in der Nacht zum Freitag der Winter. Doch die nach Sonne und Wärme dürstenden Mitteleuropäer werden in diesem Jahr ganz auf den astronomischen Frühlingsanfang setzen müssen, und der ist im Kalender erst für den 20. März vorgemerkt.

Vorher dürfte sich noch nicht allzu viel am Wetter ändern. Noch gut zwei Wochen wird es wohl kühl und im Durchschnitt auch regnerisch bleiben. Immerhin sagen die Meteorologen für das kommende Wochenende ein kleines Zwischenhoch voraus, das für vorübergehenden Sonnenschein sorgen wird.

Kleiner Trost: Es kann nur besser werden. Deutschland hat einen Rekordwinter hinter sich. Seit 1951 messen die Meteorologen auch die Dauer des Sonnenscheins an jedem Tag. Und seither war es in den Monaten Dezember bis Februar noch nie so trübe wie 2012/ 2013.

Fünfter Winter in Folge unter dem Durchschnittswert

Hinsichtlich der Temperaturen gab es zwar keine neuen Minusrekorde in der Gesamtbetrachtung, allerdings weist der Wetterexperte Dominik Jung von wetter.net darauf hin, dass dies der fünfte Winter in Folge mit Temperaturen unter dem langjährigen Durchschnittswert war. Dieses Mal fielen sie um 0,5 Grad "zu kalt" aus, im Februar allein betrachtet waren es sogar zwei Grad. Die Werte für die kompletten Winter davor: 2008/09: ein Grad; 2009/10: zwei Grad; 2010/11: 1,3 Grad; 2011/12: 0,1 Grad.

Der jetzt beendete Winter startete obendrein besonders zeitig und hielt abgesehen von einer sehr milden Phase um die Weihnachtstage kontinuierlich seine Kälte. Die über weite Teile Deutschlands – auch im Flachland – liegende geschlossene Schneedecke bereits im Oktober markierte den frühesten Wintereinbruch seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Jung sagt in diesem Zusammenhang: "Die früheren Klimaprojektionen, beziehungsweise Klimaprognosen der 80er- und 90er-Jahre sind zumindest für Deutschland und Europa in den letzten Jahren mehr oder weniger stark ins Wanken geraten".

Der prominente Klimaforscher Mojib Latif hatte sich besonders weit hervorgewagt: "Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben", sagt der Experte vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie im Jahr 2000.

Erwärmungspause bis 2017

Inzwischen allerdings, nach den kalten und schneereichen Wintern auch bereits in der Mitte des vergangenen Jahrzehnts, haben die Klimaforscher eine Erklärung für die wiederentdeckte Kälte gefunden: die globale Erwärmung. Nach dieser Lesart sorgt nämlich das abschmelzende Eis der Arktis, dass die Sonne das darunter liegende Meer stärker erwärmt, somit den Temperaturunterschied zwischen Polargebiet und dem tropischen Ozean vermindert und der Atlantik dadurch seine Dynamik und seine Einflusskraft verliert. Infolgedessen seien wir Mitteleuropäer im Winter stärker den eisigen Hochdruckgebieten über Russland ausliefert.

Meteorologe Jung weist in seiner Bilanz allerdings auch auf die falschen Projektionen für andere Jahreszeiten hin: Laut Klimaprojektionen sollten etwa die Sommermonate immer heißer und trockener werden sollten. Doch "von den letzten 10 Sommern war nur ein Sommer zu trocken, und das war der Sommer 2003", führte Jung jetzt weiter aus, "sonst waren alle Sommer durchschnittlich bzw. deutlich zu nass."

In der Tat hat seit einiger Zeit – mit Verzögerung – auch in der Klimaforschung die Erkenntnis Anerkennung gefunden, dass es seit eineinhalb Jahrzehnten global nicht mehr wärmer geworden ist. Im britischen "Met Office", einem der bedeutendsten Institute der Klimaforschung, geht man inzwischen sogar davon aus, dass diese Erwärmungspause noch bis mindestens 2017 anhalten wird. Dann hätte sie fast zwei Jahrzehnte lang gedauert.

Die Bewertung atmosphärischer Phänomene

Die meisten der Wissenschaftler, die derzeit an dem für September angekündigten fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) arbeiten, sind allerdings der Meinung, dass der Erwärmungstrend irgendwann wieder einsetzen wird. Rajendra Pachauri, Vorsitzender des IPCC, erklärte dieser Tage in einem Interview mit der Zeitung "The Australian", dass von einem nachhaltigen Stopp des langfristigen Trends erst nach 30 oder 40 Jahren die Rede sein könne.

Bislang gilt der Grundsatz für Meteorologen: Atmosphärische Phänomene mit der Dauer von bis zu 30 Jahren werden als Wettererscheinungen betrachtet, alles darüber hinaus gehende als Klimawandel.

Vordergründig betrachtet könnte gerade das wolkenverhangene Erscheinungsbild des vergangenen Winters über Mitteleuropa denjenigen Rückenwind in der Klimadiskussion geben, die behaupten, dass der Einfluss der Sonne auf den Klimawandel in den letzten Jahrzehnten allzu sehr unter- und der des Kohlendioxid überschätzt wurde – was im Übrigen auch zwei neue wissenschaftlich geprüfte Studien in Fachzeitschriften aus diesem Jahr nahelegen.

Der seit mehreren Jahren andauernde Stillstand der Sonnenaktivität (nicht zu verwechseln mit der Sonneneinstrahlung) würde demnach über die ionisierende kosmische Strahlung die Wolkenbildung in der irdischen Atmosphäre fördern, und somit die Temperatur senken.

Je wolkiger, desto mildere Temperaturen

Theoretisch ist dieser Zusammenhang seit längerem bekannt, der parallele Verlauf der globalen Temperatur und der Sonnenaktivitäten über fast das gesamte vergangene Jahrtausend scheint ihn zu bestätigen. Derzeit versucht man, diesen Mechanismus auch technisch zu erforschen, unter anderem am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf und am dänischen National Space Center in Kopenhagen, die Ergebnisse könnten der Klimadiskussion neuen Zündstoff liefern. Für die regionale Witterung in den Wintermonaten gilt die Faustformel: Je wolkiger, desto mildere Temperaturen. Im jetzt zu Ende gehenden Winter aber war es wolkig – und kalt.

Wie wird es jetzt weitergehen? Dominik Jung erwartet einen nennenswerten Temperaturanstieg auf Werte um zehn Grad erst für Mitte März, "Allergiker wird das freuen".

Mitte April könnten dann 20 Grad erreicht werden, der April insgesamt wird seiner Ansicht nach das langjährige Temperaturmittel übersteigen. Winterliche Kälterückfälle erwartet Jung nicht. Der Mai werde ein klassischer Wonnemonat. "Den ganzen Monat über gibt es reichlich Sonnenschein."

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