27.02.13

Party-Knigge

Dinge, die Sie im Darkroom besser lassen sollten

Wie wird man auf Partys nervige Gesprächspartner los? Was tut und lässt man am besten im Darkroom? Warum eignet sich die Herrentoilette besser zum Sex? Die Antworten gibt ein neuer Party-Knigge.

Partymachen will gelernt sein. Und zwar vom Vorglühen bis zum Abtanzen, vom perfekten Party-Flirt bis zum Morgen danach. Denn: Feiern bietet genügend Gelegenheiten für Fehltritte und Peinlichkeiten.

Dabei gibt es sie, die Konventionen für einen gelungenen Abend, wie beispielsweise die richtige Taktik, um sich Zutritt in angesagte Clubs zu verschaffen oder um am besten einer Kneipenschlägerei zu entgehen. Das wissen Nana Heymann und Sebastian Leber, die beiden Autoren des Buchs "Nachts sind alle Katzen blau – Feiern für Fortgeschrittene".

Sie haben die Regeln des Feierns und die wichtigsten Antworten auf alle Fragen von Nachtaktiven auf 320 Seiten festgehalten. Entstanden ist ein Sammelsurium von witzigen, skurrilen und anregenden Situationen, die das Party-Leben so hergibt. Die "Welt" veröffentlicht Auszüge.

Zum Sex aufs Herren- oder Damenklo?

Diese Frage stellt sich logischerweise nur Heteropärchen. Ein Kriterium zur Entscheidungsfindung könnte die Hygiene sein: Wo es sauberer wirkt, lässt sich gepflegter übereinander herfallen. Die Ansicht, Männertoiletten seien grundsätzlich verdreckter, ist aber ein Mythos, der komischerweise vor allem von Männern geglaubt und weiterverbreitet wird.

Eine nicht repräsentative Umfrage unter Berliner Reinigungskräften ergab: Frauen sind tendenziell die größeren Verschmutzer. Schon in den Disziplinen Danebenpinkeln, Kloverstopfen und Papierrollen-Fallenlassen liegen sie vorn, hinzu kommen die exklusiven Sauereien, die sich mit Binden und Tampons anstellen lassen. Herrenklobrillen werden außerdem statistisch gesehen weniger bespritzt, weil sich die allermeisten Männer zum Pinkeln vors Urinal stellen.

Das zweite Kriterium ist die Chance auf Ungestörtheit: Frauen müssen öfter aufs Klo und bleiben länger drauf, Warteschlangen sind die Folge. Außerdem verbringen sie mehr Zeit vorm Spiegel. Ein Liebespaar hat auf dem Damenklo garantiert Zeugen.

Nicht zuletzt und allen Postgender-Bemühungen zum Trotz: Ein Mann auf dem Damenklo fällt unangenehmer auf und stellt den größeren Tabubruch dar als andersherum. Logisch gesehen kann es also nur eine vernünftige Antwort geben – ab aufs Männerklo.

Wie benehme ich mich im Darkroom?

Vorsicht, Verwechselungsgefahr. Hier geht es nicht um die Entwicklung von Analogfilmfotos. In einem Darkroom wird geküsst, gefummelt und, man kann es so sagen, vor allem penetriert. Menschen stellen im Schutz der Anonymität Dinge an, die sie bei Tageslicht nicht mal ihrem besten Freund erzählen möchten.

Erfunden wurden die dunklen Hinterzimmer in den 70er-Jahren in der US-amerikanischen Homoszene. Heute findet man sie nicht mehr nur in Schwulen-Clubs und -Bars. ... Vielleicht muss man das einfach mal nicht gesehen haben. In jedem Fall gelten auch hier grundlegende Verhaltensregeln:

1. Darkrooms sind, anders, als der Name vermuten lässt, keineswegs stockdunkel. Meistens erzeugen Glühbirnen wenigstens ein dürftiges Schummerlicht, sodass man sich a) nirgends den Kopf stößt und b) die Umrisse potenzieller Sexualpartner erahnen kann, um wenigstens die schlimmsten Überraschungen zu vermeiden. Was man dagegen garantiert nicht sieht, sind Feigwarzen und akuter Genitalherpes. Es gilt oberste Kondompflicht.

2. In der Regel betritt und verlässt man den Darkroom angezogen. Kleingeld und Schlüssel vorher gut verstauen. Was dort aus den Taschen fällt, findet man nicht wieder, und am Boden möchte man auch nicht auf gut Glück herumtasten, es sei denn, man schätzt das glitschige Gefühl gebrauchter Kondome.

3. Weiße T-Shirts gelten als extrem ungünstig, weil manche Betreiber mit Schwarzlicht arbeiten. Dann leuchtet man wie Hui Buh, das Schlossgespenst.

4. Die Partnerwahl funktioniert denkbar einfach. Wer sich frontal auf eine andere Person ausrichtet, signalisiert Interesse.

5. Wenn sich im Darkroom zwei Menschen vergnügen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass aus dem Duo früher oder später ein Trio, ein Quartett oder eine ganze Bigband wird. Wem das nicht gefällt, muss es deutlich aussprechen. Mimik und Gestik sind wirkungslos, das Wegschieben von Händen wird leicht missinterpretiert. Der Zaubersatz heißt: "Nein, ich will nicht."

6. Ansonsten wird wenig gesprochen. Positionswechsel-Absprachen sind gestattet, Besprechungen kürzlich gesehener Kinofilme nicht.

7. Hält Ihnen jemand ein kleines Fläschchen hin und fragt, ob Sie dran schnüffeln möchten: Das sind Poppers (flüssige und kurzzeitig wirksame Drogen, Anm. d. Red.).

8. Begegnen Sie Männern mit Baseballcaps, können Sie sicher sein: Diese Herren sind schon älter und nutzen die jugendliche Kopfbedeckung als Tarnung.

Wie werde ich einen nervigen Gesprächspartner los?

Sie sehen es ihm nicht sofort an, er wirkt sympathisch, vielleicht sogar witzig oder geistreich. Bis Sie merken, dass Sie leider an den Falschen geraten sind – doch dann ist es bereits zu spät.

Auf jeder guten Party gibt es mindestens einen nervigen Gast, der seine Umgebung ohne Rücksicht auf Verluste zutextet, der am liebsten von sich selbst erzählt und über alle subtilen Absetzbewegungen seiner Mitmenschen gnadenlos hinwegbrabbelt. Konventionelle Etikettetrainer bezeichnen solche Typen als "klebrige Gesprächspartner", treffender wäre wohl "schwarze Löcher" – weil sie die Gabe besitzen, Umstehenden sämtliche Energie und Lebensfreude auszusaugen.

Ihre Themenwahl variiert: Sie schwafeln von Backpacker-Urlauben in Südostasien, angeblichen Heldentaten im Büro, den letzten 20 Folgen ihrer aktuellen Lieblingsserie in chronologischer Reihenfolge. Was alle Party-Zutexter dieser Welt eint: Sie begreifen nicht, wie sehr sie die Geduld ihrer Mitmenschen strapazieren.

Mit dieser Masche gelingt es ihnen, ganze Gesprächsrunden zu zerstören. Nach und nach setzen sich die anderen ins Nebenzimmer ab, wer nicht rechtzeitig flüchtet, bleibt am Ende allein mit dem Wortmonster zurück. Wie entkommt man dieser Notlage? Zunächst müssen Sie sich über die Schuldfrage klar werden: Nicht Sie selbst sind unhöflich, weil Sie dringend fortmöchten. Ihr Gegenüber ist es. Im Grunde interessiert ihn überhaupt nicht, wen er gerade zutextet. Also kein Mitleid.

Weiterhin empfiehlt es sich nicht, auf eine günstige Gelegenheit zur Flucht zu warten, das steigert bloß die Frustration. Besser ist es, selbst aktiv zu werden. Die besten Fluchtwege:

1. Der Klassiker: Sie behaupten, dringend auf die Toilette zu müssen oder das Weinglas aufzufüllen. Nachteil: Das Monster könnte Sie begleiten wollen.

2. Der Phantom-Anruf: Greifen Sie in die Hosentasche und erklären Sie, das Handy vibriere. Dann täuschen Sie ein Telefongespräch vor, sagen bloß "Hallo", lassen ansonsten den imaginären Anrufer reden. Kurz Blickkontakt mit dem Monster herstellen, entschuldigend mit der freien Hand winken, umdrehen und weg.

3. Eine Technik, die der britische Soziologe Laurie Taylor vorschlägt: Gehen Sie in die Hocke und binden Sie einen Schnürsenkel neu. Bleiben Sie möglichst lange am Boden, stehen Sie dann mit weitem Ausfallschritt wieder auf und laufen dabei einem zufällig vorbeigehenden Fremden in die Arme. Entschuldigen Sie sich und laden Sie den Angerempelten auf einen Drink ein.

4. Für Fortgeschrittene: Verwickeln Sie einen Dritten in das Gespräch. Versuchen Sie, das Interesse des Zutexters auf den Neuankömmling zu lenken ("Kennt ihr euch eigentlich?" – "Er war übrigens auch schon in Südostasien"). Entfernen Sie sich kurz darauf von der Gruppe.

5. Die Freundlichkeitsoffensive: Schenken Sie Ihrem Gegenüber ein herzliches Lächeln, klopfen Sie ihm auf die Schulter und sagen Sie: "War wirklich toll, mit dir zu reden." Die positiven Signale werden die negativen des folgenden Abgangs überdecken und in Erinnerung bleiben. Wichtig: Behaupten Sie niemals, gleich wiederzukommen.

Woran erkenne ich, dass mich jemand abfüllen möchte?

Der Grat zwischen gut gemeinter Gastfreundschaft und vorsätzlichem Abfüllen ist schmal. Nicht immer lässt sich die wahre Absicht deuten. Schenkt der Sitznachbar Ihnen im Zehnminutentakt nach, weil sie verdursten könnten und er als unumsichtiger Flegel dastünde? Oder will er Ihnen bloß an die Wäsche? Beides ist zunächst natürlich schmeichelhaft, denn unterm Strich genießen Sie fremde Aufmerksamkeit. In welchem Ausmaß Sie das zulassen, entscheiden Sie selbst.

Ein sicheres Indiz dafür, dass der Nachschenker uneigennützig handelt: Er bietet zwischendurch Wasser an. Der notgeile Abfüller steigert den Promillegehalt der Drinks hingegen beiläufig, denn er weiß, dass Alkohol die Wahrscheinlichkeit auf Sex erhöht. Spätestens wenn er mit einer Flasche "Stroh 80" vor Ihnen steht, offenbart er sein eigentliches Vorhaben. Dass der Fusel an Durchschlagskraft einbüßt, wenn man zwischendurch zum Luftschnappen nach draußen geht, stimmt übrigens nicht.

Sobald Sie das Spiel Ihrer spendierfreudigen Bekanntschaft durchschaut haben, liegt es an Ihnen: Lassen Sie sich darauf ein, weil nicht nur der Pegel, sondern auch die Chemie stimmt? Oder bereiten Sie dem Ganzen ein Ende?

Die Auszüge stammen aus dem Buch "Nachts sind alle Katzen blau – Feiern für Fortgeschrittene" (320 S., 8,99 Euro, Goldmann Verlag) von dem Autoren-Duo Nana Heymann und Sebastian Leber

Foto: AFP

Ziemlich verrucht, was auf der "Masquerade Fashion Show" in Los Angeles gezeigt wurde.

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Der Party-Knigge und die Autoren
  • Das Buch

    Die beiden Autoren Nana Heymann und Sebastian Leber schreiben bereits eine eigene Kolumne zum Nachtleben in Berlin und haben Taktfragen in Sachen Party zu ihrem Spezialgebiet erklärt. Ihr Buch ist ein Guide für richtiges und stilechtes Benehmen in der Warteschlange, im Club, in der Kneipe oder auch zu Hause.

  • Antworten auf wichtige Fragen

    In ihrem Werk der Party-Peinlichkeiten geben die Autoren außerdem Antworten auf wichtige Fragen wie etwa: Was sollte ich niemals betrunken tun? Wie ruiniere ich eine Party? Sollte man sich sich am Türsteher für ein Nein rächen? Und: Kann man sich einen Menschen schön trinken? Die Antworten sind teils überraschend witzig, anregend und in jedem Fall skurril.

  • Autoren

    Sebastian Leber ist Redakteur beim Berliner "Tagesspiegel". Er studierte in Hamburg und lebt in Berlin-Kreuzberg. Er betreibt außerdem das Blog "Tiere sind Freaks". Nana Heymann ist gebürtige Ost-Berlinerin und verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Moskau. Sie arbeitet beim "Tagesspiegel" und schreibt zudem für das "Zeit-Magazin" und die "zitty".

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