25.02.13

Skurrile Konkurrenz

Griechische Gangster im Ausbrecher-Wettbewerb

Zwei griechische Mafiabosse kämpfen um Gaunerprestige und persönliche Freiheit: Wassilis Palaiokostas und Panagiotis Vlastos. Der eine gewinnt immer, der andere nie – auch nicht mit Hubschrauber.

Von Boris Kálnoky und Dimitra Moutzouri
Foto: pa/dpa (2)

Beide machten ihr Geld mit Entführungen: Panagiotis Vlastos (mit Kopftuch) sitzt noch ein, Wassilis Palaiokostas gelang mehrfach die Flucht
Beide machten ihr Geld mit Entführungen: Panagiotis Vlastos (mit Kopftuch) sitzt noch ein, Wassilis Palaiokostas gelang mehrfach die Flucht

Fast hätte es geklappt. Nur wenige Sekunden noch und Panagiotis Vlastos, einer der berüchtigtsten Gangsterbosse Griechenlands, wäre ein freier Mann gewesen. Mit einem Hubschrauber wollte er aus dem Hochsicherheitsgefängnis Korydallos ausbrechen. Der Helikopter kam im Stile eines James-Bond-Films angeflogen, mehrere Bewaffnete feuerten aus ihm heraus mit Kalaschnikows auf die Wachen.

Später fand man mehr als 500 Patronenhülsen. Ein Seil wurde heruntergelassen. Mit einem albanischen Mithäftling hechtete Vlastos zum Helikopter, der inzwischen nur drei Meter über dem Boden knatterte, und hievte sich hoch. Schon war er drin, während die Wachen auf den Hubschrauber ballerten – da traf ihn eine Kugel am Bein. Vlastos fiel aus dem Flieger. Weitere Treffer zwangen den Hubschrauber zur Landung.

Es war wieder mal knapp danebengegangen. Dabei war Griechenlands anderem Promi-Gangster, Wassilis Palaiokostas, im Jahr 2006 aus demselben Gefängnis heraus die Flucht per Helikopter spektakulär gelungen. Und dann im Jahr 2009 gleich noch mal.

Palaiokostas, der bei Weitem tollere Typ

Insofern titelte das griechische Nachrichtenportal Iefimerida.gr: "Wer ist dieser Vlastos, der neidisch war auf Palaiokostas?" Beide Männer so etwas wie Griechenlands Topgangster, gemein, brutal, erfolgreich und legendenumwittert. Beide wurden durch Entführungen reicher Geschäftsleute bekannt: Vlastos hatte, obwohl er zu der Zeit hinter Gittern saß, im Jahr 2009 den Schifffahrtstycoon Pericles Panagopoulos entführen lassen, für 30 Millionen Euro Lösegeld.

Palaiokostas hatte bereits im Jahr 1995 einen anderen reichen Geschäftsmann entführt, Alexandros Haitoglu. Das Lösegeld hatte damals vergleichsweise bescheidene 734.000 Euro betragen.

Aber Palaiokostas ist nach allgemeiner griechischer Macho-Auffassung der bei Weitem tollere Typ. Man sagt ihm nach, so etwas wie ein Robin Hood zu sein, sein ergangstertes Geld an bedürftige Familien zu verteilen. Und er flieht eben viel erfolgreicher und hollywoodreifer als Vlastos. Seine Hubschrauber-Ausbrüche sind legendär und waren sicher das Vorbild für Vlastos' gescheiterten Versuch.

2006 war der Überraschungseffekt entscheidend – die Wachen dachten, der Helikopter bringe irgendeinen Oberbeamten, um die Haftanstalt zu inspizieren. 2009 war es knapper, mit Seil und Hochklettern und Geballere. Palaiokostas ist seither auf der Flucht. Eine Frage aber stellt man sich im korruptionsgewohnten Griechenland: Gab es Komplizen in den Reihen des Gefängnispersonals? Denn es ist schon auffallend, dass bei der Schießerei 2009 niemand verletzt und der Hubschrauber nicht getroffen wurde – mit Ausnahme eines Wachmanns, der sich aus Versehen in den eigenen Fuß schoss.

Vlastos, der Fiese

Diesmal wurde offenbar noch mehr geschossen, allein 500 Kugeln aus dem Hubschrauber heraus, die aber immerhin den Flüchtling (und sonst niemanden) trafen. Palaiokostas mag der im "Volk" angesehenere Gangster sein. Dafür ist Vlastos, der sich im Gefängnis mit einer eigenen Leibgarde von sechs bis acht Mithäftlingen umgab, eindeutig der Fiesere.

Sein Lebenslauf trieft nur so von Gewalt. Die griechischen Medien berichten, er habe schon als Teenager serienweise Einbrüche begangen. Als junger Mann führte er bereits eine eigene Bande, ordnete Hinrichtungen von Rivalen an. Er erpresste Lokalbesitzer, um von ihnen "Schutzgelder" zu kassieren. Wenn einer nicht spurte, ließ er in dessen Restaurant oder Kneipe Bomben hochgehen.

Im Alter von nur 19 Jahren heiratete er eine Frau namens Dina Papadopoulou, die ihm einen Sohn gebar. Aber er ließ sich scheiden, als sie ihn mit einem Mann betrog, der danach – zu niemandes Verwunderung – ermordet wurde.

Im Jahr 2001 heiratete er erneut, eine Dame namens Giana Chira, mit der er offenbar plante, sich auf die Seychellen zurückzuziehen, um dort mit dem ergaunerten Geld ein sorgloses Leben zu verbringen. Denn das Gangsterleben ist auch ohne Ärger mit der Polizei ganz schön anstrengend. Vlastos etwa lieferte sich einen Bandenkrieg mit dem Klan der "Brüder Nashtouli".

Gaunerprestige und die persönliche Freiheit

Klassischer Wilder Westen, wenn es nicht Griechenland wäre: Auf jeder Seite kämpften drei Brüder – die Nashtoulis und die Vlastos' – und ihre jeweiligen Anhänger. Mehrere Mitglieder beider Banden kamen ums Leben, aber auch auf jeder Seite einer der drei Brüder. Vlastos verlor so seinen Bruder Markos. Auch sein anderer Bruder, Costas, starb einen gewaltsamen Tod, bei einem Feuergefecht mit der Polizei im Jahr 1998.

1994 war Vlastos zum ersten Mal zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden, wegen mehrerer Morde. Vier Jahre später floh er bei einem Freigang. 1998 wieder verhaftet, wieder geflohen; aber seit 2007 saß er ein, und so sehr er es auch versuchte, kein Fluchtversuch gelang. Ende 2010 versuchte er es, indem er mit drei ebenfalls einsitzenden Anarchisten 25 Besucher des Gefängnisses und drei Wachen als Geiseln nahm. Aber nach einigen Stunden Palaver mit der Polizei gab er auf.

Dass nun auch der Fluchtversuch per Hubschrauber scheiterte, muss seinen Stolz verletzt haben, mutmaßt man in Griechenland. Es bleibt dabei: Palaiokostas ist der Sieger im Wettbewerb der beiden größten Verbrecher Griechenlands ums Gaunerprestige und die persönliche Freiheit.

Quelle: Reuters
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