25.02.13

Modewoche

Mailand und die Sehnsucht nach Qualität

Hilft die Mode Italien aus der Krise? Die Schauen in Mailand boten Anlass zur Hoffnung. Gucci, Prada & Co. setzen auf tragbare Eleganz – und wieder auf das wertvolle Etikett "Made in Italy".

Foto: WireImage

Die neue Mode ist elegant, hat Stil, mit Reminiszenzen an die 1940er- und 1950er-Jahre.

12 Bilder

Morgens in Mailand. Der Taxifahrer hupt, was das Zeug hält, aber es ist nichts zu machen. Die Straßen rund um die erste Show sind so verstopft, dass man weder vor noch zurück kommt und wie viele andere Journalisten, Einkäufer und Blogger die letzten 500 Meter zu Fuß durch den Schneeregen hastet. Bis Montag fand in der Stadt die Fashion Week statt, und eines wurde schnell deutlich: Die Mode stellt für Italiens Wirtschaft gerade eine große Hoffnung dar.

Korrupte Politiker, die Mafia, Staatsschulden – dem Land geht es schlecht. Aber wie man aus der Krise wieder herausfindet, wusste bisher niemand so recht. Den vielleicht besten Vergleich für die aktuelle Stimmungslage hat Bill Emmott formuliert, der früher Chefredakteur beim Wirtschaftsmagazin "The Economist" war und gerade eine Dokumentation über Italien gedreht hat: "Girlfriend in a Coma" heißt sie. Auf Deutsch: Eine Freundin im Koma.

Während alle anderen noch ratlos auf die Patientin blicken, bemühten sich die Designer in den letzten Tagen um die ersten Rehabilitationsmaßnahmen und zeigten das, was sich in Krisenzeiten am besten verkauft: Luxus, und zwar in Form von Pelz jeder Art. Bei Fendi war er bunt gestreift, bei Salvatore Ferragamo aus schwarzem Bieber und bei Marni auf fast jedes Kleidungsstück gesetzt.

Sehnsucht nach Qualität

Pelz, muss das sein? Manche Europäer waren skeptisch, die asiatischen Gäste dagegen umso interessierter. Sowieso scheinen sich die Italiener dort, wo Mode normalerweise billig produziert wird und die Sehnsucht nach dem wertvollen Etikett "Made in Italy" wächst, einen neuen Markt zu erschließen.

Bei den Schauen jedenfalls saß man zahlreichen Gästen aus China und Japan gegenüber. Ein immer wieder wunderbarer Moment: Sobald das Licht ausging, waren drüben – zack – die iPads in der Luft.

Qualität suchen die Italiener aber auch selbst wieder, glaubt Giuseppe Santoni. Er ist Geschäftsführer des gleichnamigen Labels und macht mit seinen seit 1975 von Hand hergestellten Schuhen 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Gerade ist er mit einem kleinen, neuen und von der Innenarchitektin Patricia Urquiola entworfenen Laden in Mailands feine Via Montenapoleone gezogen. Der Andrang am Eröffnungsabend war jedenfalls riesig. Danach ging es schnell weiter zur Show von Versace.

Aber huch, was war das denn? Erst musste man wegen des grellen Lichts blinzeln, dann wegen der Mode. Donatella Versace zeigte eine Kollektion aus minikurzem Lack und knallengem Leder. Einem Kollegen rutschte beim Abendessen heraus, was alle anderen insgeheim dachten: "Vielleicht ist hässlich ja das neue Sexy?" Immerhin, das Gesamtbild stimmte, und wenn man ein, zwei Teile richtig kombiniert …

Starkes Frauenbild

Schöner ging es auf den Schauen von Bottega Veneta, Gucci und Prada zu, wo durch den Einsatz von maskulinen Elementen ein starkes Frauenbild entstand. Frida Giannini zum Beispiel zeigte strenge Hosenanzüge mit großflächigen Federstickereien. Tomas Maier hatte Mäntel kreiert, die durch das Spiel von Falten und Volumen wie kunstvolle Skulpturen wirkten. Und Miuccia Prada kombinierte Boots mit dicker Profilsohle zu schwingenden Karokleidern.

Die Krönung zeigten am Sonntagnachmittag Domenico Dolce und Stefano Gabbano. Die Kollektion war von den goldfarbenen Mosaikbildern einer Kathedrale im sizilianischen Monreale inspiriert und hinterließ bei den Betrachtern den Eindruck, dass man sich darin wohl schlagartig wie eine Königin fühlen muss. "The show was fan-tas-tic", schwärmte hinterher jemand im Gedränge.

Welche Rolle die Frau in der teils kantigen, teils heroischen Mode im kommenden Winter wohl übernehmen soll? Die Antwort hat der Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen parat. Als es in den Radionachrichten um die Wahl des neuen Parlaments am vergangenen Sonntag geht, schüttelt er den Kopf und sagt: "Italien braucht weder eine linke noch eine rechte Partei, sondern endlich eine ehrliche Person an der Spitze. Am besten eine Frau."

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