25.02.13

Hirnforschung

Schon Frühchen unterscheiden Silben und Stimmen

Untersuchungen von Frühchen fördern Erstaunliches zu Tage: Ihr Gehirn ist noch nicht einmal richtig verdrahtet, und doch registriert es schon feinste Sprachunterschiede wie "Ba" und "Ga".

Foto: pa/dpa

Die Aufnahme zeigt ein Frühchen in der Kinderklinik Dritter Orden in Passau. Schon drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin kann das noch unreife Gehirn eines Babys verschiedene Silben sowie die Stimmen von Männern und Frauen unterscheiden
Die Aufnahme zeigt ein Frühchen in der Kinderklinik Dritter Orden in Passau. Schon drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin kann das noch unreife Gehirn eines Babys verschiedene Silben sowie die Stimmen von Männern und Frauen unterscheiden

Schon drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin kann das noch unreife Gehirn eines Babys verschiedene Silben sowie die Stimmen von Männern und Frauen unterscheiden. Dies fanden Wissenschaftler aus Frankreich nach der Untersuchung von Frühgeborenen heraus.

Das Gehirn organisiert sich schon früh in der Entwicklung so, dass es die Sprache als solche erkennen und entschlüsseln kann, wie die Forscher in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten.

Das Team von der Université de Picardie Jules Vernes in Amiens hatte zwölf Frühchen untersucht, die zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen waren. Das Gehirn ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht voll ausgereift. Die Nervenzellen liegen noch nicht an ihrem endgültigen Bestimmungsort im Gehirn und auch die "Verdrahtung" der Hirnzellen ist noch nicht abgeschlossen.

Mit speziellen Messgeräten, die am Brutkasten eingesetzt werden können, überprüften die Forscher bei den schlafenden Babys, wie sich die Aktivität der Gehirne als Reaktion auf verschiedene Silben und Stimmen änderte.

Feine sprachliche Unterschiede werden wahrgenommen

Die Experten um Mahdi Mahmoudzadeh fanden heraus, dass selbst feine sprachliche Unterschiede – zum Beispiel ein Lautwechsel von "Ba" zu "Ga" – im Gehirn wahrgenommen wird. Diese Unterscheidung sei sehr schwierig, bei Menschen mit Hörproblemen ginge die Fähigkeit dazu schnell verloren.

Und auch die jüngsten Babys konnten schon männliche und weibliche Stimmen unterscheiden. Das rechte Frontalhirn reagierte sowohl auf die unterschiedlichen Laute als auch auf die verschiedenen Stimmen, berichten die Wissenschaftler weiter.

Das linke reagierte hingegen nur auf die Lautverschiebung. Ein Grund dafür sei vermutlich, dass sich die rechte Seite einige Wochen vor der linken entwickele.

Fazit der Forscher: Das Gehirn bereite sich schon Monate vor der Geburt auf die Verarbeitung von Sprache vor. Ihre Untersuchung zeige, dass angeborene Faktoren dabei scheinbar eine größere Rolle spielten als die Auseinandersetzung mit der Umwelt, schreiben sie in dem Fachblatt.

Quelle: dpa/oc
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