25.02.13

Tschetschenien

Gérard Depardieu besucht seinen Autokraten-Freund

Tschetschenien steht für Korruption und Menschenrechtsverstöße. Das hält Gérard Depardieu nicht von einer Verbrüderung mit Präsident Ramsan Kadyrow ab. Belohnt wird der Neu-Russe mit einem Geschenk.

Foto: picture alliance / dpa

Kurz nachdem der französische Filmstar Gérard Depardieu eine offizielle Meldeadresse in Russland erhalten hatte, folgte er nun einer Einladung des umstrittenen tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow (l.) nach Grosny.

5 Bilder

Man könnte denken, Gérard Depardieu hat mit seinem russischen Pass, dem Titel eines Ehrenudmurten und der Meldeadresse in einem Plattenbau der Stadt Saransk in der Teilrepublik Mordwinien die Grenzen der Peinlichkeit bereits erreicht. Doch nach dem Mordwinien-Besuch setzte er seine Russland-Reise fort.

Depardieu flog nach Tschetschenien, die Teilrepublik Russlands, die vor allem im Zusammenhang mit Korruption, Islamisierung, Morden an Journalisten und Menschenrechtlern und dem Luxus-Alltag der dort herrschenden Elite in den Nachrichten auftaucht. Das Ziel der Reise sei, seinen Freund zu besuchen, sagte er Journalisten. Dieser Freund, der tschetschenische Präsidenten Ramsan Kadyrow, holte ihn persönlich am Flughafen ab und empfing ihn mit kaukasischer Gastfreundschaft.

Als der französische Schauspieler den Flieger verließ, trug er eine charakteristische Pelzmütze mit Ohrenwärmern, wie sie russische Polizisten tragen, ein Geschenk aus Mordwinien. "Wir freuen uns, Sie wieder auf tschetschenischem Boden zu sehen", sagte Kadyrow. "Sie sind wirklich ein hervorragender und auf der ganzen Welt beliebter Schauspieler. Und ich freue mich noch mehr, dass wir jetzt Landsleute sind." Depardieu musste das Kompliment erwidern: "Ich liebe Russland. Ich mochte auch die Tschetschenische Republik sehr. Die Menschen hier sind offen und freundlich."

Residenz des Tschetschenien-Herrschers

Aus dem Flughafen wurde der neue russische Bürger in die Residenz des Tschetschenien-Herrschers gefahren. Dort glänzte alles mit Gold und der Tisch war mit Essen vollgestellt. Depardieu lachte in die Kameras und tanzte einen tschetschenischen Volkstanz zusammen mit Frauen, die im neuen Tschetschenien alle ein Kopftuch tragen müssen. Immer wieder umarmte er seinen neuen Freund, den bärtigen Kadyrow, der wie gewöhnlich eine lässige weiße Kapuzenjacke trug.

Seine legendäre goldene Pistole hatte Kadyrow diesmal nicht dabei. Die Bilder dieses Festmahls postete der tschetschenische Präsident sofort bei Instagram.

Ohne Geschenke durfte Depardieu nicht gehen. Ramsan Kadyrow, dessen Namen mehrere Straßen in Tschetschenien tragen, schenkte ihm am Montag eine Fünf-Zimmer-Wohnung in der Hauptstadt der Republik, Grosny und den Titel eines tschetschenischen Ehrenbürgers. Depardieu sagte, er wolle einen Film in Grosny drehen.

Er habe die Stadt vor fünf Jahren gesehen und wolle erklären, wie ein Mensch in dieser Zeit die Stadt wiederaufgebaut habe. "Ich bin mir sicher, dass hier glückliche Menschen leben", sagte er über Tschetschenien.

Folter, Polizei-Willkür und Ehrenmorde

Das hört sein neuer Freund Kadyrow gerne. Seit 2007 ist er Präsident von Tschetschenien. In dieser Zeit wurden Vertretungen der Menschenrechtsorganisationen aus der Republik vertrieben. Die Mitarbeiterin der Gesellschaft Memorial, Natalia Estemirowa, wurde 2009 in Grosny entführt und getötet.

Die Menschenrechtler, die jetzt in Schichten in Tschetschenien arbeiten, berichten regelmäßig über Folter, Willkür der lokalen Polizei und Ehrenmorde an Frauen. Kadyrow unterstützt die Islamisierung der Republik und äußerte sich mehrmals für die Legalisierung der Polygamie. Doch das würde der neue Film von Depardieu wahrscheinlich nicht zeigen. Das dürfte seiner neuen Freundschaft nur schaden.

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