23.02.2013, 12:33

"Tatort Bremen" Wenn Killer klingeln, bist du besser nicht zu Hause

Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) ringt mit der Freundin des Opfers

Foto: Jörg Landsberg / Radio Bremen/J rg Landsberg

Von Christoph Cöln

Die Killer des Staates töten sogar in Bremen. Dabei ist das nicht das größte Problem der „Tatort“-Folge „Puppenspieler“. Es ist vielmehr der Plot – trotz dichter Thriller-Stimmung.

Es gibt Motive im "Tatort"-Kosmos, die so glaubwürdig sind wie die Renditeversprechen in Kettenbriefen. Kumpelhafte Kommissare, denen nichts Besseres einfällt, als in Lebensgefahr befindliche Zeugen mit nach Hause zu nehmen und dort zu verstecken, sind so eine Luftnummer, die einfach nicht totzukriegen ist.

Weil aber gerade das Krimigenre von einer gewissen Rückkopplung an den Realismus lebt - Stichwort: Polizeiarbeit –, wirken solche Elemente absonderlich und können einer guten Geschichte den Zahn ziehen. Das größte Problem des neuen Bremer "Tatorts – Puppenspieler" sind aber nicht die schlechten Klischees, sondern der Plot.

Der ist so übersichtlich wie die Speisekarte im China-Restaurant. Viele Handlungsstränge rührt die Story zusammen, wirklich ernst nimmt sie keinen. Es geht um einen juristischen Entscheid zur Weservertiefung, einen hohen Verwaltungsrichter, der mit einem Sex-Video erpresst wird, und um eine Schatteneinheit des BKA.

Im Notfall Auftragsmord

Die oberste Polizeibehörde hält sich ein geheimes Killerkommando, das im Notfall durch Auftragsmorde die öffentliche Ordnung wahren soll. Zwischen diese Fronten geraten die 16-jährige Mel und ihr Freund Ole.

Als man den Jungen erschossen auffindet, bringt Kommissar Stedefreund Mel in seiner Wohnung unter. Nicht ohne dem Mädchen einzubläuen, das Haus nicht zu verlassen. Der Killer findet sie natürlich trotzdem.

Dass sie nichts Neues ausprobieren, kann man den Bremer "Tatort"-Machern nicht vorwerfen. Als kleinster Sender im ARD-Verbund versucht sich Radio Bremen gerne an unkonventionellen Geschichten. Mit der faszinierenden Darstellung einer dissoziativen Persönlichkeit ("Ordnung im Lot") funktionierte das gut, mit dem testosteron-gesteuerten Geiseldrama "Hochzeitsnacht", trotz toller Underground-Charaktere, weniger gut. Schuld war das Drehbuch.

Der Zusammenbruch der Zynikerin

Auch in "Puppenspieler" kann die Inszenierung die überladene Story nicht retten. Zwar schafft Regisseur Florian Baxmeyer mit dem pointierten Einsatz von Splitscreens und einem aufregenden Sounddesign dichte Thriller-Stimmung. Doch die Melange aus Politverschwörung, Polizeikomplott und Ausreißerdrama wirkt wie der Naschteller zu Weihnachten: Für jeden was drin, Hauptsache, süß.

Spannende, auf realen Ereignissen beruhende Motive wie die NSU-Mordserie oder der Rotlichtskandal um Leipziger Richter müssen dagegen als plakative Schlusssteine herhalten, um das ganz große Rad, das die Story dreht, am Laufen zu halten. Was möglich gewesen wäre, zeigt die Figur der BKA-Ermittlerin Strange (stark: Katja Danowski).

Einmal, da hat diese Zynikerin einen kleinen Zusammenbruch, sind wir ihr ganz nah, sehen, wie kaputt diese Frau ist. Und wie kaputt das System, für das sie steht.

"Tatort", Sonntag, 24.02.13, ARD, 20.15 Uhr

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter