22.02.13

Mordprozess

Verurteilt, weil die Toten aus den Gräbern sprachen

Der Ex-Cop Drew Peterson wurde wegen Mordes verurteilt. Die Anklage stützte sich vor allem auf das Hörensagen von Zeugen. Damit die "Beweise" anerkannt werden konnten, gibt es sogar ein neues Gesetz.

Von Michael Remke
Foto: AP/dpa

Diese Zeichnung zeigt den aufgebrachten Drew Peterson im Gerichtsssal
Diese Zeichnung zeigt den aufgebrachten Drew Peterson im Gerichtsssal

Kurz bevor Richter Edward Burmila das Urteil verkündete, kommt es im Gerichtssaal in Joliet, eine Autostunde südlich von Chicago, zu wilden Tumulten. "Ich habe Kathleen nicht umgebracht", brüllt der wegen Mordes an seiner Frau angeklagte Drew Peterson in den Gerichtssaal. Er habe es nicht getan.

"Doch, das hast du", schreit eine Frau im Zuschauerraum nicht minder laut zurück. "Du bis ein Lügner." Es ist Susan Doman, die Schwester des Opfers, Petersons dritter Ehefrau Kathleen Savio. Gerichtsdiener müssen die aufgebrachte Frau aus dem Saal bringen.

Acht Jahre nach dem Tod von Savio und drei Jahre nach der Verhaftung des früheren Polizisten Drew Peterson geht damit einer der spektakulärsten Indizienprozesse in der jüngeren Geschichte Amerikas zu Ende. Ein Fall, der das Land über Monate beschäftigt und fasziniert hatte.

Richter Burmila schickte den 59-jährigen Angeklagten nach einem vor allem auf Hörensagen basierenden Prozess für 38 Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hatte 60 Jahre beantragt, die Verteidigung dagegen auf unschuldig plädiert. Sie kündigte Berufung an.

Er wusste ja, wie man es macht

"Ich hoffe, er verrottet jetzt im Gefängnis", sagte der Bruder des Opfers, Henry Savio nach dem Urteil. "Kathleen soll ihn in seinen Träumen verfolgen und sehen, wie er langsam in die Hölle absteigt." Susan Doman erklärte nachdem sie aus dem Saal geführt wurde: "Der Verlust meiner kleinen Schwester ist in Worten nicht zu beschreiben. Es wird keine Geburtstage mehr mit ihr geben, keine Ferien, kein Lachen, keine Umarmungen, kein Rat."

Trotz des Fehlens "harter Beweise" hatte eine Jury Peterson für schuldig befunden, seine Frau Kathleen Savio am 1. März 2004 erschlagen zu haben. Ein Nachbar hatte die blutverschmierte Leiche in einer Badewanne ihres Hauses in einem Vorort Chicagos gefunden. Damals ging die Polizei von einem Unfall aus. Nur die Familie und Freunde des 40-jährigen Opfers hatten von Anfang an Zweifel an dieser Theorie.

"Kathleen hat um ihr Leben gefürchtet", sagte Kristen Anderson, eine Freundin, während des Prozesses. Sie habe mit einem Messer unter ihrem Kopfkissen geschlafen. Laut Anderson habe "Peterson Kathleen immer wieder damit gedroht, sie umzubringen und den Mord als Unfall erscheinen zulassen". Er habe als Ermittler ja gewusst, wie er so etwas machen konnte.

Ein anderer Zeuge sagte aus, dass Peterson auf der Suche nach einem Auftragsmörder war. "Er hat mir 25.000 Dollar angeboten, wenn ich den Job machen könnte", sagte Jeff Pachter ein Ex-Kollege von Peterson. Damals habe er aber nicht gewusst, ob er das wirklich ernst meine.

"Sie ist mit einem Jüngeren durchgebrannt"

Auch ein Motiv für den Mord an Kathleen Savio schien es von Anfang zu geben. Die Krankenschwester, die sich ein Jahr vor ihrem Tod von Peterson scheiden ließ, wollte mehr Unterhalt. Eine Forderung, die der damalige Polizist ablehnte. Er befürchtete seine Frau wolle ihn ruinieren. Trotz des Verdachts wurde Savio kurz nach ihrem Tod beerdigt. Die Polizei hatte keine Beweise für ein Verbrechen gefunden.

Erst das Verschwinden von Petersons vierter Ehefrau Stacy Peterson im Jahr 2007 brachte die Behörden erneut auf die Spur ihres Kollegen. Peterson wurde verdächtigt, seine damals 29 Jahre jüngere Frau ermordet und verscharrt zu haben. Tagelang hatten daraufhin die US-Medien das Haus des Verdächtigen belagert. Und der schien den Ruhm zu genießen.

Immer wieder erklärte ein arrogant wirkender Peterson vor laufenden Kameras, dass er mit dem Verschwinden seiner 23 Jahre alten Frau nicht zu tun habe. "Sie ist mit einem Jüngeren durchgebrannt", behauptete er. Dann begann er sich – seiner Sache sicher – über die Meute der Journalisten lustig zu machen. Er lobte eine Reality-Show aus: "Gewinnen Sie ein romantisches Abendessen mit Drew" oder "Der Drew-Ehe-Wettbewerb".

Die Polizei arbeitete fieberhaft an dem Verschwinden von Stacy Peterson, bis heute jedoch ohne Erfolg. Die Vermisste wurde nie gefunden, ihr Mann nicht angeklagt. Dafür rollten die Ermittler den Tod von Kathleen Savio wieder auf. Ihr Leiche wurde für eine erneute Autopsie exhumiert und die offizielle Todesursache von "Unfall" in "Mord" geändert.

"Tratsch und unglaubliche Lügen"

Dabei stützten sich die Ermittler vor allem auf Zeugen, die behaupteten, Peterson habe Stacy den Mord an Savio gestanden. Als sie drohte, zur Polizei zu gehen, habe er auch Stacy ermordet. Peterson wurde daraufhin verhaftet und 2012 vor Gericht gestellt.

In dem wochenlangen Prozess stützte sich die Anklage fast ausschließlich auf das, was Zeugen gehört haben wollten. Von Savio, aber auch von Stacy Peterson wollen sie erfahren haben, dass sie "Angst vor ihrem Mann hatten" und er ihnen "mehrfach mit Mord drohte". Damit diese "Beweise" vor Gericht auch anerkannt werden konnten, verabschiedete der Bundesstaat Illinois extra ein neues Gesetz, das mittlerweile als "Drews Law" bekannt geworden ist. "Die Toten können so aus ihren Gräbern über ihre Familie und Freunde zu uns sprechen", begrüßte Staatsanwalt James Glasgow das neue Gesetz.

"Sie haben nichts gegen mich in der Hand", sagte dagegen der Angeklagte Peterson noch vor Prozessbeginn. "Das alles sind Gerüchte, Tratsch und unglaubliche Lügen." Die zwölf Geschworenen jedoch glaubten dem "Hörensagen" der Zeugen und folgten der Anklage.

"Wir haben vor Gericht einen Psychopaten erlebt", sagte Staatsanwalt Glasgow nach dem Urteilsspruch. "Peterson ist ein eiskalter Killer."

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