22.02.13

Pannen

Mordverdacht - Chef-Ermittler im Fall Pistorius muss gehen

Neue Panne im Fall Oscar Pistorius: Chef-Ermittler Hilton Botha steht wegen versuchten Mordes in sieben Fällen unter Verdacht. Er muss gehen.

Von Christian Putsch
Foto: AFP
Steht selbst im Visier seiner Kollegen: Gegen Chefermittler Hilton Botha wird wegen siebenfachen Mordversuchs ermittelt. Er wurde von seinen Aufgaben entbunden
Steht selbst im Visier seiner Kollegen: Gegen Chefermittler Hilton Botha wird wegen siebenfachen Mordversuchs ermittelt. Er wurde von seinen Aufgaben entbunden

Es ist erst die Anhörung für einen Kautionsantrag und nicht der Prozess, doch die juristische Aufarbeitung des Falls Oscar Pistorius nimmt in Pretoria bereits bizarre Züge an. Am Donnerstag wurde der Chefermittler Hilton Botha von dem Fall abgezogen, nachdem bekannt geworden war, dass gegen ihn ein Verfahren wegen versuchten Mordes in sieben Fällen läuft.

"Ich berufe ein neues Team, und Hilton Botha ist nicht Teil davon", sagte die südafrikanische Polizeichefin Mangwashi Phiyega. Neuer Chefermittler werde Vinesh Moonoo, einer der hochrangigsten Polizisten des Landes.

Die Vorwürfe gegen Botha stehen im Zusammenhang mit einem Vorfall im Oktober 2011. Botha fuhr mit zwei Kollegen in einem Dienstwagen und eröffnete das Feuer auf einen Kleinbus. In dem Bus hätten sich sieben Personen befunden, deshalb habe der Vorwurf auf versuchten Mord in sieben Fällen gelautet, so die Behörden. Das Verfahren sei zwischenzeitlich eingestellt, nun aber wieder aufgenommen worden.

Die Entwicklung um Botha schwächt die Position der Staatsanwaltschaft und belegt den miserablen Zustand der südafrikanischen Strafverfolgungsbehörden eindrucksvoll. Weder Botha noch der zuständige Staatsanwalt Gerrie Nel wussten nach eigenen Angaben bis Mittwoch, dass das Verfahren wieder aufgenommen wurde.

"Ich kann mir das nur mit meinen Ermittlungen gegen Pistorius erklären", hatte Botha noch am Donnerstagmorgen gemutmaßt. Allerdings wurde das Verfahren offenbar bereits am 4. Februar, also zehn Tage vor dem Tod von Reeva Steenkamp, wieder aufgenommen. Botha hatte in Pistorius' Haus und Umfeld die Polizeiarbeit geleitet, er hatte schon am Mittwoch mehrere Fehler zugegeben.

Botha wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Ermittler wehrte sich vehement gegen die Vorwürfe. Die Schüsse seien gefallen, so Botha, weil der Busfahrer "uns von der Straße abdrängen wollte". Er habe sich in Ermittlungen zu einem Mordfall befunden. Im Mai wird er sich nun selbst vor einem Gericht verantworten müssen.

Auch wegen dieser Entwicklung geht die ursprünglich auf zwei Tage angesetzte Verhandlung im Magistratsgericht von Pretoria am Freitag in ihren vierten Tag. Pistorius verfolgte am Donnerstag nach Angaben von Prozessbeobachtern wie schon in den vorangegangenen Tagen wortlos und bisweilen abwesend wirkend die Argumentation seines Verteidigers Barry Roux und der Staatsanwaltschaft.

Bei der Anhörung wurden in Anbetracht des frühen Zeitpunkts ungewöhnlich viele Details präsentiert, obwohl viele Beweismittel noch nicht abschließend ausgewertet sind. Für Pistorius' Antrag, auf Kaution freigelassen zu werden, ist es aber wichtig, ob er mit Vorsatz und vorausgegangener Planung geschossen hat.

In diesem Fall, gemäß der südafrikanischen Rechtssprechung ein Verbrechen gemäß "Schedule 6", ist es selten, dass ein Antrag auf Kaution Erfolg hat. Richter Desmond Nair hatte das Verbrechen zu Beginn der Anhörung entsprechend klassifiziert, kann dies aber heute noch auf Totschlag ("Schedule 5") abmildern.

Rechtsanwalt Roux verwies erneut auf die "liebevolle Beziehung" von Pistorius und Steenkamp, die Tötung sei nicht "vorausgeplant" gewesen. Eine Autopsie habe zudem ergeben, dass die Blase des Opfers leer gewesen sei – das bekräftige Pistorius' Behauptung, Steenkamp sei nachts ins Bad gegangen, um die Toilette zu benutzen. Ermittler hatten zuvor behauptet, das Model habe Zuflucht in der abschließbaren Toilette gesucht, um sich vor ihrem aufgebrachten Freund in Sicherheit zu bringen.

"Er schoss, um zu töten"

Für einen so frühen Nachweis eines Vorsatzes waren umfangreiche Darstellungen des Verbrechens aus beiden Lagern erforderlich. Staatsanwalt Nel argumentierte, auch der Fund von Steenkamps Handy in dem Badezimmer, in dem sie erschossen wurde, spreche dafür, dass sie nicht wie von Pistorius geschildert nachts zur Toilette gegangen sei, sondern vor ihm geflüchtet sei.

Eine Liste ihrer Anrufe konnte die Anklage sieben Tage nach der Tat zur Überraschung des Richters allerdings nicht vorlegen. "Es wäre möglich gewesen", gab Botha zu. Nel argumentierte, selbst Pistorius' Version, er habe gedacht, auf einen Einbrecher zu schießen, spreche für einen Vorsatz: "Dann ist es immer noch geplant", sagte der Staatsanwalt, "er schoss, um zu töten."

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