20.02.13

Glücksspiel

Eurojackpot droht zum Flop zu werden

Das 2012 gestartete, europaweite Lottospiel sollte für die staatlichen Anbieter ein Befreiungsschlag werden. Doch die Beteiligung ist enttäuschend. Die neue Glücksspielordnung aber lässt sie hoffen.

Foto: picture alliance / dpa

Ein ausgefüllter Eurojackpot Lottoschein
Ein ausgefüllter Eurojackpot Lottoschein

Für die leidgeprüften, staatlichen Lottogesellschaften sollte es der Befreiungsschlag werden: Nachdem sie über Jahre hinweg mit schmerzhaften Umsatzrückgängen zu kämpfen hatten, hatten sie gemeinsam mit Lottoanbietern aus anderen europäischen Ländern im Juli vergangenen Jahres ein europaweites Lottoangebot namens Eurojackpot an den Start gebracht - und sich in diesem Zug große Hoffnungen auf sprudelnde Einnahmen gemacht.

Bis zu einer halben Milliarde Euro zusätzlich erhoffte man sich allein bis Ende 2012 und wohl noch einiges mehr in der Zeit danach. Man wähnte sich gar am Beginn eines "neuen Zeitalters der Lotteriegeschichte".

Neun Monate später ist von der anfänglichen Euphorie nicht mehr viel geblieben – und das nicht ohne Grund. Mit 312 Millionen Euro, die der Eurojackpot 2012 in die Kassen spülte, ist das hoch gelobte Produkt nicht nur weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Augenscheinlich hat es ausgerechnet den Hauptprodukten der Lotterieanbieter noch das Wasser abgegraben. Allein beim größten Umsatzbringer "6 aus 49" brachen die Einnahmen im vergangenen Jahr um neun Prozent ein. Statt 3,96 Milliarden Euro wie 2011 strömten 2012 nur noch 3,6 Milliarden Euro in die Kassen.

Kannibalisierung anderer Angebote

Gewisse Kannibalisierungseffekte seien tatsächlich nicht von der Hand zu weisen, räumten denn auch Michael Burkert und Peter Jacoby ein, Chefs der saarländischen Lottogesellschaft, die seit Anfang des Jahres federführende Gesellschaft im Deutschen Lotto- und Totoblock ist.

"Der Eurojackpot entwickelt sich langsam, zu langsam", resümierte Burkert in Berlin – nicht ohne jedoch zu beteuern, dass man "erhebliche Umsatzfantasien für die Zukunft" habe. Um die auch wirklich zu realisieren, wolle man den Eurojackpot künftig stärker bewerben.

Über alle Produkte hinweg seien für das laufende Jahr Werbeausgaben "im siebenstelligen Bereich" geplant, kündigte Burkert an. Dass die Lottogesellschaften so frank und frei über eine Steigerung ihrer Werbemaßnahmen sprechen, wäre noch vor einem Jahr nicht denkbar gewesen.

Nachdem die Gerichte das staatliche Monopol auf Lotto und Sportwetten nur dann für zulässig erklärten, wenn der Staat maximale Suchtprävention betreiben würde, hatte die Politik scharfe Werberestriktionen auch für die 16 Lottogesellschaften verhängt.

Deren Einnahmen waren in Folge dessen schmerzhaft eingebrochen. Nach Zahlen des Deutschen Lottoverbands gingen ihnen allein zwischen 2007 und 2012 de facto mehr als zehn Milliarden Euro durch die Lappen.

Neuer Glücksspielstaatsvertrag lockert Werbeauflagen

Nach Jahre langem Ringen um die deutsche Glücksspielordnung war Mitt 2012 ein neuer Glücksspielvertrag rechtskräftig geworden, im Zuge dessen das staatliche Lottomonopol verlängert und eine Teilliberalisierung des Sportwettenmarktes umgesetzt wurde. Dabei wurden auch die Werbeauflagen mit Beginn des laufenden Jahres spürbar gelockert; auch TV- und Internetwerbung etwa, die vorher untersagt waren, sind nun grundsätzlich wieder erlaubt.

Während die staatlichen Lottogesellschaften angesichts dieser Aussichten frohlocken, bemängeln die privaten Vermittler staatlicher Lotterieangebote eine Ungleichbehandlung. Natürlich freue man sich über die Werbeerleichterungen, sagt Magnus von Zitzewitz, Vorstand des privaten Lotterievermittlers Lotto24. "Allerdings unterliegen private Vermittler weiteren extremen Beschränkungen, die uns existenziell bedrohen."

Mit Verweis auf die Notwendigkeit der Suchtprävention würden Unternehmen wie sie beispielsweise gezwungen, ihre Umsätze bei 16 Lotteriegesellschaften regional abzugeben. Das eigentliche Ziel sei jedoch, den zuvor vom Bundeskartellamt geschützten Wettbewerb zu verhindern. Infolgedessen hätten die Lottogesellschaften etwa auch die Provisionen der Vermittler massiv gekürzt.

Bankentransferverbot für illegale Glücksspiele

Im Gegensatz hierzu zentralisierten die Lotteriegesellschaften ihre eigenen Angebote im Internet unter Lotto.de und bündelten so ihre Marktmacht erheblich. "Hiermit überreizen die Länder und setzen ihre Lotteriemonopole erneut aufs Spiel", droht von Zitzewitz. Tatsächlich haben Vermittler seit Oktober 2012 schon mehrere Klagen gegen die Beschränkungen eingereicht.

Im Kampf gegen die sinkenden Umsätze fordern die staatlichen Lotto-Gesellschaften auch Unterstützung von der Politik, Bundesländer müssten schärfer gegen illegale Anbieter vorgehen. "Die Ordnungspolitik muss da in Zukunft Flagge zeigen", sagte Burkert. Auch Spielhallen sollten stärker reglementiert werden als in der Vergangenheit.

Denkbar sei unter anderem ein Bankentransferverbot für illegale Glücksspiele, was auch ein Beitrag gegen Geldwäsche wäre.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Bayern Munich's Robben tries to kick ball in front of Borussia Dortmund's Weidenfeller in Champions League final in London
Aktualisiert vor 1 MinuteLive-Ticker
Weidenfeller herausragend gegen Robben

Jetzt wird Geschichte geschrieben, der Ball rollt! Wer holt den Henkelpott nach Deutschland, Dortmund oder Bayern? Alles Wissenswerte rund um das Endspiel der Champions League hier im Liveticker. mehr...


Ein paar Hundert Fans kamen bereits am Nachmittag auf die Berliner Fanmeile.
21:21Dortmund-Bayern
Live-Blog – So erlebt Berlin das Champions-League-Finale

Auf der Fanmeile ist noch viel Platz, die ersten Kneipen sind wegen Überfüllung geschlossen. Berlin fiebert dem Champions-League-Finale zwischen entgegen. Die Berliner Morgenpost ist dabei. mehr...


Aufeinandertreffen der Fanfraktionen auf der Fanmeile. Bislang blieb alles friedlich.
19:53Champions-League-Finale
Henkel beruhigt – Fanmeile kein konkretes Anschlagsziel

Das Bundeskriminalamt hat vor Terrorgefahr auf deutschen Fanmeilen gewarnt. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sieht keine konkrete Gefahr. Die Sicherheitsmaßnahmen sind ohnehin auf hohem Niveau. mehr...


Beim Parteitag der Berliner SPD setzte der Landesvorsitzende Jan Stöß seine Wunschkandidaten durch
18:28Parteitag
In der Berliner SPD hat jetzt die Stöß-Fraktion das Sagen

Der SPD-Landesvorsitzende bringt seine Leute bei der Wahl der Bundestagskandidaten durch. Manch einer traute ihm das nicht zu. Die meisten Stimmen bekam allerdings nicht Spitzenkandidatin Högl. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. FußballLive-TickerErster Punktsieg für Dortmund in London
  2. 2. FußballChampions LeagueMerkel reicht Steuersünder Hoeneß die Hand
  3. 3. DeutschlandGemobbte ParteiWie die FDP zum verspotteten Freiwild wurde
  4. 4. KommentareIslamisten in EuropaWir leben im Zeitalter des privaten Dschihad
  5. 5. AuslandParisMesserattacke auch auf französischen Soldaten
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Fanfest

Berlins Fanmeile Champions-League-Finale

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote