20.02.13

Freundin getötet

Dopingmittel und illegale Waffe belasten Pistorius

Oscar Pistorius kommt wohl nicht gegen Kaution frei, Fluchtgefahr droht. Eine illegale Waffe und ein Testosteron-Fund belasten den Sportler.

Foto: Reuters
Oscar Pistorius vor Gericht: Es ist unwahrscheinlich, dass der Sportler gegen Kaution frei kommt
Oscar Pistorius vor Gericht: Es ist unwahrscheinlich, dass der Sportler gegen Kaution frei kommt

Die Aussichten für eine Freilassung des mordverdächtigen Paralympics-Stars Oscar Pistorius auf Kaution haben sich verschlechtert. Der leitende Polizeiermittler Hilton Botha warnte am Mittwoch vor dem Magistratsgericht in Pretoria vor einer Freilassung, weil Fluchtgefahr bestehe. "Es geht um ein ernstes Verbrechen. Wenn er verurteilt wird, muss er mit 15 Jahren Haft bis zu Lebenslänglich rechnen." Pistorius selbst spricht hingegen von einem furchtbaren Versehen.

Pistorius, der von der Staatsanwaltschaft des Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp (29) beschuldigt wird, besitze ausländische Konten und habe eine Immobilie in Italien, sagte Botha. Er fürchte, der Sportler werde versuchen zu fliehen. Die im Gerichtssaal anwesenden Familienmitglieder von Pistorius reagierten mit ungläubigem Lachen auf diese Äußerung.

Bevor in Pistorius' Haus in Pretoria am Valentinstag die Schüsse fielen, will ein Zeuge den Angaben zufolge einen mutmaßlichen Streit in dem gehört haben. Der Zeuge habe "unablässige Schreie" aus dem Haus des Athleten gehört, sagte Botha. Der Zeuge sei aber sehr weit von dem Haus entfernt gewesen.

Streit zwischen Steenkamp und Pistorius

Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass es offenbar einen Streit zwischen dem Paar gegeben habe und sich Steenkamp in das Badezimmer geflüchtet und dort eingesperrt habe. Pistorius gab vier Schüsse auf die Badezimmertür ab und traf seine Freundin dreimal. "Ich glaube, dass er wusste, dass Reeva im Badezimmer war", sagte Botha.

Pistorius gibt indes an, Steenkamp und er hätten zunächst gemeinsam ferngesehen und seien dann ins Bett gegangen. Nachts habe er schließlich etwas gehört und gedacht, es sei ein Einbrecher im Badezimmer. Daraufhin habe er seine Pistole genommen und geschossen. Dem widerspricht die Staatsanwaltschaft entschieden: Pistorius habe geplant und gezielt seine Freundin ermordet, erklärte er.

Wieder Tränen vor Gericht

Botha berichtete, er sei am Donnerstagmorgen um 4.15 Uhr Ortszeit am Tatort eingetroffen, wo er Reeva Steenkamp tot im Erdgeschoss gefunden habe. Sie sei mit Shorts und schwarzem Hemd bekleidet und in Handtücher gehüllt gewesen. Ein Rechtsanwalt und der Bruder des Beschuldigten hätten sich demnach beim Eintreffen der Polizei am Tatort befunden. Bei Bothas Schilderung der Tatnacht begann Pistorius zu weinen.

Die Frage, ob Hinweise auf Ungereimtheiten an dieser Darstellung gefunden sein worden, verneinte Botha vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft argumentiert jedoch, Pistorius habe nicht zum Badezimmer gehen können, ohne zu bemerken, dass seine Freundin nicht mehr im Bett sei. Überdies sei das Halfter der Pistole unter dem Bett gefunden worden – auf der Seite, auf der für gewöhnlich Steenkamp schlief.

Botha sagte aus, Pistorius habe illegal Kaliber-38-Munition in einem Tresor in seinem Schlafzimmer aufbewahrt. Der beinamputierte Läufer habe keine Lizenz für eine entsprechende Waffe gehabt. Deshalb werde der 26-Jährige auch wegen illegalen Waffenbesitzes angeklagt.

Testosteron-Produkte gefunden

Bei einer Hausdurchsuchung entdeckte die Polizei überdies mutmaßliche Dopingmittel bei Pistorius. Botha sagte, im Haus des Athleten seien zwei Kisten mit Testosteron sowie Nadeln gefunden worden. Der Fund wirft die Frage auf, ob der Olympia- und Paralympics-Teilnehmer leistungssteigernde Mittel genommen hat.

Pistorius' Verteidiger Barry Roux wies jeglichen Verdacht zurück. Bei den gefundenen Substanzen handle es sich um Kräuterheilmittel, die nicht verboten seien, sagte er. Die Polizei versuche, den Sportler mit dem Fund in einem negativen Licht dastehen zu lassen.

Ein Sprecher des Internationalen Paralympischen Komitees sagte, Pistorius sei bei den Spielen in London im vergangenen Jahr zweimal getestet worden und die Ergebnisse seien negativ gewesen.

"Beigeschmack" für den Behindertensport

Der deutsche Fachverband DBS befürchtet im Falle eines tatsächlichen Doping-Funds beim sechsfachen Paralympics-Sieger Pistorius einen erheblichen "Beigeschmack" für den gesamten Behindertensport.

"Eines muss man festhalten: Der Fund von Dopingmitteln ist keine positive Dopingprobe. Er ist vielleicht ein Indiz, kann aber noch nicht gegen ihn vorgebracht werden", sagte der Sportdirektor des Deutschen Behindertensportverbandes, Frank-Thomas Hartleb, am Mittwoch.

Hartleb betonte aber auch, dass ein Doping-Beweis gegen Pistorius "den Hero des Behindertensports vom Sockel stoßen würde".

Quelle: dpa/ap/mim
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