20.02.13

Kritik an Reality-TV

Wer bei "Dr. Drew" war, lebt nicht mehr lange

Nach Mindy McCreadys Selbstmord wird Kritik an einer amerikanischen Realityshow laut. Die Countrysängerin ist der fünfte Todesfall aus der Sendung für suchtkranke Prominente.

Von Michael Remke
Foto: AP


In der Kritik: „Dr. Drew“ Pinsky und seine Realityshow
In der Kritik: "Dr. Drew" Pinsky und seine Realityshow

Hollywoodstars, die zu "Dr. Drew" in die Sendung gehen, sind meist ganz unten angekommen. Sie sind alkohol- oder drogenabhängig, schlucken Tabletten wie andere Bonbons und gelten in der Glitzermetropole als abgehalfterte B-Klasse, als gescheitert. Viel ist den "Abgestürzten" nicht mehr geblieben, wenn es da nicht Amerikas obersten Fernsehpsychologen und Suchtexperten David "Dr. Drew" Pinsky und dessen erfolgreiche Realityshow "Celebrity Rehab" geben würde.

Bei "Dr. Drew", eine Mischung aus "Big Brother" und "Dschungelcamp" für prominente Suchtkranke, dürfen die Gestrauchelten endlich wieder Star sein. Hier stehen sie vor der Kamera, bekommen oft eine fette Gage und können ganz nebenbei auch noch an ihren inneren Dämonen arbeiten, die sie dort hingebracht haben, wo sie sind: am Ende.

Die Realityshow auf dem Kabelkanal VH1 gehört zu den erfolgreichsten Unterhaltungsformaten des US-Fernsehens. Ex-Model Brigitte Nielsen war hier, Schauspieler Daniel Baldwin und auch Tom Sizemore, Star des Oscar-Films "Saving Private Ryan" (Der Soldat James Ryan) von Steven Spielberg, haben hier versucht, sich von ihrer Drogensucht zu befreien. Die Methoden von "Dr. Drew", eigentlich ein Internist, sind nicht unumstritten, sein Erfolg zumindest zweifelhaft.

Jeder achte Teilnehmer gestorben

Der tragische Selbstmord der Countrysängerin Mindy McCready hat die Show jetzt erneut in die Schlagzeilen gebracht. Die 37-Jährige, die sich am vergangenen Sonntag in ihrem Haus in Arkansas erschossen hatte, ist bereits der fünfte "Patient" von "Dr. Drew", der nach einem Auftritt in der Soap-Opera für Suchtkranke in den vergangenen Jahren gestorben ist. Bei 40 Promis, die der TV-Experte in seiner Show bisher behandelt hat, ist das statistisch gesehen jeder Achte. Im Gegensatz zu McCready starb allerdings keiner von ihnen – zumindest offiziell – durch Selbstmord.

Allein von der dritten Staffel, in der McCready 2010 aufgetreten war und vor laufender Kamera eine Art epileptischen Anfall bekommen hatte, starben zwei weitere Promis: Mike Starr und Joey Kovar.

Starr, Bassist der Gruppe "Alice in Chains", der bei "Dr. Drew" war, starb nach seiner Entlassung aus der "Promi-Show" im März 2011. Die Polizei fand die Leiche in seinem Haus in Salt Lake City. Laut der Autopsie des Gerichtsmedizinern starb Starr an einer Überdosis. Er wurde 44 Jahre alt.

Alkohol, Kokain und Viagra im Blut

Das nächste Opfer der dritten "Dr. Drew"-Staffel wurde der Bodybuilder und Realitystar Joey Kovar. Er hatte sich bei dem TV-Suchtexperten wegen seiner Abhängigkeit von Kokain, Ectasy und Steroiden öffentlichkeitswirksam behandeln lassen. Geheilt wurde er jedoch nicht. Kovar starb im August 2012 im Alter von nur 29 Jahren. Als Todesursache stellte der Gerichtsmediziner wie bei Starr eine "Drogenüberdosis" fest. Kovar hatte eine Kombination von Alkohol, Kokain und Viagra in seinem Blut.

Die beiden waren allerdings nicht die einzigen Toten, die "Dr. Drew" zu beklagen hatte. Schon aus der ersten Staffel 2008 schien er einen Teilnehmer nicht retten zu können. Der Schauspieler aus dem Erfolgsfilm "Grease" mit John Travolta, Jeff Conaway, starb drei Jahre nach seinem Auftritt bei "Dr. Drew" im Mai 2011. Als offizielle Todesursache wurde zwar eine Lungenentzündung diagnostiziert. Conaway war aber zuvor mit einer Überdosis von Schmerztabletten in eine Klinik eingeliefert worden, wo er aus seinem Koma nicht mehr erwachte.

Für Schlagzeilen sorgte auch der Tod von Rodney King, der in der zweiten Staffel wegen seiner Alkohol- und Drogenprobleme bei "Dr. Drew" aufgetreten war. Der 47 Jahre alte King hatte 1991 traurige Berühmtheit erlangt. Damals wurde er von der Polizei festgenommen und misshandelt. Bei den anschließenden Rassenunruhen in Los Angeles starben 54 Menschen. Rodney King ertrank im Juni 2012 in seinem Pool. Bei einer Autopsie fand man später in seinem Blut Spuren von Kokain- und Marihuana sowie einen Alkoholgehalt von 0,6 Promille.

Pinsky versteht die Kritik nicht

"Ich denke, Dr. Drew sollte seinen Namen in Kervorkian ändern", twitterte der Musiker und Freund der Countrysängerin McCready, Richard Marx, in Anspielung auf die vielen Toten der Realityshow. "Das Ergebnis ist ja das Gleiche." Der im Jahr 2011 gestorbene Jack "Dr. Tod" Kervorkian war der bekannteste und umstrittenste Sterbehelfer Amerikas. Er behauptete, "mehr als 130 Menschen" bei ihrem Freitod geholfen zu haben. Kervorkian wurde 1999 wegen seiner aktiven Sterbehilfe zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Mittlerweile hat Marx seinen Tweet zwar ein wenig abgeschwächt, im Kern blieb er jedoch bei seinem Vorwurf. "Vielleicht bin ich bei meinem Kervorkian-Vergleich zu weit gegangen", twitterte Marx nach Kritik an seinen Äußerungen. "Dennoch finde ich, dass Dr. D die Leute nur ausnutzt. Und seine Erfolge sind einfach miserabel."

Der Angegriffene David "Dr. Drew" Pinsky hat sich mittlerweile in einem Interview auf CNN gegen die Vorwürfe gewehrt. "Der Tod von Mindy McCready habe nichts mit ihrer Drogensucht zu tun, sondern mit dem Tod ihres Freundes", behauptet Pinsky. David Wilson, der Vater der beiden Söhne von McCready, starb vor einem Monat. Wie die Countrysängerin hatte er sich in dem gemeinsamen Haus in Arkansas erschossen.

Auch die Kritik an seiner Show versteht Pinsky nicht. "Meine Hoffnung war es immer, mit 'Celebrity Rehab' den Zuschauern zu zeigen, wie gefährlich eine Sucht ist", sagte der Arzt. Wenn er eine Show über Krebs machen würde, wäre es keine Überraschung, wenn seine Patienten sterben würden. "Die Leute verstehen nicht, dass Alkohol- und Drogensüchtige die gleiche Prognose haben."

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