19.02.13

Israel

Netanjahus Pistazieneis auf Staatskosten

In Israel ist ein Streit um einen winzigen Betrag aus dem Etat des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu entbrannt: 2000 Euro für Gourmet-Eiscreme. Doch jetzt ist es Aus mit der Schleckerei.

Von Michael Borgstede
Foto: dpa/Getty

Benjamin Netanjahu und seine Familie haben angeblich eine Schwäche für Eis
Benjamin Netanjahu und seine Familie haben angeblich eine Schwäche für Eis

Israels bekanntestes Eiscafé heißt Metudela und liegt im Zentrum von Jerusalem, nahe der Residenz von Ministerpräsident Netanjahu, der bis vor kurzem noch Metudelas bester Kunde war.

Das Pistazieneis esse der Premier am liebsten, wissen die Eigentümer zu berichten. Seine Frau Sara hingegen ziehe das französische Vanille-Sorbet vor oder im Sommer auch malgefrorenen Joghurt.

Doch damit ist es jetzt vorbei: Nachdem die Wirtschaftszeitung "Kalkalist" berichtete, das jährliche Eiscreme-Budget der Netanjahus sei gerade auf 2000 Euro erhöht worden, war der öffentliche Aufruhr groß.

In Netanjahus Büro versuchte man, sich ungelenk zu verteidigen: Das gerade erhöhte Budget sei eh nicht vollständig ausgeschöpft worden und außerdem werde das Eis ja auch zahlreichen Gästen in der Residenz serviert, hieß es. Doch warum hieß es in dem Antrag auf die Erhöhung des Budgets gleich drei Mal, das Eiscafé sei "nach den persönlichen Vorlieben und dem Wunsch des Ministerpräsidenten" ausgewählt worden?

Schließlich zog Netanjahu die Reißleine und strich den Posten ersatzlos. Der Regierungschef habe von den Ausgaben nichts gewusst und sei nun zu dem Schluss gekommen, dass es sich um "exorbitante Kosten" handele, die unangemessen seien, hieß es aus seinem Büro.

Trauer um Verlust des Großkunden

Es steht wohl außer Zweifel, dass die israelischen Staatsfinanzen an dieser Sparmaßnahme nicht genesen dürften. Mit 2000 Euro hätte man bei Metudela im Jahr aber immerhin 170 Kilo Speiseeis kaufen können, also etwa 14 Kilo monatlich oder ein halbes Kilo täglich. Das scheint auf den ersten Blick viel.

Selbst wenn die Netanjahus den finanziellen Rahmen vollständig ausgeschöpft hätten und die Lieferungen nicht einmal mit ihren beiden Söhnen geteilt hätten, wären sie gerade mal auf drei Kugeln täglich pro Person gekommen. In Wahrheit dürfte der Eiskonsum aber deutlich bescheidener ausgefallen sein.

Ihrer Gesundheit haben die Netanjahus mit der jüngsten Haushaltskürzung in jedem Fall einen Gefallen getan, beim Eiscafé Metudela aber dürfte die Trauer über den verlorenen Großkunden groß sein. Bisher hat die Berichterstattung den Verlust kompensiert, sagen die Eigentümer. Täglich verkaufen sie nun statt einem gleich drei Kübel von Netanjahus Lieblings-Pistazieneis.

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