19.02.13

Pistorius-Prozess

"Hatte nicht die Absicht, meine Freundin zu töten"

Zum ersten Mal hat sich der angeklagte Paralympics-Star Oscar Pistorius zum Mord-Vorwurf geäußert. Er bestritt unter Eid, seine Freundin Reeva Steenkamp absichtlich getötet zu haben.

Foto: AFP

Der Paralympic-Star Oscar Pistorius ist nun auch formell von der Staatsanwaltschaft in Südafrika wegen Mordes angeklagt. Er soll seine Freundin kaltblütig und vorsätzlich am Valentinstag in seinem Haus erschossen haben.

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Der Paralympics-Star Oscar Pistorius hat den Mord an seiner Freundin Reeva Steenkamp in der Kautionsverhandlung unter Eid bestritten. "Ich widerspreche den Anschuldigungen aufs Schärfste." Nichts sei von der Wahrheit weiter entfernt, den Anklagen fehle jede Substanz, betonte der 26-jährige Südafrikaner in einer Stellungnahme, die sein Anwalt vor dem Magistratsgericht in Pretoria verlas.

"Ich hatte nicht die Absicht, meine Freundin zu töten", heißt es darin: "Ich weise die Vorwürfe entschieden zurück. Wir waren sehr verliebt, wir hätten nicht glücklicher sein können." Der Sprintstar habe Steenkamp für einen Einbrecher gehalten: "Es war dunkel, ich hatte große Angst. Da ich meine Prothesen nicht angelegt hatte, fühlte ich mich sehr verwundbar."

Die Staatsanwaltschaft hatte Pistorius zuvor des "vorsätzlichen Mordes" beschuldigt. Er habe seine Freundin kaltblütig und vorsätzlich erschossen, sind die Ankläger überzeugt.

Pistorius habe zunächst seine Beinprothesen angelegt und sei durch das Schlafzimmer gegangen, schilderte Staatsanwalt Gerrie Nel in Pretoria seine Sicht des Geschehens. Dann habe der 26-Jährige mit einer Handfeuerwaffe vier Mal durch die Tür zum Badezimmer gefeuert, in das sich seine Lebensgefährtin Reeva Steenkamp geflüchtet habe.

Schüsse durch die geschlossene Tür

Das Model, eine studierte Juristin, sei dabei gestorben. "Wenn ich mich bewaffne, einen Weg zurücklege und einen Menschen ermorde, dann ist das Vorsatz", sagte Nel. "Die Tür ist geschlossen. Daran besteht kein Zweifel. Ich gehe sieben Meter, und ich töte. Das Motiv ist: Ich will töten. So war es und nicht anders."

Pistorius weinte hemmungslos, als die Staatsanwaltschaft bei der Anhörung die Tat als vorsätzlichen Mord wertete, ein Verbrechen, auf das in Südafrika lebenslange Haft steht.

Auch sein Verteidiger Barry Roux wies den Vorwurf des Mordes zurück. Er argumentierte, die Umstände von Steenkamps Tod am frühen Donnerstagmorgen seien unklar. "Alles, was wir wissen, ist, dass sie sich im Bad eingeschlossen hat und dass sie erschossen wurde", sagte Roux. Seine Anwälte haben bereits angekündigt, einen Antrag auf Kaution stellen zu wollen.

Trauer um Steenkamp

Unter großer Anteilnahme wurde unterdessen der Körper von Reeva Steenkamp in Port Elizabeth eingeäschert. Zahlreiche Menschen versammelten sich in der Küstenstadt. Unter ihre Trauer mischte sich Wut. "Was er getan hat, ist abscheulich", sagte Gavin Venter, der für Steenkamps Vater arbeitete. "Er verdient eine harte Strafe. Ohne Zweifel ist er eine Gefahr für die Öffentlichkeit."

Der Bruder der Toten, Adam Steenkamp, sagte mit tränenerstickter Stimme: "Sie hinterlässt eine große Lücke bei allen Menschen, die sie kannten. Wir werden all das Positive in Erinnerung behalten, das wir von meiner Schwester kennen. Wir werden sie vermissen."

Auch Bongiwe Gaxambaa, eine von Steenkamps früheren Klassenkameradinnen auf einer katholischen Privatschule in Port Elizabeth, fühlte sich unwohl bei dem Gedanken, Pistorius könnte auf Kaution freikommen. Sie erinnere sich noch immer an Steenkamps Lächeln, ihre offene und freundliche Art, sagte Gaxambaa.

"Erst hier wird mir langsam klar, dass sie für immer von uns gegangen ist", sagte sie kurz vor Beginn der Trauerfeier.

Quelle: dpa/AFP/AP/reuters/SID/kami
Quelle: Reuters
17.02.13 1:11 min.
Im Fall des unter Mordverdacht stehenden Oscar Pistorius wurde möglicherweise eine weitere Tatwaffe entdeckt. Medien gaben an, dass ein blutverschmierter Cricketschläger am Tatort gefunden wurde.
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