19.02.13

Valentinstag-Bluttat

Pistorius weint bei Mordanklage - Freundin bestattet

Vor Gericht wurde erneut verhandelt, ob Pistorius auf seine Freundin geschossen hat. Die junge Frau wurde in ihrer Heimatstadt beigesetzt.

Foto: REUTERS

Die Staatsanwaltschaft wirft Pistorius vor, seine Freundin vorsätzlich getötet zu haben. Der Sprintstar und seine Verteidigung sprechen dagegen von einem Versehen
Die Staatsanwaltschaft wirft Pistorius vor, seine Freundin vorsätzlich getötet zu haben. Der Sprintstar und seine Verteidigung sprechen dagegen von einem Versehen

Der südafrikanische Sportler Oscar Pistorius soll seine Freundin Reeva Steenkamp durch die Badezimmertür erschossen haben – fünf Tage nach der Bluttat hat am Dienstag eine gerichtliche Anhörung erste Details des Geschehens öffentlich gemacht.

"Sie konnte nirgendwo hin", sagte Staatsanwalt Gerrie Nel. Das 29-jährige Model sei nach einem Streit im Schlafzimmer ins Bad gelaufen und habe sich eingeschlossen.

Der beinamputierte Pistorius habe dann seine Prothesen angelegt, sei zum Bad gelaufen und habe durch die Tür geschossen. Steenkamp sei drei Mal getroffen worden. Danach sei die Tür aufgebrochen worden.

Pistorius` Anwalt: Todesfall war ein Unfall

Der Anwalt von Pistorius, Barry Roux, bestand hingegen darauf, dass es sich bei dem Todesfall um einen Unfall gehandelt habe. Sein Mandant habe gedacht, dass ein Einbrecher eingedrungen sei.

Pistorius sagte am Dienstag unter Eid aus, dass er nicht die Absicht gehabt habe, seine Lebensgefährtin zu töten. Das ging aus einem Statement hervor, welches der Anwalt des 26-jährigen Südafrikaners in Pretoria verlas. Pistorius habe Steenkamp "sehr geliebt".

Mit Blick auf die aufgebrochene Tür stellte Roux die Frage, ob es darum gegangen sei, sie zu töten oder nicht vielmehr darum, sie aus dem Bad zu befreien. Von Mord könne keine Rede sein.

Leises Weinen bei der Verhandlung

Pistorius wirkte zu Beginn der Anhörung sehr ernst und etwas düster. Während einer Diskussion seines Anwalts mit Staatsanwalt Nel aber brach er zusammen und weinte leise, den Kopf in den Händen verborgen.

Die Schüsse in den frühen Morgenstunden am 14. Februar fielen nach Angaben der Polizei nachdem Nachbarn einen lauten Streit gehört hatten. Das Paar war erst seit etwa drei Monaten zusammen.

Der 26-Jährige erschien in grauem Anzug und blauem Hemd vor Gericht. Er ist seit Freitag auf einer Polizeiwache in Pretoria inhaftiert und wurde von Beamten durch einen Hintereingang in das Gericht geführt. Erstes Ziel der Verteidigung ist die Freilassung gegen Zahlung einer Kaution.

Familie will Antworten

Steenkamps Mutter June sagte der Johannesburger Tageszeitung "The Times", die Familie wolle Antworten auf ihre Fragen: "Warum? Warum mein kleines Mädchen? Warum ist das passiert? Warum hat er das getan?"

Die junge Frau wurde am Dienstag in ihrer Heimatstadt Port Elizabeth beigesetzt. Zu Beginn der Trauerfeier mit Verwandten und Freunden trugen sechs Männer ihren mit einem weißen Tuch und weißen Blumen bedeckten Sarg in die Kirche. Dutzende Freunde und Familienangehörige nahmen an der privaten Feier teil.

Trauerfeier für Steenkamp

Gavin Venter, einer der Trauergäste in Port Elizabeth, sprach sich gegen eine Freilassung von Pistorius gegen Kaution aus. "Er ist eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Er wird eine Gefahr für Zeugen sein, deshalb sollte er in Haft bleiben", sagte der ehemalige Jockey, der mit Steenkamps Vater, einem Trainer von Rennpferden, gearbeitet hatte.

Das 29-jährige Opfer bezeichnete er als "einen Engel". Es habe keinerlei Anzeichen von Beziehungsproblemen gegeben, sagte Venter: "Ich fragte ihren Vater, er sagte, sie war sehr glücklich mit Oscar, aber vielleicht hat sie es einfach vor allen verborgen".

Freunde und Angehörige gegen Freilassung

Auch Bongiwe Gaxambaa, eine von Steenkamps früheren Klassenkameradinnen auf einer katholischen Privatschule von Port Elizabeth, fühlte sich unwohl bei dem Gedanken, Pistorius könnte auf Kaution freikommen.

Sie erinnere sich noch immer an Steenkamps Lächeln, ihre offene und freundliche Art, sagte Gaxambaa. "Erst hier wird mir langsam klar, dass sie für immer von uns gegangen ist", sagte sie kurz vor Beginn der Trauerfeier. Das Drama um Pistorius, der mit spektakulären Sprints auf Beinprothesen zum Star wurde, und seine Freundin beherrscht in Südafrika seit Tagen die Schlagzeilen.

Quelle: dpa/AFP/AP/sid/anni
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