18.02.13

Vereinigungskirche

3500 Brautpaare – Sekte feiert Massenhochzeit

In Südkorea feierte die Vereinigungskirche Hochzeit mit 3500 Paaren. Manche kannten sich erst seit kurzem und wurden von der Sekte verkuppelt. Nach der Trauung haben die Paare wieder Ruhe voneinander.

Von Laura Waßermann
Foto: AP

Nachschminken wird zum Zeitvertreib. Diese Braut kontrolliert während der Trauung ihr Make-up.

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Bei einer Hochzeit sind gewöhnlich alle Augen auf genau eine Frau und einen Mann gerichtet. Ein glückliches Paar und höchstens ein weißes Kleid. Nicht aber in Südkorea. Denn die 1954 in dem Land gegründete, aber mittlerweile global vertretene Vereinigungskirche veranstaltet lieber Massenhochzeiten anstatt einer individuellen Trauung für jedes Brautpaar.

So wurden auch am vergangenen Samstag insgesamt 3500 Paare mit einem gemeinsamen Ja-Wort verheiratet. Laut dem Nachrichtensender BBC wurden zudem rund 24.000 Anhänger, die auch "Moonies" genannt werden, per Video zugeschaltet. Heiratsort war Gapyeong, nordöstlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Seitdem Gründer Sun Myung Moon im September an Nierenversagen im Alter von 92 Jahren starb, war es die erste Zeremonie dieser Art. Abgehalten wurde sie von seiner Witwe Hak-Ja-han. Von der Vereinigungskirche selbst wird die Hochzeit als "kosmische heilige Segnung" betitelt. Kleiderordnung für die Frauen ist aber klassisch, nämlich ein weißes Kleid mit Schleier, die Männer tragen Anzug und rote Krawatte. Bei 3500 Paaren ergibt das ein hübsches Schwarz-Weiß-Bild.

"Ich spreche überhaupt kein Japanisch"

Manche Paare unter den frisch Verheirateten kannten sich erst seit kurzem – in den meisten Fällen wurden sie durch die Sekte verkuppelt. Die Erfahrung machte auch der 21-jährige Jin Davidson, der den Moment, in dem er und seine spätere Frau für ein Date zusammengeführt wurden, so beschreibt: "Ich war sehr nervös. Dann, plötzlich, stand sie vor mir und ich sagte 'Ok'", erzählt der Amerikaner.

Davidson, dessen Eltern noch von Sun Myung Moon getraut wurden, bemüht sich, mit seiner 21-jährigen Braut zu kommunizieren. "Ich spreche überhaupt kein Japanisch", sagt Davidson, sie, die Japanerin Kotona Shimizu, spricht kaum Englisch. "Aber wir sehen es als eine spannende Herausforderung und Beweis unseres Glaubens", sagt Davidson.

Dieser Glauben wird seit vielen Jahren praktiziert. Die erste Massenhochzeit fand Anfang der 60er-Jahre statt. Damals traute Sun Myung Moon nur 33 Paare, nicht mehrere Tausend. Der bisherige Höhepunkt war, als sich im Jahr 1999 42.000 verliebte oder vermittelte Paare im Olympiastadion von Seoul das Jawort gaben.

Massenhochzeiten Teil einer Strategie?

Kirchengründer Sun Myung Moon will von einer Erscheinung Jesu inspiriert worden sein, der soll ihm aufgetragen haben, seine Mission zu vollenden und die Welt zu erlösen. Gesagt, getan, Moon gründete daraufhin die "Heilig Geist Gesellschaft zur Vereinigung des Weltchristentums", deren zentrale Grundsätze aus der Bibel stammen und vor allem um die Aussage "seid fruchtbar und vermehret euch" kreisen.

Durch seine Aktivitäten in der Sekte wurde Moon, der von seinen Anhängern "wahrer Vater" genannt und als Messias vereehrt wird, Milliardär. Auch deshalb heißt es von Kritikern, die Vereinigungskirche beute ihre Mitglieder finanziell aus und unterziehe sie Gehirnwäschen. Die Massenhochzeiten seien ein Teil ihrer Strategie.

Wie groß der zeitliche Rahmen der jüngsten Massenhochzeit war, ist nicht bekannt. Den Fotos zufolge mussten bereits Vermählte und noch wartende Paare jedoch sehr geduldig sein. Zwischendurch hieß es nachschminken, Musik hören oder gar ein kleines Nickerchen machen. Eine Hochzeit ist bekanntlich schon anstrengend, 3500 Ja-Worte er recht.

Die sich für gewöhnlich anschließende romantische Hochzeitsreise fällt allerdings aus: 40 Tage sollen die Vermählten nach der Eheschließung getrennt leben, um sich auf das Leben mit dem Partner geistig vorzubereiten.

Genug Anhänger hat die Sekte trotz der kleinen Unannehmlichkeiten. Nach eigenen Angaben folgen etwa drei Millionen Mitglieder ihrer Glaubensrichtung, mit 500.000 ist Japan Spitzenreiter unter den Ländern. Vertreten ist die Sekte auch in Deutschland, es gibt Gemeindezentren in Berlin, Bonn, Hannover und Düsseldorf und München.

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