18.02.13

USA

"Sie waren Richter, Jury, Henker in Personalunion"

Der Cop-Killer Christopher Dorner hatte dem LAPD Rassismus und Korruption vorgeworfen. Es scheint, nicht wenige glauben ihm auch nach seinem Tod. Nun wurde ihm ein Video-Survival-Game gewidmet.

Foto: AP

Er wollte terrorisieren und morden, solange er es für richtig hielt – Christopher Dorner. Aus ihm einen Helden zu machen, müsste eigentlich schwerfallen
Er wollte terrorisieren und morden, solange er es für richtig hielt – Christopher Dorner. Aus ihm einen Helden zu machen müsste eigentlich schwerfallen

Sie nennen ihn bewundernd Rambo, sie widmen ihm ein Videospiel, sie verehren ihn als Helden des Widerstands gegen die Staatsgewalt: Christopher Dorner (33), ehemaliger Polizist und vierfacher Mörder während eines Rachefeldzugs gegen das Los Angeles Police Department (LAPD), starb am vergangenen Dienstag durch eigene Hand in einer belagerten, brennenden Hütte in den San-Bernardino-Bergen.

Dorner, ein Schwarzer, hinterließ seine untröstliche Mutter und ein "Manifest", das das LAPD der Korruption und der rassistischen Diskriminierung bezichtigt. Es muss Gründe geben, warum Zehntausende Menschen Dorner mehr glauben als der Polizei.

Unter den Aberdutzenden, die am Wochenende vor dem Hauptquartier des LAPD demonstrierten, gab es niemanden, der offen Dorners Morde rechtfertigte.

Polizei war "Richter, Jury und Henker in Personalunion"

Ein gewisser Michael Nam (30) gab bei einem Interview mit einem AP-Reporter an, es sei "ziemlich offensichtlich", dass die Polizei kein Interesse daran gehabt habe, Dorner lebend zu stellen. "Sie waren Richter, Jury und Henker in Personalunion. Als Amerikaner hat man eigentlich das Recht auf einen fairen Prozess." Derselbe Mann hielt ein Schild mit der Zeichnung eines brennenden Grabsteins und der Inschrift: "Rest in Peace – Habeas Corpus."

Im Internet sind die Anklagen weniger zurückhaltend. Selbst Experten, die bei CNN auftraten, erinnerten daran, dass Christopher Dorners Vorwürfe, das LAPD missbrauche Polizeigewalt, unbedingt ernst zu nehmen seien. Ein gewisses Verständnis für den Underdog lag in der Luft.

Es fehlte nicht viel, und Dorner wäre das erste offizielle Ziel einer bewaffneten Drohne in den USA geworden. Noch sind die genauen Umstände ungeklärt, unter denen Christopher Jordan Dorner, 2006 vom LAPD in den Dienst geholt, 2008 unter sonderbaren Umständen entlassen, wirklich starb.

Videospiel mit Charlie Sheens Stimme

Ein Videospiel, gewidmet einem "wahren amerikanischen Helden" und mit "Django Unchained"-Filmmusik unterlegt, ist schon auf dem Markt. Unter dem Namen "Christopher Dorner's Last Stand Survival Game" listet es aus der Perspektive eines Schützen in einer Hütte verbrauchte Munition und Erschossene.

Ein Rap begründet den Mordsspaß: "'Cause I'm a motherfucking nigger, nigger, nigger ...". Und Charlie Sheens Stimme bittet den Spieler, ihn anzurufen, bevor er Dummheiten macht.

In seinem Online-"Manifest" hatte der Cop-Killer Dorner versprochen, die Morde würden aufhören, wenn seine Unschuld vom LAPD eingestanden würde. Und zwar "ÖFFENTLICH". Bis dahin werde er die Häuser, Arbeitsplätze ihrer Frauen und Schulen ihrer Kinder heimsuchen.

An die Kinder, die er zu Waisen machen wollte, indem er die Polizisten "ausrottete", richtete er die Erklärung: "Sie waren nicht die Menschen, für die ihr sie gehalten habt." Chris Dorner wollte terrorisieren und morden, solange er es für richtig hielt. Aus ihm einen Helden zu machen müsste eigentlich schwerfallen.

Heldenverehrung von Verbrechern hat US-Tradition

Charles Blow erinnerte am Wochenende in der "New York Times" daran, dass Heldenverehrung von Verbrechern amerikanische Tradition sei. Wenige Meilen südlich seines Heimatorts seien Bonnie und Clyde erschossen worden. Es gibt seit Jahrzehnten ein Musical und einen (großartigen) Film über das Gangsterpärchen.

Inzwischen gab es auch ein Festival mit dem nachgestellten Hinterhalt und dem Kugelhagel, in dem Bonnie Parker und Clyde Barrow am 23. Mai 1934 starben. Die Werbung verspricht eine Kirmes, "tolles Essen, Musik und authentische Nachspiel-Szenen" für die ganze Familie.

Wer ein ähnlich zähes Gedenken für Chris Dorner erhofft, so empfiehlt Charles Blow, möge sich an die Erklärung der Mutter, seiner einzigen Hinterbliebenen, halten: "Mit großer Trauer und schweren Herzens möchten wir unser tiefstes Mitgefühl und unser Beileid allen aussprechen, die durch Christophers Taten Verluste oder Verletzungen erlitten haben. Wir heißen seine Taten nicht gut."

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