17.02.13

Unter Mordverdacht

Der blutige Cricketschläger in Pistorius' Haus

Über Oscar Pistorius bildet sich die Öffentlichkeit schon vor dem Prozess ihr Urteil, südafrikanische Zeitungen veröffentlichen vermeintliche Details der Ermittlungen, die Pistorius schwer belasten.

Von Christian Putsch
Quelle: Reuters
17.02.13 1:11 min.
Im Fall des unter Mordverdacht stehenden Oscar Pistorius wurde möglicherweise eine weitere Tatwaffe entdeckt. Medien gaben an, dass ein blutverschmierter Cricketschläger am Tatort gefunden wurde.

So aufwendig der des Mordes verdächtigte Leichtathlet Oscar Pistorius vermarktet wurde, so aufwendig wird er nun auch verteidigt. Im anstehenden Prozess in Pretoria, wo er sich gegen die Anklage des Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp wird wehren müssen, soll der 26-Jährige von einem renommierten Team aus Experten mit Erfahrung in öffentlichkeitswirksamen Gerichtsverhandlungen vertreten werden.

Das berichtete die südafrikanische Ausgabe der Zeitung "Sunday Times". Neben den Rechtsanwälten Kenny Oldwage und Barry Roux gehöre der Pathologe Reggie Perumal zum Team, der im Auftrag der Verteidigung schon am Donnerstag bei der Spurensicherung in Pistorius' Haus anwesend gewesen sei. Zudem sei der ehemalige Chefredakteur der englischen Boulevardzeitung "The Sun", Stuart Higgins, für die Medienarbeit engagiert worden.

Der erfahrene Spindoctor wird es schwer haben, die Öffentlichkeit bis zu einem Beweis des Gegenteils an die Unschuldsvermutung als Grundprinzip des Strafverfahrens zu erinnern. Denn täglich berichten südafrikanische Medien über neue Details aus den laufenden Ermittlungen.

Medien unter Wettbewerbsdruck

Die südafrikanische Sonntagszeitung "City Press" schrieb nun mit Bezug auf anonyme Polizeiquellen von einem blutigen Cricketschläger, der in Pistorius' Haus gefunden worden sei. Der 400-Meter-Läufer, der als erster beidbeinig amputierter Athlet bei Olympischen Spielen gestartet war, hat dem Blatt zufolge seiner Schwester gesagt, er habe Steenkamp für einen Einbrecher gehalten.

Eine offizielle Darstellung von Pistorius zu den Vorfällen in der Nacht zum Donnerstag wurde bislang nicht veröffentlicht. Schon am Freitag hatte die Zeitung "Beeld" ebenfalls anonym gehaltene Quellen zitiert, denen zufolge mehrere Schüsse durch eine Badezimmertür abgefeuert worden seien. Im Umfeld von spektakulären Prozessen ist es in Südafrika üblich, dass viele Details im Vorfeld ihrer Verhandlung vor Gericht an die Öffentlichkeit gelangen.

Viele südafrikanische Medien stehen unter hohem Wettbewerbsdruck und legen einen enormen Schwerpunkt auf die Berichterstattung von Verbrechen. Bei Prozessen gegen Prominente werden immer wieder gesetzliche und journalistische Grundsätze verletzt. Am Freitag wurde etwa ein Foto von Pistorius, das während einer ersten Anhörung entstand, verbreitet, obwohl der Richter ein Kameraverbot angeordnet hatte. Das sollte bei der Einordnung solcher Informationen bis zu einer Bestätigung durch die Behörden berücksichtigt werden.

Scharfe Kritik an Reality-Show

Der halbstaatliche TV-Sender SABC fiel durch die Geschmacklosigkeit auf, eine auf Jamaika aufgezeichnete Reality-Show mit Steenkamp auszustrahlen. Darin ist eine lachende Reeva Steenkamp zu sehen, die im Bikini Luftküsse am Strand verteilt und im Meer schwimmt. Im Laufe der Sendung wurde der Schriftzug: "In stillem Gedenken, Reeva Rebecca Steenkamp, 19.8.1983-14.2.2013" eingeblendet. Mehrere Bürgerrechtsorganisationen kritisierten die SABC scharf für die Ausstrahlung.

Am Samstag hatte sich Pistorius' Familie zum zweiten Mal seit der Mordanklage öffentlich zu Wort gemeldet. "Wir haben keinen Zweifel, dass es keine Substanz für die Anschuldigung gibt und dass auch die forensischen Beweismittel der Staatsanwaltschaft jede Möglichkeit eines Mordes in einem besonders schweren Fall, beziehungsweise eines Mordes überhaupt widerlegen", sagte Oscar Pistorius' Onkel Arnold Pistorius.

Oscar Pistorius befindet sich in Polizeigewahrsam in Pretoria. Am Dienstag wird ein Gericht über seinen Antrag auf eine Freilassung auf Kaution entscheiden.

Die getötete Reeva Steenkamp soll nach Angaben ihrer Familie am Dienstag in einer privaten Trauerfeier beigesetzt werden. Die Leiche sei bereits in ihrer Heimatstadt Port Elizabeth eingetroffen, sagte Adam Steenkamp, der Bruder der Freundin von Oscar Pistorius. "Reeva ist wieder zu Hause", sagte Adam Steenkamp.

Die 29-jährige Steenkamp werde eingeäschert, sagte die Familie. Die Öffentlichkeit und die Medien dürfen der Zeremonie nicht beiwohnen.

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