16.02.13

Himmelsspektakel

Meteoriteneinschläge – Wenn der Himmel brennt

Für uns Menschen sind Meteoriteneinschläge stets ein Ereignis. Für die Natur sind sie nur ein weiteres Kapitel in einer unendlichen Geschichte. Manche davon waren nützlich, andere geben Rätsel auf.

Von Ulli Kulke
Foto: picture-alliance/ dpa/The_Canadian_Press/PA_Photos

Dieses Meteoriten-Fragment wurde an der kanadischen Küste gefunden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Einschläge von Meteoriten und Asteroiden das Leben auf der Erde erst ermöglichten.

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Es war ein zeitliches Zusammentreffen, das fantasievolle Geister womöglich als Menetekel für Schlimmeres deuten könnten. Freitag, der 15. Februar – haarscharf nicht der 13. des Monats – brachte zwei spektakuläre Himmelsereignisse. Am frühen Morgen explodierte nahe der russischen Stadt Tscheljabinsk ein Meteoroid am Himmel, vor den Augen Tausender entgeisterter Menschen.

Die Druckwelle ließ viele Scheiben zerbersten, rund 1200 Menschen wurden verletzt. Teile des Geschosses erreichten die Erde, richteten dabei aber offenbar keine größeren Schäden mehr an. Und dann flog, wie von den Astronomen schon lange vorausberechnet, am Abend desselben Tages ein Asteroid an der Erde vorbei, mit 28.600 Stundenkilometern. So dicht, wie es nach den Aufzeichnungen der Astronomen zuvor noch kein Himmelskörper von diesem Durchmesser (etwa 65 Meter) vollbrachte: 27.800 Kilometer, weit tiefer als die Fernsehsatelliten. Man hätte ihn in Deutschland am Himmel sehen können, wäre da nicht eine Wolkendecke gewesen.

Den Einschlag von Himmelskörpern sehen die Menschen seit jeher als schlimmstes anzunehmendes Unglück, oft genug auch als Gottesstrafe. Gallier, daran erinnern uns die Asterix-Comics, haben vor nichts Angst, außer, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt.

Im Durchschnitt werden weltweit pro Jahr fünf Einschläge bekannt, die Dunkelziffer liegt höher, weil weit mehr auf hoher See oder in unbeobachtetem Gebiet herunterfallen. Und weil die Brocken in der Erdatmosphäre meist verglühen, kamen selten Menschen zu Schaden. Aus der jüngsten Zeit wurde lediglich ein größerer "Impakt" bekannt: die Explosion eines Meteoroiden über der Tunguska-Region in Sibirien im Jahr 1908.

Dabei haben uns die richtig großen Einschläge, die allerdings schon etwas länger zurückliegen, durchaus Nutzen gebracht. Darunter der schwerste Brocken, der jemals die Erde traf, irgendwann vielleicht vor knapp viereinhalb Milliarden Jahren, als der Mond aus unserem Planeten herausgesprengt wurde.

Ohne den Mond aber gäbe es keine Gezeiten und ohne Gezeiten nicht das wässrige Wechselspiel zwischen Land und Meer, in dem das Leben einst erst richtig Fahrt aufnahm. Dann die großen Dramen vor 250 Millionen Jahren sowie vor 65 Millionen Jahren, als Riesenmeteoriten einschlugen und enorme Massen aufwirbelten, die die Erde auf Jahrhunderte verdunkelten, abkühlten und das Leben neu ordneten. Der letzte dieser beiden, von etwa 14 Kilometer Durchmesser, ließ die Dinosaurier aussterben und machte Platz für die Säugetiere, letztlich auch für uns Menschen.

Aus der Bahn

Nach Ansicht von Wissenschaftlern brauchte es schon ein Geschoss von der Größe des Mars (6750 Kilometer im Durchmesser), um durch einen Zusammenstoß mit der Erde den Mond auf seine eigene Bahn zu schicken. Eine solche Kollision würde heute jedes Leben auf unserem Planeten auslöschen, vielleicht bis auf ein paar "extremophile" Arten, die am liebsten bei Hunderten von Grad und in Säurebädern sich ihres Daseins erfreuen.

Seit er sich selbstständig machte, hat der Mond uns seinerseits vor manch weiteren Crashs geschützt – soweit ihm dies bei seiner bescheidenen Größe möglich war. Die Menge von Einschlagskratern auf der Mondrückseite – weit zahlreicher als der uns zugewandten Seite – bezeugt dies. Der Schutz des Mondes lässt nach. Er entfernt sich jährlich um 3,8 Zentimeter.

Megatonnen-Explosion

Hunderttausende umgeworfene Bäume: eine der ersten Aufnahmen vom Katastrophenort in der Tunguska-Region. Erst 1927, also 19 Jahre nach der Explosion des Meteoroiden, waren die ersten Wissenschaftler vor Ort. Vorher war stets nur gerüchteweise von einem verheerenden Ereignis die Rede. Nun kam heraus: Bis in eine Entfernung von 30 Kilometern wurden die Fichten entwurzelt.

Die nächste Siedlung war Wanawara, 65 Kilometer entfernt. Noch dort wurden Fenster eingedrückt. Weit später stellten die Forscher Berechnungen an: Die Explosion hatte demnach eine Sprengkraft von zehn bis 15 Megatonnen TNT, das 1150-Fache der Atombombe von Hiroshima. Noch immer allerdings nehmen manche Experten an, es habe sich nicht um einen Meteoroiden, sondern um einen vulkanähnlichen Ausbruch gehandelt.

Landschaft geprägt

Eine schöne Landschaft ist das Nördlinger Ries, scheinbar geschützt durch einen ringförmigen Höhenzug. Vor 14 Millionen Jahren krachte hier in die noch schüttere Botanik ein Meteorit, der Unmengen von Erdreich gen Himmel jagte und den Kontinent für eine Weile verdunkelt haben dürfte.

Lange Zeit dachte man, dass man sich hier in der Caldera eines alten Riesenvulkans befand, bis 1960 der Geologe Eugene Shoemaker kam, den Spaten nahm und Stishovit, Coesit und andere seltene Quarzformen fand – der Beweis für die "Impakttheorie", den Meteoriten. Später entdeckten Shoemaker und seine Frau den Kometen Shoemaker-Levy. Der aber schlug auf dem Jupiter ein, nicht auf der Erde. Wir konnten alle zuschauen, aus sicherer Entfernung.

Feuerschein über 500 Kilometer

Der Meteorit, der 1908 über der Tunguska-Region in Sibirien explodierte, verglühte zum größten Teil. Wissenschaftler schätzen, dass er ursprünglich eine Größe von etwa 50 Metern im Durchmesser hatte, mithin von ähnlichem Kaliber war wie der Asteroid, der vergangenen Freitagabend so dicht an der Erde vorbeischrammte.

Man kann sich also einen Eindruck verschaffen, was passiert wäre, wenn die Bahn um 25.000 Kilometer versetzt verlaufen wäre. Noch in 500 Kilometer Entfernung soll damals ein heller Feuerschein sichtbar gewesen sein. Angeblich waren bis zu 14 Explosionen zu hören. Wer sich das Einschlagzentrum auf Internet-Karten anschauen möchte: Es soll bei 60° 53' 9'' N, 101° 53' 40'' O liegen.

Wegweisend

Einst zeigte der Stern von Bethlehem den Heiligen Drei Königen den Weg zur Krippe, in der das Christkind lag. Immer wieder wird diese leuchtende Erscheinung am Himmel mit jenen Boliden in Verbindung gebracht, die der Erde hätten allzu nahe kommen können. Astronomen gehen aber davon aus, dass es sich – falls es ihn tatsächlich gegeben hat – um einen sehr fern der Erde entlangziehenden Kometen gehandelt habe, der, etwa wie "Hale-Bopp" oder "Halley", wochen- oder sogar monatelang zu erkennen gewesen sein könnte.

Kometen sind so deutlich sichtbar, weil sie aus flüchtigem Material bestehen, vielfach aus Wassereis, Methan und anderen gefrorenen Zusammensetzungen, die durch den Strahlungsdruck nach und nach herausgelöst und als Schweif scheinbar hinterhergezogen werden.

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