15.02.13

Angeklagt

Pistorius streitet Mord an Freundin vehement ab

Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius ist wegen Mordes an Freundin Reeva Steenkamp angeklagt. Er wies unter Tränen alle Vorwürfe zurück.

Quelle: Reuters
15.02.2013 0:59 min.
Der Paralympics-Star Oscar Pistorius steht wegen vorsätzlichen Mordes an seiner Freundin vor Gericht. Der 26-Jährige brach in Tränen aus, als er bei der Anhörung mit den Vorwürfen konfrontiert wurde.

Der wegen Mordes an seiner Freundin angeklagte südafrikanische Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe abgestritten. Der 26-Jährige weise die Anschuldigung "auf das Schärfste" zurück, hieß es am Freitag in einer von seiner Familie und seinem Management veröffentlichten Erklärung. Der Sportler drückte in der Erklärung sein tiefes Mitgefühl für die Familie der getöteten Reeva Steenkamp aus.

Pistorius steht wegen vorsätzlichen Mordes an seiner Freundin vor Gericht. Der 26-Jährige brach in Tränen aus, als er am Freitag bei einer Anhörung mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, das Model Reeva Steenkamp ermordet zu haben.

Mit gebeugtem Haupt stand er vor Richter Desmond Nair und schlug schluchzend die Hände vor das Gesicht. "Beruhigen Sie sich, setzen Sie sich hin", sagte Nair. Medienberichten zufolge schoss der beinamputierte Sportler viermal durch eine Badezimmer-Tür hindurch auf Steenkamp.

Pistorius schweigt vor Gericht

Pistorius, der durch seine Wettkampferfolge auf High-Tech-Prothesen berühmt wurde, sagte während der 40 Minuten dauernden Anhörung kein Wort. Sein Vater Henke und sein Bruder Carl nahmen hinter ihm im überfüllten Gerichtssaal Platz und beugten sich immer wieder vor, um ihm auf die Schulter zu klopfen.

Der auch unter dem Spitznamen "Blade Runner" bekannte Athlet verbrachte die Nacht in Polizeigewahrsam, nachdem ihn zuvor Ärzte untersucht und Kriminaltechniker Spuren gesichert hatten. Er wurde, in einen dunklen Anzug gekleidet, am Morgen zum Gericht gebracht. Dabei begleiteten ihn Familienmitglieder und Polizeibeamte.

Schon im Vorfeld wurde die Anhörung um zwei Stunden verschoben, weil Pistorius Anwälte Vorbehalte gegen den starken Andrang einheimischer und ausländischer Journalisten im Gerichtssaal anmeldeten. Nun soll es am 19. Februar vor Gericht weitergehen. Pistorius bleibt inzwischen in Untersuchungshaft.

Model lag erschossen im Badezimmer

Die 30-Jährige Steenkamp, Model und Partygirl, war am Donnerstag tot in Pistorius Haus aufgefunden worden. Die Tageszeitung "Beeld" berichtete von vier Schusswunden im Kopf, in der Brust, im Becken und an der Hand.

"Die Sicherheitskräfte fanden Pistorius bei Steenkamps Leiche im Badezimmer", sagte ein Nachbar der Zeitung. "Durch die Tür war einfach durchgeschossen worden."

Zuerst hatte es noch geheißen, dass der Sportler seine Freundin für einen Einbrecher gehalten und irrtümlich auf sie gefeuert haben könnte. Nach Angaben der Polizei hatten Nachbarn aber bereits Geräusche vor den Schüssen gehört. Zudem habe es vorher "Vorfälle familiärer Natur" gegeben. Pistorius Haus liegt in einer durch drei Meter hohe Mauern und Elektrozaun geschützten Luxus-Wohnsiedlung am Rande der Hauptstadt Pretoria.

Südafrikas Ikone stürzt ab

Für Südafrika ist der Fall des Superstars ein Schock. Pistorius wurde als "schnellster Mann auf keinen Beinen" gefeiert, als Held, der sich über Widrigkeiten hinwegsetzte, um gegen die schnellsten und körperlich fittesten Menschen auf sportlich höchstem Niveau anzutreten. Als Baby waren Pistorius beide Beine unterhalb der Knie amputiert worden, weil ihm die Wadenbeine fehlten.

Der gewaltsame Tod des Models bestimmte die Titelseiten der Tageszeitungen. "Der Goldjunge verliert an Glanz" titelte der "Sowetan" neben einem Bild von Pistorius, in dem er in einen grauen Trainingsanzug gekleidet von einer Polizeiwache abgeführt wird. "Wie ist es möglich, dass jemand von so weit oben so schnell und so tief fallen kann", sagte John Robbie, Moderator bei Talk Radio 702.

Nachbarn bezeichneten Pistorius als lokalen Held. "Einige von uns haben geweint", sagte Precious, die an der Tankstelle arbeitet, an der Pistorius häufig seinen McLaren-Sportwagen aufgetankt hatte. "Er war so nett zu jedem."

Der Paralympics-Star, der auch bei den Olympischen Spielen in London Erfolge feiern konnte, hat Werbeverträge unter anderem mit dem US-Sportartikelhersteller Nike. Das Unternehmen will nach Abschluss der Ermittlungen über die Verträge entscheiden.

In Südafrika stoppte der Kabelsender M-Net am Donnerstag Werbesendungen mit Pistorius. Seine Werbeeinnahmen werden jährlich auf zwei Millionen Dollar geschätzt.

Quelle: AFP/dpa/Reuters/mim
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Chuck Hagel US-Verteidigungsminister tritt zurück
Formel-1 So nüchtern feierte Lewis Hamilton den Titel
Wegen Justin Selena Gomez plagt der Liebeskummer
Putin "Eiserner Vorhang würde uns zum Verhängnis…
BM_teaser_xmas.gif
Weihnachten

Ideen und Tipps rund um Weihnachtenmehr

Timetraveller.jpg
Timetraveller

Mit der Morgenpost und Timetraveller Geschichte erlebenmehr

Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Unfall in Brandenburg

Reisebus stürzt auf der A10 um

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote