15.02.13

Evangelische Kirche

Präses Schneider – "'Pogrom' geht gar nicht"

Der Ratschef der evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, hat zurückgewiesen, dass es in westlichen Ländern eine "Pogromstimmung" gegen Katholiken gebe. Scharfe Kritik übte er an Papst Benedikt.

Foto: picture alliance / dpa

Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider: „Verfolgung von Christinnen und Christen gibt es in Deutschland nicht einmal ansatzweise.“ Hier ist er im Oktober 2012 bei seiner Predigt zum Reformationstag in der Leipziger Thomaskirche zu sehen
Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider: "Verfolgung von Christinnen und Christen gibt es in Deutschland nicht einmal ansatzweise." Hier ist er im Oktober 2012 bei seiner Predigt zum Reformationstag in der Leipziger Thomaskirche zu sehen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hat mit scharfen Worten die Behauptung zurückgewiesen, es gebe in westlichen Ländern eine Pogromstimmung gegen katholische Christen: "'Pogrom' geht gar nicht", sagte Schneider im Interview mit der Berliner Morgenpost.

"Von 'Pogromstimmung' gegenüber Katholiken in der westlichen Welt zu reden, ist eine zweite Verletzung derjenigen, die in dieser Welt wirklich unter Pogromen leiden", sagte Schneider und wandte sich damit gegen die These des Präfekten der Römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller.

Der oberste Glaubenshüter der katholischen Kirche hatte in der Berliner Morgenpost von einer "künstlich erzeugten Wut" gegen Katholiken in westlichen Ländern gesprochen, welche zuweilen fast schon an eine "Pogromstimmung" erinnere.

"Kleine Gruppe, die man nicht überbewerten darf"

Kritisch äußerte sich Schneider auch zu der These des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner, es gebe in Deutschland eine "Katholikenphobie": "Aus evangelischer Perspektive ist mir auch dieser Begriff viel zu stark", sagte Schneider und fügte hinzu: "Verfolgung von Christinnen und Christen gibt es in Deutschland nicht einmal ansatzweise."

Was es gebe, seien "aggressiver werdende Töne aus dem sich 'laizistisch' nennenden Lager und atheistische Gruppen", fügte Schneider hinzu.

"Diese wollen ihr säkularistisches Weltbild für alle verpflichtend machen", so der Präses weiter. "Das sind aber kleine Gruppen, die man nicht überbewerten darf."

Vorwürfe an den scheidenden Papst

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche wirft zudem dem scheidenden Papst Benedikt XVI. vor, bei dessen Deutschland-Besuch 2011 evangelische Christen brüskiert zu haben.

Schneider sagte über Benedikts damaligen Besuch in der Erfurter Augustinerkirche: "Er hat an jenem Tag öffentlich gesagt, dass er keine ökumenischen Gastgeschenke mitgebracht habe und dass wir nicht wie politische Parteien miteinander reden könnten. Das haben viele von uns als deutliche Brüskierung empfunden."

Denn der Papst habe damit "suggeriert, wir Protestanten verständen die Gespräche als Verhandlungen zwischen Parteien. Das tun wir nicht", sagte Schneider. "Das Bild, das der Papst von uns dort entwarf, hat mit unserem Selbstbild überhaupt nichts zu tun."

"Vatikan gibt nicht Maß des Christlichen vor"

Schneider wies die Vorstellung zurück, dass Protestanten von ihrer Wertschätzung durch den Vatikan abhängig seien: "Unser Selbstverständnis hängt nicht davon ab, ob Rom uns etwas zuerkennt oder abspricht. Der Vatikan gibt nicht das Maß des Christlichen vor." Stattdessen gehe es darum, "auf Augenhöhe miteinander umzugehen".

Schneider weiter: "Hoffen kann ich nur auf dies: Dass der nächste Papst Anregungen gibt, wie evangelische und die römisch-katholische Kirche ihr Verhältnis verbessern können."

Der EKD-Ratsvorsitzende hält es in diesem Zusammenhang für möglich, dass ein nicht aus Deutschland stammender neuer Papst einen weniger befangenen Blick auf die konfessionellen Verhältnisse in Deutschland werfe und dadurch die ökumenische Zusammenarbeit verbessern könne.

Zwar sei es "nützlich" gewesen, dass Benedikt die deutschen Verhältnisse kannte, aber "ein freier Blick auf die deutschen Verhältnisse bei einem Papst ohne Vorprägungen durch frühere Erfahrungen kann uns möglicherweise auch gut tun", sagte Schneider.

Quelle: kam/mka
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