11.02.13

Nahrungsmittel-Tabu

Skandal um Pferdefleisch in Fertiggerichten weitet sich aus

Während Lebensmittelkonzern Fundus gegen Unbekannt klagen will, sollen rumänische Lieferanten für den Tabu-Bruch verantwortlich sein.

Foto: picture alliance / dpa

Etikettenschwindel: In den Tiefkühlprodukten von Findus war bis zu 100 Prozent Pferdefleisch entdeckt worden
Etikettenschwindel: In den Tiefkühlprodukten von Findus war bis zu 100 Prozent Pferdefleisch entdeckt worden

Der europaweite Lebensmittelskandal um als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch in Tiefkühlkost ist am Wochenende weiter eskaliert. Während der Lebensmittelkonzern Findus eine Betrugsklage gegen Unbekannt ankündigte, schob der französische Fleischverarbeiter die Schuld rumänischen Lieferanten zu. Die britische Regierung vermutet kriminelle Machenschaften hinter dem Skandal.

Die Klage werde am Montag eingereicht, erklärte Findus-France-Chef Matthieu Lambeaux. In Schweden kündigte der Ableger Findus Nordic Klage wegen Betrugs gegen das französische Tiefkühlkostunternehmen Comigel und dessen Lieferanten an.

Comigel wiederum erklärte, getäuscht worden zu sein und deshalb Entschädigung zu fordern. Die französische Regierung berief für Montagabend ein Krisentreffen ein.

Der britischen Lebensmittelaufsicht FSA zufolge wiesen Findus-Lasagne-Packungen einen Pferdefleisch-Anteil von bis zu hundert Prozent auf, obwohl auf dem Etikett Rind angegeben war. Das gleiche galt für zwei von der Aldi-Kette in Großbritannien vertriebene Fertiggerichte.

Pferdefleisch "aus Rumänien untergeschoben"

Nach den Funden hatte Findus auch in Frankreich und Schweden Fertiggerichte aus dem Handel genommen. Produzent der beanstandeten Gerichte war die Firma Comigel, die das Fleisch vom französischen Konzern Spanghero erhielt. Spanghero erklärte, das Pferdefleisch sei ihm aus Rumänien untergeschoben worden und kündigte Klage an.

Frankreichs Verbraucherminister Benoît Hamon zufolge gelangte das rumänische Fleisch über Zwischenhändler in Zypern und den Niederlanden nach Frankreich. Mit vorläufigen Ermittlungsergebnissen sei am Mittwoch zu rechnen. Rumäniens Landwirtschaftminister Daniel Constantin hat unterdessen leitete Vorermittlungen gegen zwei von Frankreich benannte Schlachtbetriebe ein.

Der rumänische Verband der Lebensmittelindustrie (FSIA) erklärte, da es sich um eine bedeutende Liefermenge handelte, müsse der französische Importeur "entweder mit dem rumänischen Produzenten unter einer Decke stecken" oder er habe das Fleisch "selbst umetikettiert".

Konsum von Pferdefleisch ist tabu

Der Verband der rumänischen Lebensmittelhändler (Romalimenta) erklärte, der Importeur habe wissen müssen, dass es sich nicht um Rindfleisch handelte. Pferdefleisch sei anders in Geschmack, Farbe und Beschaffenheit. Der rumänische Präsident Traian Basescu erklärte, sollte ein rumänischer Hersteller in "Unregelmäßigkeiten" verwickelt sein, werde "Rumäniens Glaubwürdigkeit auf Jahre beschädigt".

In Großbritannien ist der Konsum von Pferdefleisch ein Tabu. Umweltminister Owen Paterson erklärte, er schließe nicht aus, dass es sich "um einen grenzüberschreitenden kriminellen Komplott in betrügerischer Absicht" handele und nicht um grobe Fahrlässigkeit. Forderungen nach einem Einfuhrverbot von Fleisch aus der EU wies er zunächst zurück.

Das Pferdefleisch war den Behörden in Lasagne-Fertiggerichten aufgefallen. An die britischen Verbraucher gerichtet, betonte der Minister, dass der Verzehr von Fertigkost aus Rindfleisch sicher ist. Auch die Lebensmittelaufsicht FSA geht weiterhin davon aus, dass Fertigkost keine gesundheitliche Gefahren birgt.

Quelle: mm/AFP
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