11.02.13

Berliner Szenelokal

Darum gehen die Superstars ins "Grill Royal"

Das Berliner Szenelokal "Grill Royal" zieht Promis an wie ein roter Teppich. Die Betreiber Boris Radczun und Stephan Landwehr über prominente Gäste, grenzwertige Sonderwünsche und Präsident Obama.

Von Anna Waak
Foto: dpa

In seiner Drehzeit in Berlin dinierte Hollywood-Star George Clooney oft im „Grill Royal", das ...

11 Bilder

Boris Radczun und Stephan Landwehr betreiben mit dem "Grill Royal" das Berliner Restaurant, in das es regelmäßig zahlreiche Hollywood-Stars zieht – nicht nur während der aktuell stattfindenden Berlinale. Tom Hanks, Scarlett Johansson und Leonardo DiCaprio waren schon da, erst vergangene Woche aßen George Clooney und Charlize Theron im am Spreeufer gelegenen Restaurant zu Abend.

Zum Interview empfangen die Gastronomen in einem mit ausgestopften Tieren dekorierten Hinterzimmer des Pauly Saals, ihrem zweiten Lokal. Radczun verbringt Teile des Gesprächs wie bei einer Therapiesitzung auf dem Ledersofa liegend. Dazu, sich Indiskretionen über ihre prominenten Gäste entlocken lassen, sind die beiden allerdings viel zu professionell und höflich.

Die Welt: Was meinte der Gastrokritiker Jürgen Dollase, als er neulich in einem Interview sagte: "Der Erfolg des "Grill Royal" besteht darin, dass das Essen dem Horizont des Publikums entspricht"?

Boris Radczun: (lacht) Entweder er hält unser Essen für wahnsinnig weitsichtig oder unser Publikum für beschränkt. Letzteres wäre töricht. Viele unserer Gäste sind – oftmals internationale – Kulturschaffende.

Die Welt: Ihr Restaurant ist so etwas wie die Kantine des weltläufigen Berlins. Sind die zehn Berlinale-Tage für Sie als Betreiber eigentlich anstrengender als der Rest des Jahres?

Stephan Landwehr: Die Berlinale bedeutet zumindest, dass wir die gesamte Zeit anwesend und ansprechbar sind, und auch für unser Personal herrscht in dieser Zeit Urlaubssperre.

Die Welt: Aber Sie kommen hoffentlich auch ein wenig zum Feiern.

Landwehr: Wenn man ein Restaurant betreibt, hat das immer mit Feiern zu tun – schließlich muss man guter Laune sein. Das heißt aber nicht, dass wir ständig trinken. Das würden wir kräftemäßig kaum durchhalten.

Radczun: Neben dem Filmfest stellt die Berlinale ja auch einen Filmmarkt dar. Internationale Einkäufer treffen sich und machen ihre Geschäfte, es gibt viel zu bereden. Und das findet dann eben auch bei uns im Restaurant statt. Mengenmäßig befinden sich viel mehr Produzenten als Filmstars in der Stadt. Für Berlin ist es jedenfalls eine gute Zeit.

Die Welt: Wie macht man ein Restaurant zu einem Ort, in dem all diese Leute ihr Steak am liebsten essen?

Radczun: Das wissen wir auch nicht so genau. Es hilft jedenfalls, ein internationales Profil zu haben: Sei es, was das Menü angeht oder die Einrichtung. Auch die schiere Größe ist entscheidend: Ein geräumiger Laden, der viel Platz bietet, zieht auch entsprechend mehr Menschen an.

Landwehr: Es gibt kein Rezept, nachdem man ein Restaurant für tolle, kapitalkräftige Mitbürger aufziehen könnte. Sonst würden das ja viel mehr Leute tun. Wir haben alles so gemacht, wie es uns gefallen würde. Für mich war zum Beispiel klar, dass ich gepolsterte Bänke statt tendenziell immer unbequemer Stühlen haben wollte.

Radczun: Wir mögen Kunst, wir mögen Licht in Rottönen, wichtig war uns eine Lärm schluckende Akustik. Die Summe all dessen gefällt scheinbar auch anderen.

Es klopft. Der Möbelbauer, Romanautor und "Grill-Royal"-Stammgast Rafael Horzon betritt den Raum. Er fordert ein lebenslanges Recht auf Freigetränke für sich und seine Frau. Als Stephan Landwehr und Boris Radczun Verhandlungsbereitschaft signalisieren, trollt er sich wieder.

Landwehr: Als Gastgeber muss man auch ein guter Spaßdirektor sein.

Radczun: Wir geben den Leuten das Gefühl, dass sie willkommen sind, ohne dass wir dafür unterwürfig zu werden.

Die Welt: Eine Grundsatzfrage: Haben Sie Recht oder der Gast? Also: Wie viele Sonderwünsche erlauben Sie?

Radczun: Da haben wir unsere Grenzen. An manchen Abenden gibt es Gäste, die kommen mit dem Ziel, eine kleine Krise heraufzubeschwören. Neulich wollte jemand sein Hühnchen zurückgehen lassen, weil es nicht längs geschnitten war, sondern als Keule, Brust und Schenkel serviert wurde. Wir lassen keine Tiere schlachten, damit sie dann wegen eines vermeintlichen Formfehlers nicht gegessen werden.

Landwehr: Solche Leute suchen sich dann besser einen anderen Laden. Prominente Gäste sind da überraschenderweise die Unkompliziertesten und Zuvorkommendsten.

Radczun: Es sind viel eher die Leute aus dem jeweiligen Assistenten-Schwarm, die sich prätentiös geben. Das hat wohl mit Standortbestimmung zu tun.

Die Welt: Erfahren Sie im Vorfeld, wer im Laufe des Abends bei Ihnen zu Gast sein wird? Lassen Prominente namentlich reservieren?

Radczun: Nein. Im Übrigen behandeln wir alle unsere Gäste gleich. Wer da kommt, ist uns verhältnismäßig egal.

Landwehr: Wenn allerdings ein ranghoher Politiker bei uns essen will, macht der Staatsschutz vorher eine Begehung. Dann werden die Räumlichkeiten besichtigt, es wird geschaut, wo sich Fenster befinden und wie sicher die Toiletten sind.

Die Welt: Mussten Sie schon mal jemanden vor die Tür setzen, weil er einem anderen Gast zu nahe kommen wollte?

Landwehr: Nö.

Die Welt: Man hört aber, dass Sie erst vergangene Woche zwei Leute hinausbegleiteten ließen, weil sie Al Pacino zu sehr auf die Pelle rückten.

Landwehr: Solche Geschichten werden immer nur erfunden. Dasselbe passierte, als George Clooney als Entschädigung für den Lärm, den er mit seinen Freunden gemacht hatte, angeblich die Rechnung eines fremden Gastes beglich. Unseretwegen müsste das nicht in der Zeitung stehen.

Die Welt: Ist die Konkurrenz zwischen dem "Grill Royal" und dem am Gendarmenmarkt gelegenen "Borchardt" auch so eine Erfindung?

Landwehr: Es ist ja nicht so, dass wir uns unsere Zielgruppe aussuchen. Man macht sein Restaurant auf und wartet auf Gäste.

Radczun: Und beide Läden sind immer voll. Der Konkurrenzkampf hält sich also in Grenzen.

Die Welt: Wen würden Sie sich mal als Gast wünschen?

Landwehr: Wir hätten schon gern, dass Präsident Obama mal kommt…

Die Welt: …der ja bereits im Borchardt war...

Radczun: Den Künstler David Hockney, der Schriftsteller Thomas Pynchon – von dem man ja aber nicht weiß, wie er aussieht. Wir würden ihn also sowieso nicht erkennen.

Landwehr: Angela Merkel war noch nie da.

Die Welt: Besteht bei all den Stargästen nicht die Gefahr, dass das Eigentliche – also die Qualität des Essens – in den Hintergrund gerät?

Landwehr: Wenn so viele tolle Leute bei uns essen, kann die Qualität ja so schlecht nicht sein.

Radczun: Viel wichtiger als der Star, der uns vielleicht ein Mal im Jahr besucht, sind uns unsere Stammgäste. Wenn ein Gast durch ebenfalls anwesende Prominente das Gefühl hat, einen Moment lang Teil des Weltgeschehens zu sein, macht das den Abend über das gute Essen und die Stimmung hinaus noch ein wenig besonderer.

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