10.02.13

"TV Total Prunksitzung"

Raab schunkelt sich zu spanischem Höhepunkt

"Kölle alaaf" ist nicht jedermanns Sache. Auch Tausendsassa Stefan Raab konnte mit seiner Prunksitzung nichts daran ändern. Es gab Witze über Mett-Igel, über Köln und erst am Schluss etwas zu lachen.

Von Nina Paulsen
Foto: ProSieben Willi Weber

Alaaf und helau! Sitzungspräsident Stefan Raab versammelt in seinem TV-Special "Die Große TV Total Prunksitzung" viele prominente Gäste und führt an der Spitze seines Elferrats durch eine ganz besondere Karnevalsgala. Mit dabei waren Reiner Calmund (l.), Carolin Kebekus (2.v.l.), Lena Meyer-Landrut (M.), Charlotte Roche (r.) und ...

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Stefan Raab hatte schon viele gute Ideen. Die Wok-WM, das Turmspringen oder nächtliche Poker-Runden zum Beispiel, außerdem den Bundesvision Song Contest und Dauerbrenner "Schlag den Raab". Viele Erfolgsformate also, mit denen der Entertainer vor allem bei seinem Haussender ProSieben für gute Einschaltquoten sorgt.

Jetzt hat Raab sich an einer neuen Show versucht, die im Grunde auf der Hand lag, von der er aber bisher die Finger gelassen hatte. Zu Recht, wie man im Nachhinein sagen muss. Als "echte kölsche Jung" hat Raab zwei Tage vor Rosenmontag "Die große TV Total Prunksitzung" präsentiert. Fast drei Stunden hieß es ständig "alaaf", wurde viel Dialekt gesprochen, der FC Köln besungen, und die allseits bekannten Comedians und Spaßmacher des deutschen Privatfernsehens wurden nacheinander über die große Bühne geschleust.

Für eingefleischte Karnevalisten aus der Domstadt mag das großes Kino gewesen sein. Für jeden anderen Zuschauer aus dem Rest von Deutschland kam die Show allerdings genauso witzlos und überdreht daher wie jede andere Karnevalssendung auch. "Viva Colonia" schön und gut. In Hamburg, Berlin und München interessiert das kaum. Ein Glück, dass es am Ende wenigstens ein Highlight gab.

Alkohol, Feierei und Sex mit Fremden

Dem traditionellen "Elferrat" auf der Bühne, dessen einzige Funktion in seiner bloßen Anwesenheit bestand, gehörte neben Raab dessen Ex-Praktikant Elton an, dazu die drei Ludolf-Brüder, "Feuchtgebiete"-Autorin Charlotte Roche, Fußball-Schwergewicht Reiner Calmund im Sultan-Kostüm und das "TV Total"-Duo Ingrid und Klaus, die nur kennt, wer auch Raabs Sendung kennt.

Außerdem dabei: die Kölner Komikerin Carolin Kebekus und ein junger Mann mit grauem Kapuzenpullover und Panda-Kopf, möglicherweise Rapper Cro, dessen Markenzeichen beides ist. Aber so genau wusste man das nicht. Der Sender jedenfalls ließ seine Zuschauer im Unklaren - und antwortete auch auf entsprechende User-Anfragen auf Twitter nur ausweichend.

"Heute Abend erleben wir nicht weniger als zehn Weltpremieren", hatte Raab zu Beginn der Sitzung vollmundig angekündigt. Gemeint war damit allerdings nur, dass die schon bekannten Show-Acts nun eben zum ersten Mal bei der "TV Total Prunksitzung" auf ProSieben auftraten. Den Anfang machte Kebekus, die erklärte, worum es beim Karneval eigentlich so gehe. Im Wesentlichen offenbar um Alkohol, Feierei und Sex mit Fremden. Aha.

Eigentlich hat Raab ein sicheres Gespür für Erfolgsformate

Eine weitere "Weltpremiere" (O-Ton Raab): Markus Krebs aus Duisburg, Comedy-Grand-Prix-Gewinner mit diversen Flachwitzen im Repertoire. Erzählt hat er die Geschichte eines Freundes, der sich auf dem Jakobsweg gewundert habe, "warum es keinen Kaffee gibt", und dessen neue Freundin "autonomes Training" mache und "eine Aufzuchtstation für Mett-Igel hat". Haha.

Stefan Raab ist eigentlich TV-Profi mit einem sicheren Gespür für Erfolgsformate. Zuletzt waren es das "Quizboxen" und der Polit-Talk "Absolute Mehrheit", der noch in diesem Monat erneut ausgestrahlt wird. Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatte diese Woche sogar vorgeschlagen, Raab solle das Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Peer Steinbrück vor der Bundestagswahl im September mit moderieren.

Umso verwunderlicher ist es, dass Raab sich mit der Prunksitzung für ein TV-Format entschieden hat, das nur in einer Region Deutschlands verwurzelt ist und vom Rest der Republik eher kritisch beäugt wird. Der gelernte Metzger mit abgebrochenem Jura-Studium, der einst beim Musiksender Viva als Moderator startete, ist heute etablierter Show-Tausendsassa mit eigener Produktionsfirma. Doch die Prunksitzung auf ProSieben war ein TV-Experiment zu viel.

Lena alaaf! Matze Knop alaaf! Mundstuhl alaaf!

Das lag auch daran, dass Raab selbst eher eine Nebenrolle einnahm – anders als bei seinen Erfolgsformaten, bei denen er fast immer als Protagonist auftritt. Neben einem Duett mit Elton und einer kurzen Büttenrede stand Raab noch mit der Kölner Kultband Höhner auf der Bühne - und natürlich ging es dabei vor allem um Köln, und das auch noch auf Kölsch. Die Gäste stammten ebenfalls zu einer großen Zahl aus dem Rheinland: Neben Kebekus und den "Höhnern" außerdem "Switch"-Darsteller Martin Klempnow in der Rolle von Proll-Millionär Robert Geiss oder die Kölner Band Brings.

Einen Gastauftritt hatte auch Raab-Entdeckung Lena Meyer-Landrut aus dem Karnevals-Niemandsland Hannover, die als Funkemariechen tanzte – allerdings mit ziemlich verkniffenem Gesichtsausdruck. Trotzdem hieß es am Ende "Lena alaaf". Und ebenfalls für die weiteren Gäste: "Motombo Umbokko alaaf", "Matze Knop alaaf" und "Mundstuhl alaaf".

Erst Helge Schneider rettete die Show

Erst am Ende steuerte die bis nach 23 Uhr gehende Show auf ihr einziges Highlight zu. Nach Bastian Pastewka, der seine alte "Wochenshow"-Figur "Ottmar Zittlau" inklusive grün-blauem Trainingsanzug wiederbelebte, hatte Comedy-Urgestein Helge Schneider seinen Auftritt. Und der war zwar kurz, aber dafür gut.

"Ich spiele einen Flamenco", hatte er mit adretter Föhnfrisur und Rüschenhemd angekündigt, was er dann auch auf Helge-Schneider-Art tat. Und dazu sang. Auf Spanisch. Bis er sich die Finger in den Saiten seiner Gitarre einklemmte.

Auf Helge ist eben Verlass. Auch Raab sollte wieder zu dem zurückkehren, was er am besten kann: sich neue und kreative TV-Formate ausdenken, an denen ganz Deutschland Spaß haben kann. Und von einem abgenutzten Programm wie einer Prunksitzung künftig die Finger lassen.

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