09.02.13

Wintersturm

"Nemo" fordert in den USA mindestens fünf Tote

Der Orkan "Nemo" tobt mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern über den Osten der USA. Mehr als 650.000 Menschen sind ohne Strom und Heizung. Mindestens fünf Menschen sterben.

Foto: AFP

Millionen Menschen an der US-Ostküste kämpfen mit Wintersturm „Nemo“. Er zieht genau dort entlang, wo bereits „Sandy“ gewütet hat – über die Staaten New York und Pennsylvania sowie die Region Neuengland.

24 Bilder

Mindestens fünf Tote, mehr als 650.000 Menschen ohne Strom und Heizung, ein abgeschaltetes Atomkraftwerk, mehr als 5300 gestrichene Flüge und ein Verkehrschaos fast entlang der gesamten nördlichen US-Ostküste – das ist die vorläufige Bilanz von Wintersturm "Nemo", der bis zum Samstagnachmittag mit Orkanböen von bis zu 120 Stundenkilometern über sechs amerikanische Bundesstaaten tobte und die Region unter einer Schneedecke von bis zu 1,20 Meter begrub.

Insgesamt 40 Millionen Menschen waren von dem ersten schweren Blizzard des Jahres betroffen. Die Gouverneure der betroffenen Bundesstaaten riefen den Notstand aus.

Die Acht-Millionen-Metropole New York schien dagegen mit einem "blauen Auge", wie es Bürgermeister Michael Bloomberg nannte, davongekommen zu sein. "Ich denke, wir haben das Schlimmste erst einmal überstanden", sagte er am Tag nach dem Sturm sichtlich erleichtert. Das Stadtoberhaupt rief die Bürger aber dazu auf, weiterhin das Auto stehen zu lassen, um nicht die Aufräumarbeiten zu behindern. "Wir werden ohne Rücksicht abschleppen", kündigte Bloomberg ab. Die Stadt wird noch Wochen brauchen, um die Folgen von Nemo zu beseitigen.

"Vorräte an Lebensmitteln anlegen"

Insgesamt 350 Streu- und Räumfahrzeuge sowie 1700 Schneefräsen waren die ganz Nacht in New York im Einsatz. Mehr als 250.000 Tonnen an Streusalz standen den Helfern zur Verfügung. Bis zum Samstagabend sollten in New York die Hauptstraßen von den Schneemassen geräumt sein.

Am Freitag hatte Bloomberg die Bürger aufgerufen, "Vorräte an Lebensmitteln und Medikamente anzulegen". Daraufhin war es zu Hamsterkäufen gekommen. Zahlreiche Supermärkte meldeten leere Regale. Auch an den Tankstellen gab es lange Schlangen. Viele Autofahrer befürchteten eine Benzinknappheit wie es sie im Oktober nach dem Supersturm Sandy gegeben hatte.

Im Central Park fielen nach offiziellen Messungen 30 Zentimeter Neuschnee, die viele New Yorker Kinder am Samstag zu Schlittenfahrten und Schneeballschlachten nutzten. In Midtown hatten Dutzende von Justin-Bieber-Fans dem schlechten Wetter getrotzt und waren am Samstag zum Rockefeller-Center gepilgert, um ihr Idol einmal live und aus der Nähe zu sehen. Bieber tritt hier am Abend in einer TV-Show auf. Und am Lincoln Center setzte die New Yorker Modewoche ihre Shows fort.

In Manhattan und den anderen Bezirken New Yorks soll in knapp 500 Haushalten der Strom ausgefallen sein. Der zusammengebrochene öffentliche Nahverkehr nahm am Samstag Stück für Stück seinen Betrieb wieder auf.

Fernzüge mit Verspätungen

Erste Fernzüge nach Washington fuhren am Samstag wieder, allerdings mit Verspätungen. Die Verbindungen nach Norden in die Vororte New Yorks und auch weiter nach Boston blieben dagegen vorerst unterbrochen.

Deutlich härter als Manhattan erwischte es dagegen Long Island, das in New York mit bis zu einem Meter Neuschnee den meisten Niederschlag abbekommen hatte. Mehr als 10.000 Haushalte waren hier ohne Strom. Nach Polizeiangaben steckten hier in der Nacht "Hunderte von Autofahrern für mehrere Stunden in ihren Wagen auf einem Highway im Schnee fest". Sie hatten die Warnungen der Behörden ignoriert.

In Upstate New York wurde in der Nacht zu Samstag der erste Tote gemeldet. Ein 74 Jahre alter Mann wurde in Poughkeepsie von einem Auto überfahren und starb später im Krankenhaus. Die Fahrerin hatte nach eigenen Angaben auf schneebedeckter Straße die Kontrolle über ihren Wagen verloren. In Germantown, ebenfalls in Upstate New York, starb ein 23-Jähriger beim Versuch mit einer Schneefräse die Straße zu räumen. Der Mann stürzte einen Abhang hinunter.

Drei weitere Tote wurden in der kanadischen Provinz Ontario, die von den Ausläufern von Nemo betroffen war, gemeldet. In Toronto mussten wie auch in der gesamten Region Hunderte von Flüge abgesagt werden.

Flughäfen nehmen Betrieb wieder auf

Die New Yorker Flughäfen begannen erst am Samstag ihren Betrieb nach und nach wieder aufzunehmen. Insgesamt sollen mehr als 5300 Flüge ausgefallen sein.

"Wir erholen uns ganz langsam von Nemo", sagte Susan Baer von der Verkehrsgesellschaft Port Authority. "Wir haben noch nicht alle Start- und Landebahnen wieder frei aber wir arbeiten hart daran." Der Großflughafen Boston Logan dagegen sollte erst am Sonntag wieder öffnen.

Die Bundesstaaten Massachusetts und Connecticut traf Nemo nach einer vorläufigen Bilanz offenbar am härtesten. In Plymouth musste ein Atomkraftwerk vorübergehend abgestellt werden. In 90 Prozent der Stadt gingen für kurze Zeit sogar die Lichter aus. Dann sprangen die Generatoren an und lieferten zumindest Notstrom. Eine Gefahr für die Bevölkerung soll nach Angaben des AKW-Betreiber nicht bestanden haben.

650.000 Menschen ohne Heizung

Mehr als 650.000 Menschen sollen in der gesamten Region durch Nemo ohne Strom und Heizung sein. Zum Vergleich: Nach Hurrikan Sandy mit mehr als 110 Toten und Schäden in Milliardenhöhe waren 2,3 Millionen Menschen ohne Elektrizität.

Die Küstenregionen in Massachusetts, wo die beiden Sturmsysteme in der Nacht aufeinandergeprallt waren und die ganze Gewalt von Nemo entluden, wurden am Samstag Flutwarnungen ausgerufen. Hier erreichte der Sturm mit mehr als 120 Stundenkilometern Hurrikanstärke.

Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, hatte ein "generelles Fahrverbot" ausgerufen. Bei Zuwiderhandlung drohten 500 Dollar Bußgeld und im schlimmsten Fall sogar bis zu einem Jahr Gefängnis. Die Gouverneure von Connecticut und Rhode Island folgten ihrem Kollegen. Patrick hatte zur Verstärkung der lokalen Ordnungskräfte zusätzlich 6000 Mann der Nationalgarde angefordert.

Der Nationale Wetterdienst hatte Nemo als "möglicherweise historischen Sturm" angekündigt. Ob der Orkan diesen Titel auch wirklich erringen wird, ist bisher unklar. Im Rekordjahr 1978, als ein damals noch namenloser Blizzard über Boston hinwegfegte, erreichte die Schneehöhe dort 79 Zentimeter.

Bisher wurden in der 650.000 Einwohner zählenden Ostküstenmetropole aber "nur offizielle 53 Zentimeter" gemessen, bei anhaltend leichtem Schneefall bis zum späten Nachmittag. Erst dann sollte sich Nemo auf das offene Meer verziehen.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Kristall Sauna Therme   Ludwigsfelde in Brandenburg bei Berlin   das grov¸e Angebot fv r Baden Wellness und Sauna vor. FKK und Sportbad.
19:08Ludwigsfelde
Freizeitbad vor den Toren Berlins warnt vor Sextätern

Die Kristall Saunatherme in Ludwigsfelde geht nach sexuellen Übergriffen in dem Freizeitbad in die Offensive: In Zusammenarbeit mit der Polizei installierten die Verantwortlichen Videokameras. mehr...


Rammstein-Frontman Till Lindemann auf der Bühne in Moskau
19:40Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Freitag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Freitag, den 24. Mai. mehr...


Die Aufbauarbeiten laufen, der Veranstalter erwartet 100.000 Fußballfans zum Champions-League-Finale auf der Fanmeile in Berlin
16:04Champions League
Fanmeile zum Finale soll Party mit Videoüberwachung werden

Auf der Berliner Fanmeile zur Champions League erwartet der Veranstalter trotz Regen 100.000 Menschen. Ein umfassendes Sicherheitskonzept soll mit dazu beitragen, dass das Party-Konzept aufgeht. mehr...

Ein saniertes und ein unsaniertes Wohnhaus in der Neuen Bahnhofstraße am 09.04.2013 in Berlin in Friedrichshain. Foto: Jens Kalaene/dpa
18:51Mietspiegel
Berliner Durchschnittsmiete steigt um mehr als sechs Prozent

Der Berliner Mietspiegel ist erneut gestiegen, wenn auch weniger stark als zuvor. Wer möglichst stabile Mieten möchte, sollte aktuell in Wohnungen ziehen, die zwischen 1950 und 1990 errichtet wurden. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
Deutsche Welle In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote