09.02.13

Unwetter

Blizzard "Nemo" legt Ostküste der USA lahm

Böse Erinnerungen an Hurrikan "Sandy" werden wach. Hunderttausende Menschen sind ohne Strom, Flughäfen haben den Dienst eingestellt.

Von Michael Remke
Foto: AFP

Millionen Menschen an der US-Ostküste kämpfen mit Wintersturm „Nemo“. Er zieht genau dort entlang, wo bereits „Sandy“ gewütet hat – über die Staaten New York und Pennsylvania sowie die Region Neuengland.

15 Bilder

Die Regale mit Brot und Kartoffelchips waren die ersten, die leergefegt wurden. Dann gingen die Vorräte an Milch, Nudeln, Tomatensoße und Eiern zur Neige. Und am Ende blieb ein fast leer gekaufter Supermarkt zurück. So wie bei Trader Joe's in Brooklyn erging es am Freitag vielen Lebensmittelgeschäften in New York und entlang der Ostküste. "Die Leute haben von ,Sandy' gelernt", sagte eine Kundin in einer scheinbar unendlich langen Schlange an der Kasse.

Drei Monate nach dem verheerenden Hurrikan "Sandy" mit mehr als 110 Toten, Zehntausenden zerstörter Häuser und Schäden in Milliardenhöhe tobte in der Nacht zum Sonnabend erneut ein "Monstersturm" über New York und der gesamten nördlichen Ostküste der USA. Insgesamt 40 Millionen Menschen von New Jersey bis Maine waren von dem Orkan namens "Nemo" betroffen. Ein Blizzard, der nach Meinung der US-Meteorologen "Geschichte schreiben könnte". Bei vorhergesagten Schneemengen von 30 Zentimetern und mehr in New York sowie über einen Meter im nördlicher gelegenen Boston in Massachusetts hätte der Orkan den Rekordsturm von 1978 übertreffen können. Damals fielen in Boston 69 Zentimeter Schnee. Mittlerweile fielen 66 Zentimeter Neuschnee in Connecticut.

250.000 Tonnen Streusalz

"Einen solchen Sturm gibt es nicht alle Tage", sagte Alan Dunham vom Nationalen Wetterdienst in Massachusetts. Ursache des "Monsterorkans" seien dabei gleich zwei Systeme, die aufeinanderprallen und ihre Sturmgewalt über New York und den New-England-Staaten entladen würden. Dabei rast "Nemo" fast auf der gleichen Route wie "Sandy" an der Ostküste entlang. Noch bevor der Sturm über die Region zog, riefen die Gouverneure der betroffenen Bundesstaaten den Notstand aus. Für die Küsten, wo "Sandy" im Oktober bereits gewütet hatte, wurden erneut Flutwarnungen ausgegeben.

In Queens meldeten die Behörden am Freitagabend erste Überflutungen. "Notfalls", so hatte Jerome Hauer, Chef des New Yorker Amtes für Heimatschutz, angekündigt, "werden wir die Menschen in den betroffenen Küstenregionen evakuieren müssen." Bereits am Donnerstag hatte New Yorks Stadtoberhaupt Michael Bloomberg die Bürger aufgefordert, sich mit Essensvorräten und Medikamenten einzudecken.

Mehr als 250.000 Tonnen an Streusalz, 350 Streu- und Räumfahrzeuge sowie 1700 Schneefräsen standen in der Nacht zu Sonnabend allein in New York zur Verfügung. Die Stadt selbst wirkte wie ausgestorben. Die U-Bahnen, die nur mit Einschränkungen fuhren, waren kaum gefüllt. Das berühmte Nachtleben New Yorks fiel wegen "Nemo" weitestgehend aus. Nur vereinzelt waren Menschen auf der Straße zu sehen. Doch die meisten befolgten den Rat von Bloomberg: "Bleiben Sie heute Abend zu Hause." Mit Windgeschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern in New York und bis zu 100 in Boston fegte "Nemo" dann bis Sonnabendmorgen die Ostküste entlang. Auf der Halbinsel Cape Cod nahe Boston, wo die beiden Sturmsysteme aufeinanderprallten, erreichte der Sturm mit 120 Stundenkilometern Hurrikanstärke.

Atomkraftwerk schaltet sich ab

Die Behörden in Massachusetts warnten vor "extrem gefährlichen Wetterbedingungen". Wind und Schnee führten in vielen Regionen schnell zu Stromausfällen. Im Bundesstaat Rhode Island meldeten die Behörden mehr als 1200 Haushalte ohne Elektrizität, in Boston waren sogar mehr als 5000 Haushalte betroffen. Mindestens 650.000 Menschen, so die letzten Meldungen, verbrachten in den betroffenen Gebieten die Nacht im Dunkeln und ohne Heizung.

Die Flughäfen der Region mussten den Dienst fast ganz einstellen. Nichts ging mehr in Newark, JFK und LaGuardia. New York und auch Boston Logan schlossen vorübergehend den Betrieb. Selbst das kanadische Toronto schien von den Ausläufern von "Nemo" betroffen zu sein. Hier wurden insgesamt 240 Flüge gestrichen. Weiterhin meldeten Rettungsstationen bereits einen ersten Todesfall. Der Schneesturm hat außerdem zur Abschaltung eines Atomkraftwerks geführt. Die Stromversorgung des Reaktors in Plymouth in Massachusetts sei am Freitag zusammengebrochen, teilte die Regulierungsbehörde mit. Daraufhin habe sich der Reaktor automatisch abgeschaltet. Es bestehe weder Gefahr für die Angestellten des Kraftwerks Pilgrim Nuclear Power Plant noch für die Bevölkerung.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Gaza-Konflikt Vermittlungen zwischen Hamas und Israel erfolglos
James Rodriguez Das ist der neue 80-Millionen-Mann von Real Madrid
Tschechien Starke Regenfälle überschwemmen Straßen in Prag
Unfallserie Bahnunglück mit Todesfolge in Südkorea
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

"Tatort"-Krise

Furtwängler & Co. – "Tatort"-Kommissare zum Weinen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote