08.02.13

Religionsgemeinde

Amischer "Bartkrieger" zu 15 Jahren Haft verurteilt

Abtrünnige wollte er gezielt demütigen: Der Amische-Bischof Mullet wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil er ungehorsamen Mitgliedern gewaltsam Haare und Bärte abgeschnitten hatte.

Foto: DAPD

16 Mitglieder einer radikalen Amisch-Sekte sind in Ohio zu Haftstrafen verurteilt worden.

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Ein Gericht im US-Bundesstaat Ohio hat den Anführer einer Splittergruppe der Glaubensgemeinschaft der Amischen zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil er rivalisierenden Glaubensbrüdern gewaltsam die Bärte abschneiden ließ. Wie die Zeitung "Cleveland Pain Dealer" berichtete, erhielten am Freitag auch 15 Anhänger von Bischof Samuel Mullet kürzere Gefängnisstrafen. Die Justiz ahndete die Bartattacken als Hassverbrechen nach US-Bundesrecht.

"Jeder einzelne von Ihnen hat mehr gemacht, als nur die Opfer zu terrorisieren, zu traumatisieren und zu entstellen", sagte Richter Dan Aaron Polster den Angaben zufolge. "Sie haben auf der Verfassung herumgetrampelt." Zuvor hatte Mullets Anwalt das Gericht in Cleveland noch um Gnade gebeten.

Der 67-jährige Mullet führt eine Gemeinde von 18 Familien, die in der abgelegenen Siedlung Bergholz rund 160 Kilometer von Cleveland entfernt leben. Zeugen beschrieben den Vater von 18 Kindern als autokratischen Herrscher über seine Gemeinde.

Vorwurf der "Terrorkampagne"

So habe Mullet die Post seiner Anhänger geöffnet und Vergehen mit Schlägen bestraft, außerdem soll er mit mehreren jungen Frauen aus der Gemeinde Sex gehabt haben. Während des Verfahrens wurde die Gemeinschaft von mehreren Zeugen als Sekte bezeichnet.

Die Staatsanwaltschaft warf Mullet vor, gegen Abweichler und religiöse Gegenspieler unter den Amischen im Herbst 2011 eine "Terrorkampagne" gestartet zu haben. Mehrfach sollen seine Anhänger ihre Opfer in der Nacht aus dem Schlaf gerissen und brutal Haare und Bärte abgeschnitten haben. Bei den Amischen gilt der Bart als Ausdruck von Männlichkeit, Würde und Frömmigkeit.

Mehr als einfache Körperverletzung

Um eine Verurteilung wegen Hassverbrechen zu erreichen, musste die Staatsanwaltschaft beweisen, dass die Bartattacken religiös motiviert waren und damit mehr als nur eine einfache Körperverletzung darstellten. Die Geschworenen folgten im vergangenen September dieser Argumentation und sprachen Mullet und seine Anhänger schuldig.

Die Angriffe hatten die pazifistischen Amischen schockiert, denen jede Form von Rache verboten ist. Die Amische sind Angehörige einer Täufergemeinschaft, die im 18. und 19. Jahrhundert vor allem aus Deutschland, der Schweiz und dem Elsass in die USA auswanderte.

Die Gemeinschaft zählt rund 250.000 Mitglieder, die meisten von ihnen leben in Pennsylvania und Ohio. Sie sind bekannt dafür, dass sie die meisten Erscheinungen des modernen Lebens wie Autos oder Telefone ablehnen.

Quelle: AFP/sara
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Wer sind die Amish?
  • Die Gründung

    Die Amish-Be­we­gung ist im Jahr 1693 in der Schweiz und Süd­deutsch­land entstanden. Damals spaltete sich die Gruppe von den Pro­tes­tan­ten ab. Vor­aus­ge­gan­gen war ein Streit mit dem Men­no­ni­ten­bi­schof Hans Reist über die Frage, wer in den Himmel kommen könne. Benannt sind sie nach dem Gründer Jakob Ammann (1644-1730). Deshalb werden sie auch „Amish” oder „Amische” genannt.

  • Neue Heimat

    In Europa wurden die Amish verfolgt. Anfang des 18. Jahr­hun­derts wanderten sie deshalb in die Vereinigten Staaten aus. Die Amish behielten trotz der neuen Heimat aber ihre Sprache, deshalb hat die Mut­ter­spra­che der Amish auch einen pfäl­zi­schen Dialekt, das "­Penn­syl­va­nisch-Deit­sch".

  • Ihr Leben

    Insgesamt gibt es etwa 274.000 Amish. In­zwi­schen verteilen sich etwa 1200 Gemeinden der Amish People auf 20 US-Staa­ten. Die meisten davon in Ohio, Penn­syl­va­nia und Indiana. Sie zählen zu den am schnellsten wachsenden Minderheiten in den USA, weil die Familien sehr kinderreich sind. Die Mitglieder führen ein bäu­er­li­ches Leben und sehr bibeltreues Leben, ver­zich­ten auf Telefon, Elek­tri­zi­tät und Autos.

  • Konflikte

    2011 wurden acht Amish in Kentucky mehreren Tagen Gefängnis verurteilt. Der Grund: Die Männer weigerten sich, an ihren al­ter­tüm­li­chen Pfer­de­kut­schen die vor­ge­schrie­be­nen oran­ge­far­be­nen Warn­drei­e­cke für langsame Fahrzeuge zu kleben. Ihre Begründung: Leuch­tende Farben sind für die Amish-Fun­da­­men­ta­­lis­ten tabu. Außerdem sei das Dreieck Zeichen der heiligen Drei­fal­tig­keit, daher als Aufkleber Got­tes­läs­te­rung. Statt­des­sen klebten die Sek­ten­mit­glie­der als "Warn­si­gnal" graues Band an ihre Wagen, hingen eine Laterne dran - und zahlten nie ihre Straf­zet­tel.

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