08.02.13

Wintersturm

Blizzard soll USA da treffen, wo schon "Sandy" wütete

Die US-Ostküste bereitet sich auf einen Sturm historischer Ausmaße vor: "Nemo" soll 60 Zentimeter Neuschnee und Sturmwellen bringen. Er zieht da entlang, wo schon "Sandy" viel zerstörte.

Von Michael Remke
Foto: AFP

Millionen Menschen an der US-Ostküste kämpfen mit Wintersturm „Nemo“. Er zieht genau dort entlang, wo bereits „Sandy“ gewütet hat – über die Staaten New York und Pennsylvania sowie die Region Neuengland.

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Nur drei Monate nach dem Hurrikan "Sandy" mit mehr als 110 Toten und Schäden in Milliardenhöhe erwartet New York die nächste Naturkatastrophe. "Nemo", ein "möglicherweise historischer Schneesturm", heißt es beim US-Wetterdienst, braut sich über der nördlichen Ostküste zwischen den Bundesstaaten New Jersey und Maine zusammen.

Windgeschwindigkeiten zwischen 95 und 120 Stundenkilometern, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und vor allem heftiger Schneefall könnten die gesamte Region erneut in ein Chaos stürzen. Mehr als 3000 Flüge wurden bereits gestrichen, darunter auch zahlreiche Verbindungen aus Deutschland.

Insbesondere in den Metropolen Boston und New York könnte der erwartete Wintersturm, der sich am Freitagmorgen mit dicken Schneeflocken ankündigte, zu Stromausfällen und Verkehrschaos führen.

Die Vorhersagen gehen bisher davon aus, dass der "Northeasterner" – wie Nemo kategorisiert wird – New York am Freitag zwischen 19 Uhr bis 6 Uhr Samstagmorgen Ortszeit (1 Uhr bis 13 Uhr MEZ) am härtesten treffen wird. "Wir nehmen diesen Sturm sehr ernst", sagte Jerome Hauer, Chef des New Yorker Amtes für Heimatschutz.

Die Angst vor neuen Sturmwellen

In den bereits von Hurrikan "Sandy" verwüsteten Küstenregionen von Queens, Brooklyn und Staten Island, wo noch heute bis zu 3000 Bewohner ohne Strom und Heizung leben müssen, wurden erneut Sturmwarnungen herausgegeben. Flutwellen von bis zu "zwei Meter Höhe" werden erwartet. "Das ist zwar deutlich weniger als bei 'Sandy'", so Hauer. "Die Bewohner in diesen gefährdeten Regionen sollten sich aber dennoch auf eine Evakuierung vorbereiten."

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg rief die Bevölkerung auf, sich mit "Vorräten und Medikamenten einzudecken". Zu Hamsterkäufen soll es bisher aber noch nicht gekommen sein.

Nur an einzelnen Tankstellen bildeten sich bereits Schlangen von Autofahrern, die sich mit Benzin eindecken wollten. Nach Hurrikan "Sandy" war es hier wochenlang zu Engpässen gekommen. Aus Boston wurde gemeldet, dass "einzelne Einkaufsläden bereits leergefegt seien". Auch Schneeschieber und Streusalz seien in vielen Geschäften ausverkauft.

250.000 Tonnen Streusalz

"Dies ist ein sehr gefährlicher Sturm", warnte Bloomberg. "Aber wir sind gut vorbereitet." Mehr als 250.000 Tonnen an Streusalz stünden zur Verfügung. "Die 350 Streu- und Räumfahrzeuge werden rund um die Uhr im Einsatz sein."

Blomberg weiter: "Wir hoffen, dass die Vorhersagen für die erwarteten Schneehöhen falsch sind, aber man kann nie wissen." Laut Wetteramt werden bis zu 60 Zentimeter Neuschnee erwartet.

In Boston befürchten die Meteorologen sogar noch mehr. "Nemo" könnte damit der schlimmste Blizzard seit dem Rekordjahr 1978 werden, als ein Sturm die Stadt und die Region für mehrere Tage lahmlegte. Damals erreichte die Schneehöhe in Boston 69 Zentimeter. Dutzende von Menschen kamen ums Leben. In den Bundesstaaten Massachusetts und Connecticut wurden am Freitag die Schulen geschlossen. In New York sagten die Schulen nur ihre Spiel- und Sportprogramme am Nachmittag ab.

"Einen solchen Sturm gibt es nicht alle Tage", sagte Alan Dunham vom nationalen Wetterdienst in Massachusetts. Ursache des erwarteten "Monstersturms", der bis Samstagmorgen andauern soll, sind gleich zwei Systeme, die zwischen New Jersey und Massachusetts aufeinandertreffen. Dabei rast "Nemo" fast auf der gleichen Route wie "Sandy" an der Ostküste entlang.

Zugverbindungen unterbrochen

"Jeder, der Freitag arbeitet, sollte früher nach Hause gehen", riet ein gewohnt souveräner Bloomberg die New Yorker zur Vorsicht. Nach dem Eintreffen des Sturms werde es zu erheblichen Engpässen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen. Die New Yorker U-Bahn-Behörde MTA kündigte an, am Nachmittag zusätzliche Züge und Busse einzusetzen, um die Menschen nach Hause zu bringen.

Längere Zugverbindungen wie nach Boston jedoch wurden bereits am Freitag unterbrochen. Erhebliche Einschränkungen gab es auch auf den Flughäfen der Region wie JFK und LaGuardia, wo es zu stundenlangen Verspätungen und Tausenden von abgesagten Flügen kam. In Newark wurde der Betrieb fast ganz eingestellt.

Betroffen von dem nahenden Sturm "Nemo" ist auch die New Yorker Fashion Week, die am Donnerstag begann. Die Veranstalter kündigten an, die Schauen trotz des Unwetters nicht abzusagen.

Sie heuerten Arbeitskräfte an, die die Wege zu den Zelten am Lincoln Center räumen sollten. Auch zusätzliche Heizungen sollen installiert werden. Der Star der Modewoche, der Designer Marc Jacobs, wollte jedoch kein Risiko eingehen: Er verschob seine Show wegen "Nemo" um drei Tage.

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