08.02.13

Hollywood

Das Affleck-Glück mit Zauselbart und Schmuddelkids

Amerika hat ein neues Traumpaar gefunden: Ben Affleck und Jennifer Garner. Sie gelten mit ihren Kindern als die glücklichste Familie Hollywoods – ganz ohne Glitzer, Glamour und zum Spott der Blogger.

Von Kerstin Rottmann
Foto: dpa

Traumpaar in Hollywood: Ben Affleck und Ehefrau Jennifer Garner

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Das Trauma sitzt tief, und es hat einen Namen: J.Lo. Von 2002 an war US-Schauspieler Ben Affleck mit Latino-Weltstar Jennifer Lopez liiert – bekannt für ihren runden Po und ihre grandiosen Starallüren. Die Beziehung hielt knapp zwei Jahre, sie brachte "Bennifer", so der Spottname für das ungleiche Paar, Klatsch, Tratsch und jede Menge böse Schlagzeilen ein.

Noch heute zeugt ein bizarres Musikvideo ("Jenny From The Block") mit einem Gastauftritt von Affleck und ein hoffnungslos schlechter (Goldene-Himbeere-prämierter) gemeinsamer Film ("Gigli") von der auch künstlerisch wenig fruchtbaren Liaison.

Nach der Trennung im Jahr 2004 war nicht nur Afflecks Image ruiniert, sondern auch seine Karriere als ernst zu nehmender Schauspieler. Der einst an der Seite seines Freundes Matt Damon in "Good Will Hunting" so hoffnungsvoll gestartete Jungstar schwankte hilflos zwischen Blockbustern ("Pearl Harbour") und Flop-Filmen ("Jersey Girl"), es hagelte nur so schlechte Kritiken. Wie groß die Schmach war, enthüllte der mittlerweile 40-Jährige jüngst in einem Interview mit dem Magazin "GQ": Selbst verurteilte Mörder hätten von den Medien "eine bessere Behandlung bekommen" als er während seiner Liaison mit La Lopez.

Der vollzogene Rollenwechsel

Damals ganz unten, nun ganz oben: Knapp sieben Jahre später hat sich das Leben des gebürtigen Kaliforniers komplett verändert. Affleck hat einen Rollenwechsel vollzogen, setzt statt auf Schauspielerei auch auf Drehbuch- und Regiearbeiten. Mit Erfolg. Er hat sämtliche Preise abgeräumt bis hin zur Besten Regie für "Argo" bei der Directors Guild. Affleck, so scheint es, ist derzeit auf dem Höhepunkt seiner zuletzt so wechselvollen Karriere.

Doch als der 40-Jährige bei den "Critic's Choice Awards" auf die Bühne kam, um seinen Preis für die Beste Regie abzuholen, fiel ein eher privates Detail auf: Auf dem Handrücken des mittlerweile dreifachen Vaters waren Kinderzeichnungen zu sehen. Neue Preisverleihung, nächste Auszeichnung (Beste Regie für "Argo" bei der Directors Guild), neues Kinder-Tattoo: "Ich liebe Papa. Viel Glück", so entzifferten aufmerksame US-Reporter Anfang Februar die Kritzeleien auf Ben Afflecks Handrücken.

Eine Styling-Panne, die gleichzeitig stolzes Statement ist. Denn mittlerweile ist Ben Affleck vor allem eines wichtig: Seine Familie, die er vor fünf Jahren mit seiner Kollegin, dem "Alias"-Star Jennifer Garner gegründet hat. Zwei Mädchen und ein Junge sind aus der 2005 geschlossenen Ehe hervorgegangen. Und wer die zahlreichen Paparazzi-Fotos in den diversen US-Promi-Blogs sieht, der könnte glatt glauben: Die Afflecks sind derzeit wohl die glücklichste Familie Hollywoods.

Kein Personal Trainer, keine Sit-ups

Eine der entspanntesten Familien jedenfalls sind sie sicherlich. Groß war etwa die Verwunderung der britischen und US-Medien, als Jennifer Affleck (die sich nur noch beruflich Garner nennt) auch nach der zweiten Schwangerschaft so gar keine Eile hatte, ihre alte Figur wiederzubekommen, geschweige denn möglichst rasch wieder vor die Filmkameras zurückzukehren. Sie machte Pause für die Familie und nahm das ganz wörtlich.

Kein Personal Trainer, keine Sit-ups, bitte! Wochen-, gar monatelang schlurfte die 38-Jährige – übrigens eine der wenigen Brillenträgerinnen in Hollywood – mit einem kleinen Bäuchlein und etlichen Kilos zu viel durch Los Angeles. Dazu trug sie unförmige, unten umgekrempelte Hosen – in den USA als "Mom Jeans" bekannt und modisch ein absolutes No-Go – sowie fleckige T-Shirts mit uncoolen Aufdrucken. In der Metropole des Fitnesswahns, in dem Land, in dem Topmodels wie Heidi Klum nur Wochen nach der Geburt wieder in Dessous über den Laufsteg stolzieren, gilt das wahlweise als verrückt oder charakterstark.

Ben Affleck würde wahrscheinlich Letzteres bejahen. Ja, die Frau an seiner Seite ist ein Brille tragender Kumpeltyp, kein Pin-up-Po mit Eieruhrfigur – eben einfach nur Jennifer statt J.Lo. Die (beruflich selbst mäßig erfolgreiche) TV-Serien-Darstellerin hat dem Sohn eines Sozialarbeiters und einer Lehrerin die ersehnte familiäre Gelassenheit verschafft. Das wirkt sich auch auf die gemeinsamen Kinder aus.

Anders, als die wie für eine Benetton-Reklame durchgecastet wirkende Kinderschar des US-Traumpaars Brad Pitt und Angelina Jolie, sehen die kleinen Afflecks einfach nur blass, blond und durchschnittlich aus. Im Fokus der Medien stehen sie trotzdem: In dem Blog "Suri's Burnbook" etwa, einem ebenso intelligent wie unverschämt geschriebenen Style-Manual über die Kinder von Prominenten, tauchen Violet (7) und Seraphina Affleck (4) immer wieder in der Rubrik "unfassbarer Stil-Fehler" auf.

Fiktiv geführt wird das Fototagebuch von Suri Cruise, quasi von Geburt an unter den topgestylten Promi-Power-Kids und – so scheint es – bereits mit sechs Jahren zur scharfzüngigen Stilikone gereift.

Jennifer Garners "Mutti"-Mode

Hinter Suris geposteten Spitzfindigkeiten verbirgt sich Autorin und Parodistin Allie Hagan, eine 25-jährige Politikberaterin aus Washington, die es mit ihrem Blog zu Tausenden von Fans und einem Buchvertrag gebracht hat. Die Afflecks gehören zu ihren Lieblingsopfern, eben weil sie so einen schönen Kontrast zur ehrgeizigen High-Power-Gesellschaft Hollywoods bieten.

Angesichts von Jennifer Garners "Mutti"-Mode etwa heißt es kurz: "Karriere und Kleidung bei Jennifer Garner lassen sich so zusammenfassen: formlos." "Hübsche Gesichter, schreckliche Klamotten", lautet ein anderes Posting angesichts eines Paparazzo-Bildes, auf dem die Affleck-Kinder in billigen rosafarbenen Kleidchen, Crocs und mit zerzausten Haaren unterwegs sind. "Kann jemand der Familie mal Haargummis und ein bisschen Selbstrespekt schenken", giftet die kleine Stilpäpstin.

Fassungslos ist Style-Königin Suri übrigens auch über die Tatsache, dass die beiden Mädchen Brillenträgerinnen sind und sich dessen so gar nicht schämen! Aufmerksam werden im "Stylebook" die verschiedenfarbigen, stolz getragenen Brillenmodelle protokolliert (Violet hat bis zu vier Modelle, auch Seraphina trägt neuerdings Brille). Zu einem Style-Upgrade für Violet führt so viel Opulenz jedoch nicht, ganz im Gegenteil: "Sie ist ein Nerd!"

Oder eben einfach nur ein ganz normales Kind. Dass dem so ist, ist auch Verdienst der Eltern. Anders als J.Los Sprösslinge – ja, auch die Latina hat mittlerweile zwei Kinder aus ihrer dritten, mittlerweile geschiedenen Ehe mit Marc Anthony – müssen Violet, Seraphina und der 2012 geborene Samuel ihre Eltern nicht zu A-Klasse-Events wie Filmpremieren oder Modenschauen begleiten.

Das hält bekanntlich nicht jeder so: Victoria Beckham etwa hielt Tochter Harper jüngst ungeniert in die Kameras, als sie die neueste Kollektion ihrer gleichnamigen Modelinie auf dem Laufsteg präsentierte. Und J.Los Tochter Emme saß unlängst gelangweilt auf der Pariser Modewoche bei Chanel in der ersten Reihe, weil, so die stets topgestylte Mutter, "sie Mode ja so liebt". Aha. Die Affleck-Mädchen bauen in der Zeit lieber einen Kaufstand vor der Villa auf und bieten Limonade zum Verkauf an (mit Zucker!). "Wow. Ich wusste nicht, dass die Lage so ernst ist", kommentiert Spitzzunge Suri und giftet: "Hoffentlich können sie sich Haarbürsten und Strom leisten."

Apropos berühmter Papa

Kindlich, ein wenig schmuddelig und kaum einmal mit dem Privatflieger auf dem Weg zu fremden Kontinenten – die Kindheit der drei Affleck-Kinder ist anders als die von Suri Cruise, Harper Beckham oder Shiloh Pitt-Jolie, und gerade deshalb vielleicht ein kleines bisschen glücklicher.

"Ich hasse es, wie diese Familie so tut, als hätten sie sich alle schrecklich gerne", lautet denn auch ein missgelaunter Suri-Kommentar angesichts eines Ausflugs von Eltern und Kindern in ein ziemlich durchschnittliches US-Kinderparadies namens Kidsville.

Wenig später spendiert Mama Jennifer den Mädchen auf einem Markt gar echte, vor Schokolade nur so triefende Brownies – ein "Goodie", den es im diätversessenen Tinseltown eigentlich gar nicht geben darf. Ja, da kann ein wohlstandsverwöhntes, schon jetzt potenziell auf Diät gesetztes Scheidungskind schon einmal neidisch werden – Suris Mama Katie Holmes und Papa Tom Cruise ("TomKat") sind bekanntlich längst geschieden.

Apropos berühmter Papa: Wie wenig aber Hollywood derzeit an seinem neuen "Leading Man" Ben Affleck vorbeikommt, zeigt die Mediendiskussion angesichts der Tatsache, dass der Globes-Sieger "Argo" bei den Oscar-Nominierungen – korrekt: den Academy Awards – in der prestigeträchtigen Kategorie Regie leer ausgegangen ist.

Schon kursieren Verschwörungstheorien. Etwa beim Sender Fox News: Affleck wurde, so schreibt der Autor Tariq Khan, vielleicht auch deshalb von der Akademie links liegen gelassen, weil er in dem Film, in dem er auch selbst eine Rolle spielt, seinen gut gebauten Körper inklusive eines "Sixpacks, so hart wie der eines 20-Jährigen" in einer Duschszene vorführt. "Ich bin mir sicher, dass keiner der Regisseure, die in der Akademie sitzen, so gebaut ist", schlussfolgert Tariq Khan.

Die neue Lebenszufriedenheit

Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten – eine Binsenweisheit, für die der einst so verspottete Affleck nichtsdestotrotz das perfekte Beispiel ist. Er spielt den angeblichen Oscar-"Snub" denn auch hochprofessionell herunter. "Argo" sei schließlich, so Affleck jüngst in einem Interview, ja in sieben anderen Kategorien inklusive bester Film nominiert. "Wer damit nicht glücklich ist, der hat grundsätzlich ein Problem damit, mit seinem Leben zufrieden zu sein." Lebenszufriedenheit, ja, die hat Affleck mittlerweile, und er weiß auch, wem er sie zu verdanken hat.

Bei den Golden Globes dankte Affleck bei der Entgegennahme des Regiepreises vor allem seiner Frau, ohne die er "hier nicht stehen würde". Jennifer Garner – ohne Brille & ohne Schmutzflecken ausnahmsweise mal fast makellos gestylt, aber mit einer Fast-Busenpanne des tief dekolletierten Abendkleids – freute sich so schön mit ihrem Mann, wie es sonst nur das Powerpaar "Brangelina" Pitt & Jolie kann. Vergessen sind jene Bilder, auf denen ein sichtlich unglücklicher Affleck nur Anhängsel eines allzu dominanten echten Weltstars war.

Nun strahlt er selbst, auf der Leinwand und auch im echten Leben. Und es ist ihm sicher auch schon aufgefallen, dass das neue, so stolz präsentierte Familienglück so ganz nebenbei auch gut fürs Image und Geschäft des selbstständigen Filmunternehmers ist. Bei der Globes-Gala hatte Affleck übrigens die Hände gewaschen. Und dass sich anschließend Jennifer J.Lo Lopez zu Wort meldete und in der Talkshow von Ellen DeGeneres flötete: "Ich freue mich sehr für ihn!" – dürfte ihn auch nicht groß gestört haben.

Quelle: dapd
17.01.13 0:45 min.
Jennifer Lopez feilt an ihrer Karriere. Nachdem sie die TV-Sendung "American Idol" verlassen und die Scheidung von Marc Anthony eingereicht hat, soll es 2013 wieder andere Schlagzeilen geben.
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