07.02.13

Drogeriemarktpleite

Schlecker soll offenbar Millionen an Verwalter zahlen

Der Insolvenzverwalter will sich Geld von den Schleckers zurückholen. Er fechtet Vermögensübertragungen an, die in die Insolvenzmasse gehören könnten. Es soll sich um eine Millionensumme handeln.

Foto: dpa

Arndt Geiwitz, der Insolvenzverwalter der insolventen Drogeriekette Schlecker
Arndt Geiwitz, der Insolvenzverwalter der insolventen Drogeriekette Schlecker

Die Familie von Anton Schlecker soll nach Informationen der "Lebensmittelzeitung" rund zehn Millionen Euro an die Insolvenzverwaltung der Ex-Drogeriemarktkette zahlen.

Die Branchenzeitung berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und Familie Schlecker hätten sich im Rahmen von Vermögensanfechtungen bereits mündlich auf diese Summe geeinigt.

Den "Stuttgarter Nachrichten" sagte Geiwitz jedoch: "Wir haben uns noch nicht geeinigt." Es gebe noch "keinen juristisch verwertbaren Vertrag". Dies bestätigt ein Sprecher von Geiwitz am Abend auch auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Der Insolvenzverwalter sagte dem Blatt weiter: "Ich bin auf dem Weg, meine Ansprüche so durchzusetzen, wie ich mir das vorgestellt habe". Die Gläubiger dürfen sich demnach aber wohl keine großen Hoffnungen machen: "Das Geld geht zwar natürlich nicht in meine Kasse, aber große Quotenzahlungen sind dadurch trotzdem nicht zu erwarten", so Geiwitz weiter.

Vermögensübertragungen werden angefochten

Den Gläubigerforderungen von mehr als einer Milliarde Euro wird die bei der Einigung zu holende Summe wohl nicht annähernd entsprechen können. Geiwitz hatte bereits im vergangenen Jahr sogenannte drohende Masseunzulänglichkeit bei Gericht angezeigt.

Dennoch wäre die Einigung ein weiterer großer Meilenstein im Fall Schlecker. Vor gut einem Jahr, als Anton Schlecker Insolvenz anmeldete, hatte seine Tochter Meike Schlecker gesagt, dass kein Geld mehr da sei.

Nach monatelanger Prüfung hatte Geiwitz im Januar bekanntgegeben, dass er Vermögensübertragungen von Anton Schlecker an seine Familienangehörigen anfechten wolle. Geiwitz hatte sich optimistisch gezeigt, noch im Januar einen Vergleich mit der Familie erzielen zu können.

Firmengründer Anton Schlecker haftet im Insolvenzverfahren auch mit seinem gesamten Privatvermögen. Denn er hatte die pleitegegangene Kette als "eingetragener Kaufmann" geführt. Insolvenzverwalter Geiwitz hat die Pflicht, alles zurückzuholen, was Teil der Insolvenzmasse sein könnte – auch mögliche unrechtmäßige Schenkungen an die Familie.

Die Schlecker-Pleite hatte letztendlich rund 25.000 Menschen in Deutschland um ihren Job gebracht. Weiterhin sind viele von ihnen auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle.

Quelle: dpa/cat
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Das Schlecker-Imperium
  • Gründung

    1975 gründet Anton Schlecker die erste Drogerie in Kirchheim/Teck. Er führt seine Firma bis zum Ende als eingetragener Kaufmann.

  • Mitarbeiter

    Zu Bestzeiten beschäftigt Schlecker mehr als 50.000 Mitarbeiter. Im Mitarbeitermagazin rühmt er sich 2006 als „Alleininhaber des größten Drogeriemarktunternehmens der Welt“. 2010 gibt es heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen. Die Schlecker-Pleite kostet etwa 25.000 Menschen den Arbeitsplatz. Von den bundesweit 23.400 arbeitslos gemeldeten Schlecker-Mitarbeitern stehen bisher 9800 wieder in Lohn und Brot. 115 machten sich selbstständig und etwa 2500 meldeten sich aus anderen Gründen ab.

  • Märkte

    Vor der Insolvenz gab es 9000 Schlecker-Märkte im In- und Ausland. Am 27. Juni 2012 klingeln die Kassen ein letztes Mal.

  • Insolvenz

    Lars und Meike Schlecker, die Kinder des Firmengründers, gestanden selbst ein, dass die Insolvenz des einstigen Drogerieimperiums ihres Vaters auch das Ergebnis unternehmerischer Fehlentscheidungen war. Das sehen Experten auch so. Anton Schlecker hatte über Jahre schier endlos expandiert ohne die Unternehmensführung der Zeit anzupassen.

  • Fehler

    Ob Produktsortimente, Preise, Marketing oder die Gestaltung der Schlecker-Märkte – entweder gab es kaum Veränderungen oder sie kamen schlichtweg zu spät, wie Branchenfachleute bemängelten. Schlecker konnte mit der harten Konkurrenz nicht mehr mithalten. Das Unternehmen kämpfte in den vergangenen Jahren immer mehr mit Umsatzeinbußen und schrieb schließlich nur noch rote Zahlen. dpa

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