07.02.13

Äthiopienhilfe

Verschwendung bei "Menschen für Menschen"?

Die Stiftung "Menschen für Menschen", die von Schauspieler Karlheinz Böhm gegründet wurde, wehrt sich gegen den Vorwurf der Verschwendung. Ein teures Bauprojekt hatte im Kuratorium Unmut ausgelöst.

Foto: picture-alliance/ dpa

Der Gründer der Stiftung „Menschen für Menschen“, Karlheinz Böhm, und seine Ehefrau Almaz (hier im Jahr 2008)
Der Gründer der Stiftung "Menschen für Menschen", Karlheinz Böhm, und seine Ehefrau Almaz (hier im Jahr 2008)

Die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" (MfM) hat Vorwürfe wegen mangelnder Transparenz und Verschwendung zurückgewiesen. Frühere Spender, die entsprechende Kritik geäußert hatten, hätten alle zur Entkräftung nötigen Informationen bekommen, sagte die Vorstandschefin der Organisation, Almaz Böhm, Ehefrau von MfM-Gründer Karlheinz Böhm (84). Der frühere Schauspieler Böhm ("Sissi") hatte die Organisation 1981 nach einer TV-Wette in der ZDF-Show "Wetten, dass..?" gegründet.

Ein früherer Spender kritisiert laut "Bild"-Zeitung, Spendengelder hätten für einen zu teuren Büroneubau in Addis Abeba verwendet werden sollen. Die Kosten der von MfM gebauten Schulen seien nicht transparent. Später gingen die Schulen in den Besitz des äthiopischen Staates über, würden ihrem Schicksal überlassen und verfielen.

Almaz Böhm sagte, es sei das Konzept der Stiftung, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Dazu gehöre, dass sich "Menschen für Menschen" nach einer bestimmten Zeit aus den Projektgebieten zurückziehe und Schulen sowie andere Einrichtungen in die Verantwortung der Menschen am Ort übergebe. "Wir wollen nicht durch unsere Hilfe Abhängigkeit schaffen", sagte sie. "Es war schon immer die Philosophie meines Mannes, die Menschen vor Ort in die Projekte unserer Organisation einzubinden, und sie damit auch in die Verantwortung zu nehmen."

Eine externe Überprüfung habe erst kürzlich die auch nach Jahren hohe Qualität der von MfM errichteten Schulen bestätigt. Man könne Schulen auch billiger aus Lehm und Holz bauen. "Das ist nicht das, was wir unter nachhaltig verstehen." Gerade in unwegsamen Gegenden sei es wichtig, dass Gebäude aus Beton und Ziegel gebaut würden und wenigstens einige Jahrzehnte Bestand hätten.

Reduzierung der Baukosten

Auch bei dem geplanten neuen Bürogebäude in Addis Abeba ging es um zu hohe Kosten. Diese seien durch ursprüngliche Bauauflagen der Stadt zustande gekommen, die das Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt habe. Die Summe von 2,1 Millionen Euro sei nun auf 1,1 Millionen Euro reduziert worden, sagte Almaz Böhm.

"Der geplante Bau ist weder zu groß noch werden hier Spendengelder verschwendet." In Addis gebe es 66 Mitarbeiter; die Räume – unter anderem in Containern – reichten nicht, zudem laufe der Mietvertrag Ende 2014 aus. Der Standort sei auch Logistikdrehscheibe, etwa für Fahrzeuge und Güter.

Almaz Böhm unterstrich, alle Informationen seien offen gelegt und alle Vorwürfe, die bereits aus dem vergangenen Jahr stammten, seien widerlegt. MfM trägt seit 1992 das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI). Geschäftsführer Burkhard Wilke sieht keine Zweifel an der Seriosität.

"Die Stiftung "Menschen für Menschen" gehört mit zu den transparentesten Organisationen in Deutschland", sagte er. "Unser Eindruck ist, dass dort rechtzeitig und ausführlich in den zuständigen Gremien die angesprochenen Themen erörtert wurden." Die Kritiker hätten das DZI nicht kontaktiert. Das sei außergewöhnlich. In vielen Fällen wendeten sich Menschen, denen es um Kritik in der Sache gehe, an die DZI Spenderberatung.

Kuratoriumsmitglieder lassen Amt ruhen

Der zweite in "Bild" zitierte frühere Spender, Jürgen Gessner, meldete sich unterdessen auf seiner Homepage zu Wort. MfM bewirke nach wie vor Gutes, auch ohne Karlheinz Böhm. Dessen Erbe solle gut verwaltet werden. "In einem persönlichen Brief an Almaz Böhm hatte ich dazu bereits vor einem Jahr einige Bedenken vorgetragen. Es geht um Sachfragen, über die ich gerne diskutiert hätte – lieber mit den Beteiligten, als in der Öffentlichkeit."

Mehrere Kuratoriumsmitglieder, unter ihnen die Autorin und Böhm-Biografin Beate Wedekind, lassen ihren Sitz im Kuratorium derzeit ruhen. "Es gibt Vorwürfe, die entkräftet werden müssen. Ich denke, dass das bald passieren wird", sagte Wedekind. "Davon unabhängig schätze ich die Arbeit von "Menschen für Menschen" in Äthiopien sehr."

Karlheinz Böhm selbst ist seit Frühjahr 2011 nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. Zur Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen seiner Stiftung im November 2011 übergab er die Leitung an seine Frau Almaz, nahm aber an der Gala aus gesundheitlichen Gründen nicht teil. Almaz Böhm sagte, der 84-Jährige habe sie gebeten, sie solle ihn schützen, wenn es ihm nicht gut gehe. "Er möchte, dass die Öffentlichkeit ihn so in Erinnerung behält, wie er früher war, nicht alt und gebrechlich. Ich respektiere seine Entscheidung."

Quelle: dpa/kami
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