07.02.13

Mexiko

Angeblich Neunjährige bringt Tochter zur Welt

Ein möglicherweise erst neun Jahre altes Mädchen soll in Mexiko ein Kind bekommen haben. Ein 17-Jähriger wird als Kindsvater gesucht. Die junge Mutter Dafne berichtet von einer Liebesbeziehung.

Von Laura Waßermann
Foto: AFP

Die angeblich erst neun Jahre alte Dafne hat in diesem Krankenhaus entbunden
Dafne hat in diesem Krankenhaus entbunden

In Mexiko soll ein angeblich erst neun Jahre altes Kind Mutter geworden sein: Das Mädchen – bislang nur unter dem Namen Dafne bekannt – brachte nach Angaben der Behörden und des zuständigen Krankenhauses im mexikanischen Bundesstaates Jalisco am 27. Januar eine Tochter zur Welt.

Der Klinikdirektor Enrique Rabago Solorio bestätigte auf einer Pressekonferenz, dass Mutter und Kind die Geburt gut überstanden hätten. Bei ihrer Einlieferung habe sich das medizinische Team allerdings nach kurzer Überlegung gegen eine normale Geburt entschieden.

"Aufgrund ihres Alters und der Tatsache, dass ihr Körper noch nicht bereit war für eine Geburt, hielt das Team einen Kaiserschnitt für die beste Option", sagte Solorio dem TV-Sender "ABC". Das weibliche Neugeborene, dessen Name nicht bekannt ist, wog den Angaben zufolge 2,7 Kilogramm und war bei der Geburt 50 Zentimeter groß.

Vergewaltigung oder Liebesbeziehung?

Nach der Geburt, die weltweit schockierte, stellt sich natürlich die Frage, wie es dazu kommen konnte. Als Kindsvater wird ein 17-Jähriger vermutet, nach dem die Behörden fahnden. Die Staatsanwaltschaft schließt "eine mögliche Vergewaltigung, beziehungsweise sexuelle Misshandlung" nicht aus, berichten spanische Medien. Notfalls werde die Fahndung auch auf ganz Mexiko ausgeweitet, heißt es.

Dafne selbst berichtet dagegen von einer Liebesbeziehung mit dem 17-Jährigen. Die Behörden jedoch sind skeptisch. "Wegen des jungen Alters wissen wir nicht, ob Dafne völlig glaubwürdig ist", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Jalisco, Lino Gonzalez Corona. Mehr Klarheit sollen die weiteren Ermittlungen bringen.

Unklar ist zudem, ob Dafnes Altersangabe überhaupt stimmt. Die Staatsanwaltschaft will nicht ausschließen, dass ihre Papieren nicht stimmen. Ein Indiz: Die Dokumente, die sie dabei gehabt habe, seien erst vor ein oder zwei Jahren ausgestellt worden seien, heißt es. Möglicherweise sei Dafnes Geburtsjahr falsch eingetragen worden. Das Mädchen könnte somit auch wesentlich älter sein als bisher angenommen, eventuell sogar schon 14 oder 15 Jahre alt.

Die Dokumente der jungen Mutter wurden den Angaben zufolge erst beantragt, als ein Nachbar eine Anzeige erstattete, weil das Mädchen nicht zur Schule ging. Es wurde schließlich in die zweiten Klasse eingeschult, kurze Zeit später verließ es aber den Unterricht.

Aus medizinischer Sicht denkbar sei die Schwangerschaft eines Kindes – Dafne wäre nach bisherigen Annahmen acht Jahre alt gewesen, als die schwanger wurde – allerdings schon, sagte Frank Louwen, Leiter der Geburtshilfe und Pränatalmedizin an der Frankfurter Uniklinik:

"Für uns ist das extrem ungewöhnlich, in Süd- und Mittelamerika sind Jugendschwangerschaften nicht ganz so selten. Im Schnitt bekommen die Mädchen dort deutlich früher ihre erste Menstruationsblutung und sind dementsprechend auch hormonell eher in der Lage, schwanger zu werden".

Flucht in Panik?

Klarheit sollen die kommenden Gespräche mit der jungen Mutter und ihrer Familie bringen. In einer ersten Aussage habe das Mädchen berichtet, sie und der Kindsvater hätten sich einige Zeit lang getroffen. Als sie ihre Schwangerschaft bemerkte, sei sie bereits im siebten Monat gewesen – zu spät für eine Abtreibung.

Der Kindsvater soll ihr daraufhin vorgeschlagen haben, mit ihr zusammenzuziehen und für das Kind zu sorgen. Dafne habe dies aber abgelehnt. Danach zerbrach die Beziehung offenbar. Ihr Freund habe sich schließlich "vor zwei Monaten dazu entschieden, die Stadt zu verlassen", berichtete Corona weiter. Es ist möglich, dass er in dieser Extremsituation angesichts der bevorstehenden Geburt in Panik geraten sei und keinen anderen Ausweg als die Flucht sah.

Dafne stammt aus einem ärmlichen Dorf Ixtlahuacan de los Membrillos, etwa 30 Kilometer südlich Guadalajara, der Provinzhauptstadt im mexikanischen Hochland. Sie ist eines von elf Kindern. Die lokale Zeitung "Mural" beschreibt die meisten Häuser der verarmten Wohngegend als einstöckig und ohne Fenster, die Mauern voller Graffiti. "Ihre Eltern arbeiten den ganzen Tag und haben sich nicht um sie gekümmert", berichtet Staatsanwalt Corona weiter, "daher haben sie nicht gemerkt, was vor sich ging".

Die Ärzte nehmen bei Dafne in den kommenden Tagen Nachuntersuchungen vor. Kurz nach der Geburt habe der Chefarzt der gynäkologischen Abteilung Raymundo Serrano bei seiner Patientin bereits ein Verhütungsimplantat eingesetzt, damit es zu einer weiteren Schwangerschaft in nächster Zeit kommt.

Jüngste Mutter der Welt erst fünf

Sollte sich das Alter von Dafne bestätigen, wäre sie übrigens mit neun Jahren noch immer nicht die jüngste Mutter der Welt. Als diese gilt die fünfjährige Lina Vanessa Medina im Jahr 1939. Belege für das genaue Alter gibt es nicht. Möglicherweise war sie zum Zeitpunkt ihrer Geburt aber auch schon achteinhalb Jahre alt.

Gewiss ist nur, dass sie ihren ersten Sohn Gerardo am 14. Mai 1939 per Kaiserschnitt zur Welt brachte. Der Junge wog 2700 Gramm und war normal entwickelt.

Linas Vater wurde mit Verdacht auf Vergewaltigung und Inzest verhaftet, aus Mangel an Beweisen allerdings aus der Haft entlassen. Gerardo erfuhr erst im Alter von zehn Jahren, dass Lina seine Mutter ist. Bis dahin nahm er an, sie sei seine Schwester.

Quelle: mit dpa
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