07.02.13

Tierwelt

Magnetische Landkarte weist Rotlachsen den Weg

Wenn Rotlachse zum Laichen an ihre Geburtsorte zurückkehren, ist das eine lange und strapaziöse Reise. Forscher haben herausgefunden: Die Fische orientieren sich dabei am Magnetfeld ihrer Heimat.

Foto: dpa / Current Biology

Rotlachse schwimmen bis zu 2000 Kilometer, um an ihre Geburtsorte im kanadischen British Columbia zurückzukehren. Ähnlich wie Schildkröten orientieren sie sich dabei an den Magnetfeldern ihrer Heimat
Rotlachse schwimmen bis zu 2000 Kilometer, um an ihre Geburtsorte im kanadischen British Columbia zurückzukehren. Ähnlich wie Schildkröten orientieren sie sich dabei an den Magnetfeldern ihrer Heimat

Rotlachse finden mit Hilfe einer magnetischen Landkarte in ihre Heimat zurück. Das berichten Biologen aus den USA und Kanada in der Fachzeitschrift "Current Biology". Die Wissenschaftler hatten die Heimweg-Routen der Fische aus fast 60 Jahren analysiert und diese Daten mit dem magnetischen Feld an verschiedenen Küstengebieten verglichen.

Rotlachse sind besonders wichtig für die Fisch-Industrie. Sie gehören zu den Pazifiklachsen. Die Orientierung am Erdmagnet-Feld ist bereits von anderen Tierarten bekannt, etwa von Meeresschildkröten.

Das Team um Nathan Putman von der amerikanischen Oregon State University untersuchte Rotlachse (Oncorhynchus nerka) aus dem Fraser-Fluss in der kanadischen Provinz British Columbia. Diese Fische schwimmen mitunter bis zum Golf von Alaska, der fast 2000 Kilometer von ihrem Geburtsort entfernt ist.

Welchen Weg nehmen?

Wenn die Rotlachse nach zwei Jahren auf See geschlechtsreif sind und zum Laichen zu ihrer Geburtsstätte zurückschwimmen, dann gibt es ein Problem: Vor der Fraser-Flussmündung liegt Vancouver Island, eine Insel, die etwa 450 Kilometer lang und rund 100 Kilometer breit ist. Die Fische müssten Putman zufolge entscheiden – benutzen sie für ihren Umweg den nördlichen Zugang durch die Königin-Charlotte-Straße oder den südlichen Zugang durch die Straße von Juan de Fuca?

Also analysierten die Biologen die Jahresberichte der Pacific Salmon Commission von 1953 bis 2008. So fanden sie heraus, wie viele Rotlachse die Nordroute passiert hatten. Daraus berechneten sie, wie viele Tiere die andere Route nahmen.

Außerdem bestimmten die Forscher für die Untersuchungsjahre das magnetische Feld an drei Orten: an der Fraser-Flussmündung sowie an den Stellen, wo die Königin-Charlotte-Straße und die Straße von Juan de Fuca in den Pazifik übergehen.

Das Ergebnis: Je weniger sich die Stärke des Magnetfelds an der Flussmündung von jener an der Königin-Charlotte-Straße unterschied, desto beliebter war der Nordrouten-Umweg.

Umgekehrt bevorzugten die Rotlachse die Südroute durch die Straße von Juan de Foca, wenn das Magnetfeld im Süden von Vancouver Island ähnlich stark war wie an der Flussmündung. Die Unterschiede in der Stärke kämen zustande, weil das Erdmagnetfeld nicht konstant ist, sondern sich mit der Zeit ändert. Geo-Wissenschaftler nennen dieses Phänomen Säkular-Variation.

Magnetfeld-Stärke bestimmt Wanderweg

Außerdem stellten die Biologen fest: In den Jahren, in denen das Wasser an der Oberfläche wärmer war als sonst, nutzten mehr Rotlachse die Nord-Passage als erwartet. Die Forscher vermuten: Die Magnetfeld-Stärke ist verantwortlich für die größeren Trends über mehrere Jahrzehnte, während die Wasseroberflächen-Temperatur eher von Jahr zu Jahr die Wahl beeinflusst.

Beide Faktoren zusammen erklärten zu zwei Dritteln, wie sich die heimkehrenden Rotlachse auf die Nord- und die Südroute aufteilen. Die Experten wissen aber noch nicht, wie die magnetische Karte in den Lachsen aufgebaut ist.

Quelle: dpa/afr
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