07.02.13

"Star Wars"

Yoda-Schöpfer Stuart Freeborn mit 98 gestorben

Er schuf "Yoda", "Chewbacca" und "Jabba the Hutt": Stuart Freeborn gestaltete einige der bekanntesten Figuren der Filmgeschichte. Nun ist der Vater der modernen Maskenbildnerei gestorben.

Foto: picture-alliance/ obs

Yoda, der Jedi-Meister aus „Star Wars“, ist die wohl bekannteste Figur, die von Stuart Freeborn geschaffen wurde. Im „Angriff der Klonkrieger“ zeigt sich Yoda mit dem Lichtschwert kämpferisch,...

6 Bilder

Wer weiß, wie der weise Yoda, der riesige Chewbacca und der schwabblige Kredit-Hai Jabba the Hutt ohne ihn ausgesehen hätten? Stuart Freeborn schuf mit den Figuren aus den "Star Wars"-Filmen einige der bekanntesten Charaktere der Filmgeschichte. Nun ist der britische Maskenbildner-Pionier 98-jährig verstorben.

In einem Stellungnahme würdigte die "Star Wars" Produktionsfirma "Lucasfilm" Freeborns Werk als "unvergessliches Erbe". Der Erschaffer der Filmreihe, George Lucas, sagte, Freeborn sei bereits eine "Maskenbildner-Legende" gewesen, als er anfing an dem Sternen-Epos mitzuwirken: "Er brachte nicht nur Jahrzehnte an Erfahrung sondern auch grenzenlose kreative Energie mit. Seine Kunst und sein Handwerk werden für immer in seinen Figuren weiterleben. Seine Kreaturen werden vielleicht von künftigen Generationen neu interpretiert werden. Aber in ihren Herzen führen sie das fort, was Stuart für die Originalfilme geschaffen hat".

Wie Stuart Freeborns Enkelin, Michelle Freeborn, mitteilte, starb er bereits am Dienstag in London an Altersschwäche. Das berichtet der britische "Guardian". "Er war wie ein Held für mich", so die Enkelin weiter: "Er gab Dir das Gefühl, dass, wenn Du etwas erreichen willst, es anpacken und niemals Entschuldigungen suchen solltest. Er genoss das Leben und die erstaunliche Welt, in der wir Leben." In seiner sechs Jahrzehnte andauernden Karriere gestaltete Stuart Freeborn auch Puppen und Masken für zahlreiche Klassiker wie "2001 – Odyssee im Weltraum", "Oliver Twist" und "Superman".

Filmlegende statt Versicherungsagent

Im Jahr 1914 in Ost-London als Sohn eines Versicherungsmaklers geboren, widerstand Freeborn dem Druck seines Vaters, in dessen Fußstapfen zu treten. In einer "BBC"-Dokumentation aus dem Jahr 2012 erzählte er: "Ich wollte mein Leben nicht in einem Büro verbringen. Ich fühlte, dass ich anders war." So begann er seine Karriere schon in den 1930er-Jahren, als er mit dem in Ungarn geborenen Regisseur Alexander Korda zusammenarbeitete und seine Maskenbildner-Fähigkeiten an Stars wie Marlene Dietrich verfeinerte.

Nach seinem Dienst als Kampfpilot bei der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg, bei dem er aufgrund eines Trainingsunfalls und seiner Bluterkrankheit fast umkam, arbeitete Freeborn an vielen britischen Film-Klassikern mit. Bei David Leans Version von "Oliver Twist" aus dem Jahr 1948 war er auch für die maskenbildnerische Verwandlung von Alec Guiness in den Juden Fagin verantwortlich, dem er eine große Hakennase, starke Gesichtsbehaarung und schwere Augenlider verpasste. Das wurde von manchen als antisemitisch kritisiert, was Freeborn bekümmerte. Er antwortete darauf, dass er selbst teils jüdischer Herkunft gewesen sei.

Am meisten wird Stuart Freeborn für seine Arbeit an den "Star Wars"-Figuren erinnert werden. Laut Irvin Kershner, der bei "Das Imperium schlägt zurück" Regie führte, hatte sich der Maskenbildner selbst in Yoda verwirklicht: "Die wissbegierigen, schelmischen, elfenhaften Gesichtszüge des Jedi-Meisters hatten mehr als nur eine flüchtige Ähnlichkeit mit Freeborn selbst". Dabei soll auch das Gesicht Albert Einsteins für Yoda Modell gestanden haben. Und bei seiner riesigen, schwabbeligen, bösartigen Figur Jabba the Hutt mussten, als die Computertechnik noch nicht fortgeschritten war, drei Puppenspieler gleichzeitig in die Verkleidung steigen.

Das Talent erkannt

Dem "BBC" berichtete Freeborn auch, wie es war, als der junge George Lucas das erste mal mit dem ersten "Star Wars"-Drehbuch auf ihn zukam. "Es war ihm so ernst damit, dass ich dachte, nun, so jung er auch sein mag, ich glaube an ihn, er hat etwas Besonderes. Ich werde für ihn alles tun, was ich kann." Freeborn sollte recht mit dieser Einschätzung behalten.

Derweil geht der Hype um die von ihm miterschaffenen Figuren weiter. Denn neben den kürzlich von Disney angekündigten drei neuen "Star Wars"-Teilen, die in den nächsten acht Jahren in die Kinos kommen sollen, soll es bald auch eigene, so genannte Spin-Off-Filme einzelner "Star Wars"-Charaktere geben. Ob eine von Stuart Freeborns Figuren einen solchen Extrafilm bekommen soll, ist aber noch nicht bekannt. Und ob ein filmfüllender Superhelden-Yoda mit schwingendem Jedi-Schwert im Sinne seiner Erfinder wäre, ist fraglich. Denn auch George Lucas hat keinen Einfluss mehr darauf, er verkaufte sein Film-Imperium im Oktober vergangenen Jahres für vier Milliarden Dollar an Disney.

Neben Michelle hinterlässt Freeborn sieben weitere Enkel und zahlreiche Urenkel. Von vielen wird er als der Großvater der modernen Maskenbildnerei gesehen.

Quelle: tb
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