07.02.13

Karnevalskostüme

Kostümkauf ist eine Wissenschaft für sich

Bekannt ist, dass Karneval in den rheinischen Hochburgen eine ernste Sache sein kann. Weniger bekannt ist, dass dort auch der Kostümkauf eine Wissenschaft für sich ist. Man muss wissen, was man sucht.

Foto: dpa

Die Auswahl in Kostümgeschäften ist riesig – Kunden sollten wissen, was sie wollen, oder das Personal um Rat bitten
Die Auswahl in Kostümgeschäften ist riesig – Kunden sollten wissen, was sie wollen, oder das Personal um Rat bitten

Christoph Driessen

Es ist mit das Erste, was Zugezogenen in Köln auffällt: Die vielen Kostümgeschäfte haben nicht nur vor Karneval geöffnet, sondern ganzjährig. Der Rheinländer nutzt nämlich auch viele andere Gelegenheiten zum Verkleiden. Dazu gehören Beachclub-Partys, Oktoberfeste, Nikolaus-Feiern oder Halloween.

Das Verkleiden ist eine durchaus ernsthafte Angelegenheit. Im Geschäft wird jedenfalls selten gelacht. Und trotz des riesigen Sortiments bekommt man nicht immer gleich das, was man sucht.

Hier eine Begebenheit aus einem Kostümhaus in der Kölner Innenstadt: Der Kunde betritt den Laden und fragt nach Vampirzähnen. Die Verkäuferin ruft nach hinten: "Ingo, kommst du mal! Der Herr sucht Vampirzähne." Ingo schlurft heran. Es entspinnt sich folgender Dialog:

Ingo: "Da haben wir einzelne Zähne und ganze Brücken. Die muss man mit Klebemasse einsetzen." Kunde: "Klebemasse?" Ingo: "Zweikomponentensilikon. Hatten Sie mal eine Zahnspange?" Kunde: "Wieso?" Ingo: "Wenn man die bekommt, hat man doch auch den Mund voll mit so einer Abdruckmasse. So ähnlich." Kunde: "Das kann nicht angenehm sein." Ingo: "Es ist gewöhnungsbedürftig."

Kostüme nach Fachabteilung sortiert

Interessant ist, dass die Kostüme nach Fachabteilungen geordnet sind. Erbittet der Kunde zum Beispiel eine Glatze, kann es sein, dass er zu Regalen mit Monsterköpfen und abgeschlagenen Händen geführt wird und dann eine ziemlich eklige Glatze mit verfilztem Haaransatz gereicht bekommt.

Fragt er daraufhin, ob das Geschäft auch Glatzen ohne Haare führe, kann es sein, dass er die Antwort erhält: "Ja, aber die sehen nicht besonders echt aus. Ganz ohne Haare ist außerdem eine andere Abteilung. Das fällt unter Scherzartikel." Aha! Glatzen ohne Haare sind Scherzartikel, Glatzen mit Randbehaarung Schreckartikel.

Eins darf an dieser Stelle nicht verschwiegen werden: Vor allem die Requisiten, die man zu den Kostümen ersteht, sind großteils von erschreckend minderwertiger Qualität. Was ist zum Beispiel von einem Bart zu halten, der weder Klebestellen noch Gummiband aufweist, den man also schlichtweg nicht befestigen kann? Cowboy-Gewehre sollte man immer testen – sehr oft lässt sich das Patronenmagazin nicht öffnen. Spätestens beim zweiten Waffenkauf weiß man so etwas.

"Fabriksware" ist bei den Kölner Jecken verpönt

Unter echten Kölner Jecken sind gekaufte Kostüme übrigens verpönt. Undenkbar wäre es auf jeden Fall, in einem gekauften Kostüm – Jargon: "in Fabriksware" – in einem der Züge mitzulaufen. Das muss immer selbst gemacht sein. Wobei hier für Neu-Kölner das nächste Fettnäpfchen lauert. Merke: Leute, die schon länger in der Stadt wohnen – von gebürtigen Kölnern ganz zu schweigen – haben völlig andere Vorstellungen von dem Aufwand, der zur Herstellung eines akzeptablen Kostüms erforderlich ist.

Wenn im Sommer das Thermometer steigt, sitzen sie auf der Terrasse und schneidern schon für die nächste Session. Wenn man sich solchen Leuten am Morgen des Karnevalssonntags in etwas Zusammengefriemeltem präsentiert ("Hauptsache ist doch, wir haben Spaß"), dann wird man die Erfahrung machen, dass es auch mitten im Kölner Karneval plötzlich sehr still werden kann.

Quelle: dpa
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