07.02.13

New York

Gefängniswärterin bekommt Kind von Todeskandidat

Eine Wärterin eines New Yorker Gefängnisses hat sich auf eine Beziehung mit einem Insassen eingelassen, er hatte zwei Polizisten ermordet. Nun drohen der Wärterin selbst 15 Jahre hinter Gittern.

Von Michael Remke
Foto: picture alliance / landov

Nancy Gonzalez muss sich vor Gericht für ihre Affäre mit einem Häftling verantworten, von dem sie ein Kind erwartet
Nancy Gonzalez muss sich vor Gericht für ihre Affäre mit einem Häftling verantworten, von dem sie ein Kind erwartet

Wer am Metropolitan Detention Center im New Yorker Stadtteil Brooklyn vorbeifährt, denkt erst einmal nicht an ein Gefängnis. Der über zehn Stockwerke hohe graue Betonblock erinnert mehr an ein geschmackloses Hotel in gotischem Stil oder an ein Mahnmal städtebaulicher Fehlplanungen aus den 90er-Jahren.

Selbst die üblichen Gefängnisgitter vor den Fenstern fehlen. Sie wurden durch rötlich-braune Sichtblenden ersetzt. Einzig die zahlreichen Polizeiwagen vor dem Schandfleck weisen darauf hin, was hinter der Fassade wirklich steckt – ein Hochsicherheitstrakt für 960 Kriminelle.

Das Bundesgefängnis ist Schauplatz eines Sexskandals, der New York in Atem hält. Die Wärterin Nancy Gonzalez hatte hinter den Mauern der Haftanstalt über mehrere Monate eine Affäre mit einem zweifachen Polizistenmörder. Die 29 Jahre alte Aufpasserin ist im achten Monat schwanger. Sie wurde verhaftet, mittlerweile aber wieder auf Kaution freigelassen.

Zwei Polizisten auf der Stelle tot

Eine Affäre zwischen Wärter und Insasse wird von der Staatsanwaltschaft als "sexueller Missbrauch" verfolgt. Bei einer Verurteilung droht Gonzalez eine vom Gesetz festgelegte automatische Strafe von 15 Jahren.

"Ich habe mich so einsam gefühlt", versuchte die weinende Gonzalez diese Woche ihre Affäre bei einer Anhörung vor Gericht zu rechtfertigen. "Ich wollte doch einfach nur geliebt werden. Deshalb habe ich mich auf ihn eingelassen. Und jetzt trage ich ein Baby von ihm in mir."

Der Vater des Babys ist der 30-jährige Ronell Wilson, der vor fast genau neun Jahren auf den Rücksitz einer Polizeizivilstreife gesprungen war und zwei Undercover-Agenten mit Kopfschüssen wie bei einer Hinrichtung getötet hatte. Die Polizisten James Nemorin und Rodney Andrews waren auf der Stelle tot.

Ein Gericht in New York verurteilte Wilson 2007 zum Tode durch die Giftspritze. Eine Höchststrafe, die in New York nach der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 aber bisher nicht mehr vollzogen wurde. Der letzte Todeskandidat, Eddie Mays, wurde 1963 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.

"Ein Baby, bevor sie mich hinrichten"

Die Pflichtverteidiger von Wilson gingen nach dem Urteil in Berufung und begründeten ihren Einspruch mit dem "geringen Intelligenzquotienten" ihres Mandanten. Todeskandidaten müssen in den USA per Gesetz das Urteil und den Vollzug verstehen und bewusst mitbekommen. Falls das Gericht die Todesstrafe nicht bestätigt, wird das Urteil in eine lebenslange Haftstrafe ohne Aussicht auf Bewährung umgewandelt.

Wilson selbst hatte während des Prozesses einen Brief an einen anderen Insassen geschickt. Darin schrieb er von seinem Wunsch, der "Welt ein Kind zu geben". "Ich will noch ein Baby, bevor sie mich hinrichten. Ich muss wenigstens etwas von mir zurücklassen." Die Behörden glauben, dass Wilson durch eine Vaterschaft auch seine Todesstrafe verhindern wollte.

Die Affäre zwischen Gonzalez und Wilson begann laut Gerichtsakten bereits im März 2012. Sie ging erst zu Ende, als der Doppelmörder im August in ein anderes Gefängnis verlegt wurde.

"Immer wieder geküsst und umarmt"

"Ich wollte ihm wieder Hoffnung geben", sagt Gonzalez, die die Schwangerschaft offenbar bewusst in Kauf genommen hatte. "Ein Baby wäre etwas gewesen, an was er glauben konnte."

Den Fall ins Rollen brachten andere Insassen, die den Behörden die Liebesbeziehung verrieten.

"Vor allem während der Nachtschicht von Gonzalez hätten sich die beiden immer wieder getroffen", heißt es laut Aussagen der Gefangenen in den Gerichtsakten. Während die anderen in verschlossenen Zellen saßen, sollen sich Gonzalez und Wilson auch "in der Küche oder im Aufenthaltsraum" geliebt haben.

Sie hätten sich "immer wieder geküsst und umarmt" und seien des Öfteren "für Minuten in der Zelle von Wilson verschwunden". Es soll von den nächtlichen Liebeleien auch "Videoaufzeichnungen von Überwachungskameras" geben.

Liebe "an sehr ungewöhnlichen Plätzen"

"Ihr Leben ist eine Tragödie", verteidigt Anwalt Anthony Ricco Gonzalez. In einem Prozess werde das Gericht viele Einzelheiten darüber erfahren. "Menschen können Liebe an sehr ungewöhnlichen Plätzen erleben", sagt Ricco. "Meine Mandantin hat sie im Gefängnis gefunden."

Dabei soll Gonzalez bereits einen Freund hinter Gittern haben. Dieser sitzt in einer anderen New Yorker Haftanstalt. Der namentlich nicht genannte Lebenspartner hat gegenüber den Behörden gesagt, dass "er und seine Freundin nach seiner Entlassung gemeinsam für das Baby sorgen wollen".

Gonzalez hatte die Affäre mit Wilson ihrem Freund schon zu Beginn der Schwangerschaft gebeichtet. Das belegen Telefonate, die die Polizei nach dem ersten Hinweis einer Affäre von der Wärterin mitgeschnitten hatte. Auch die Mutter von Wilson wusste Bescheid. Ihr hatte Gonzalez ein Ultraschallbild des Babys geschickt.

"Ich weiß, was die Leute über mich und mein Baby sagen werden", erklärte Wärterin Nancy Gonzalez bei ihrer Gerichtsanhörung. "Ich weiß auch, wie schwer es für mich später sein wird, meinem Kind zu erklären, dass sein Vater zwei Polizisten ermordet hat."

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