06.02.13

FDP-Spitzenkandidat

Fremdgehportal nutzt Brüderle als Werbeträger

"Diskreter und anonymer als jede Hotelbar" – dieser Spruch ziert ein Foto von Rainer Brüderle, der nun ausgerechnet einer Seitensprungagentur als Werbeträger dient. Unfreiwillig, aber doch komisch.

Quelle: Reuters
06.02.13 1:38 min.
Mit einem Foto von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wirbt derzeit eine Seitensprung-Agentur in Berlin - ohne ihn gefragt zu haben. "Diskreter und anonymer als jede Hotelbar", lautet der Slogan.

Das Lächeln ist freundlich, die Überschrift macht es pikant: Rainer Brüderle hält sich den Zeigefinger vor die Lippen, über seinem Konterfei prangt der Spruch "Diskreter und anonymer als jede Hotelbar". Das sitzt.

Mit diesem Plakat wirbt das Fremdgehportal "Ashley Madison" um neue, untreue Kunden. 120 Quadratmeter groß, unweit des Berliner Bahnhofs Zoo hängt der zweideutig grinsende FDP-Spitzenkandidat seit dieser Woche an einer Häuserwand.

Bislang hat sich Brüderle zu der Aktion wie auch zu der Sexismus-Debatte, deren Auslöser er durch die Belästigungsvorwürfe der Stern-Reporterin Laura Himmelreich wurde, nicht geäußert. Klüger wäre es wahrscheinlich auch, er würde das weiterhin nicht tun. Denn Politiker haben selten eine Chance gegen Werbetexter, die sich von staatlichen wie privaten Affären und Affärchen gerne für neue Slogan inspirieren lassen.

17 Millionen User weltweit

Das Werbebanner mit Bezug auf Brüderles angeblichen Lapsus zur späten, weinseligen Stunde an einer Hotelbar hat skandalumwitterte Vorgänger. Nachdem eine außereheliche Affäre von Horst Seehofer bekannt geworden war, warb "Ashley Madison" 2011 mit seinem Foto.

Die Agentur veröffentlichte damals ein Bild des CSU-Vorsitzenden in einer Reihe mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton (Affäre mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky) und Schauspieler sowie früherem Gouverneur von Kalifornien Arnold Schwarzenegger (Affäre mit seiner Haushälterin). "Was haben diese drei Männer gemeinsam?" fragte die Agentur. Die werbeträchtige Antwort: "Sie hätten besser Ashley Madison nutzen sollen."

Das Fremdgehportal hat nach eigener Aussage angeblich mehr als 17 Millionen Nutzer weltweit. Auch im Ausland setzte die Agentur bereits prominente Staatsmänner als unfreiwillige Werbeträger ein: in Großbritannien Prinz Charles und in Italien Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi. In beiden Ländern ging man jedoch offenbar gegen die Aktion vor – dort wurden die Plakate schnell wieder entfernt.

"In Deutschland rechnen wir damit eigentlich nicht", sagte ein Unternehmenssprecher dem Portal "Meedia". Schon anlässlich der Seehofer-Werbung hatte sich der Agentur-Gründer Noel Biderman selbstsicher geäußert: "Gute Werbung ist kontroverse Werbung." Seehofer hatte damals keine rechtlichen Schritte eingeleitet.

Forderungen nach Schadensersatz

Oskar Lafontaine jedoch ist schon einmal gegen eine Werbung vor den Bundesgerichtshof (BGH) gezogen. Er hatte von dem Autovermieter Sixt sein Fett wegbekommen, als dieser 1999 ein Foto aller Kabinettsmitglieder veröffentlicht hatte, auf dem Lafontaine durchgestrichen war. Der Slogan dazu: "Sixt verleast auch Autos für Mitarbeiter in der Probezeit." Lafontaine war damals aus dem Kabinett ausgeschieden. 100.000 Euro forderte der Politiker von Sixt, verlor aber den Prozess.

Eine gerichtliche Niederlage musste auch Ernst August von Hannover einstecken. Eine Werbung für die Zigarettenmarke Lucky Strike hatte das oftmals als cholerisch bezeichnete Naturell des "Prügelprinzen" auf die Schippe genommen: Das Foto einer zerknüllten Zigarettenschachtel überschrieben Werber mit dem Satz "War das Ernst? Oder August?". Das falle unter die Meinungsfreiheit befand der BGH 2008. Der Prinz hatte 60.000 Euro Entschädigung von der Firma American Tobacco gefordert.

Neben dem befürchteten rechtlichen Misserfolg müssen unfreiwillige Werbeträger auch die Negativfolgen für ihr Image abwägen, wenn ein ironisierter Skandal vor Gericht noch einmal durchgekaut wird. Wie "Ashley Madison" verlauten ließ, handele es sich bei dem Brüderle-Plakat um eine Einzelaktion. Ob das mögliche Klagegedanken beschwichtigen soll?

Dass das Plakat nur an einer einzigen Stelle in Deutschland "in echt" zu sehen ist, dürfte Rainer Brüderle jedenfalls nicht beschwichtigen. Denn das Werbefoto zieht seine Kreise schon längst in den sozialen Netzwerken.

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