05.02.13

Kettenmail

Schräger Internetschwindel macht Autofahrern Angst

Im Netz kursiert eine falsche Warnung vor Autodieben. Sie sollen Fahrer mit Zetteln auf der Heckscheibe aus dem Wagen locken und sich selbst ans Steuer setzen. Absender soll ein Kommissar sein.

Foto: picture alliance / dpa

Nanu, was ist denn das da an der Scheibe? Ein Strafzettel? Eine Kleinanzeige? In dieser Geschichte nichts von beidem, sondern nur ein Internet-Gag
Nanu, was ist denn das da an der Scheibe? Ein Strafzettel? Eine Kleinanzeige? Im Internet verbreitet sich eine Warnung über solche Papiere – zu Unrecht

Warum ausgerechnet Claus Heideroth als Absender herhalten muss, darüber lässt sich nur spekulieren. Tatsache ist, dass der Polizeioberkommissar aus dem nordhessischen Fritzlar seit ein paar Tagen ungeahnten Ruhm genießt: In seinem Namen macht eine auf den 29. Januar datierte Mail die Runde, in der vor einem neuen Autodiebstahl-Trick gewarnt wird, der an Dreistigkeit nicht zu überbieten ist.

Gauner seien am Werk, heißt es in der Meldung, freche Ganoven, die Zettel an Heckscheiben kleben. Der KFZ-Halter würde das meist erst in dem Moment entdecken, in dem er während des Rückwärtsfahrens nach hinten blickt. Erstaunt würde er den Wagen bei laufendem Motor und offener Fahrertür verlassen, um sich die Sache mal genauer anzusehen. Ein Strafzettel? Eine geheime Liebesbotschaft?

Diesen Moment der Ahnungslosigkeit aber würden die Autodiebe nutzen. Sie stürzen sich in den offenen Wagen und rasen davon. Meist mit der Geldbörse, den Papieren, dem Hausschlüssel! Es sei nicht auszudenken, was passieren kann. In Frankreich sei die Methode schon weit verbreitet. Jetzt habe diese besondere Form der Kriminalität Deutschland erreicht!

Panik unter deutschen Autofahrern

Kein Wunder, dass der Verfasser nicht nur darum bittet, die Nachricht zu verbreiten, sondern auch warnt: "Wenn Sie einen Zettel auf der Rückseite Ihres Autos bemerken, versperren Sie Ihre Autotüren, starten Sie und fahren Sie weg. Den Zettel entfernen Sie später."

Seitdem die Mail die Runde macht, herrscht Panik unter deutschen Autofahrern. Im Forum der Opel-Astra-Fahrer kursiert die Warnung ebenso wie bei "Polotreff.de". Und auch die Biker, die sich im Netz zur R1-Community zusammen getan haben, warnen vor dem Trick mit dem Zettel auf der Heckscheibe – und das, obwohl die von ihnen bevorzugte Yamaha YZF-R1 gar keine Heckscheibe hat.

Die Online-Zeitung "Gladbacher Tageblatt" meldet die miese Masche ganz offiziell. Da nützt es auch nichts, dass Claus Heideroth kommentiert: "Das ist eine Falschmeldung im Internet."

Mail unter falschem Absender versandt

Tatsächlich ist bisher bundesweit kein Fall bekannt, in dem auf diese Weise ein Auto geklaut wurde. Tatsache ist auch, dass der Polizeioberkommissar Heideroth nicht der Verfasser dieser Mail ist. Tatsache ist, dass es sich bei dieser Meldung um einen "Hoax" handelt, einen dieser zahllosen Schabernacke im Internet. Warnungen an Eltern, dass gewissenlose Dealer die Droge Crystal Meth in Form von Süßigkeiten an Kinder verteilen, gehören ebenso dazu wie die Mail von einem Gespenst namens Freddy, das den Empfängern droht, Unglück über sie zu bringen, falls sie die Mail nicht weiterleiten sollten.

So platt wie die Unglücksmail von Freddy ist die Geschichte mit dem Zettel an der Heckscheibe natürlich nicht. Und bevor sie die deutschen Autofahrer verunsicherte, sind ihr ihr schon im Februar 2004 im englischsprachigen Raum die motorisierten Bürger auf den Leim gegangen. Das ändert nichts daran, dass es ein Rätsel bleibt, warum die deutschen Autobesitzer so gutgläubig sind.

Ein mitten auf die Heckscheibe geklebter Zettel, der fällt sicher in den wenigsten Fällen erst dann auf, wenn man sich beim Zurücksetzen umdreht. Und abgesehen davon, dass der wahre Autor der deutschen Version nicht ganz firm in der neuen Rechtschreibung ist und den Adressaten zwischendurch einfach mal duzt, hätten die Leser schon viel früher über die für eine Polizeimeldung ungewöhnlichen Formulierungen stolpern können.

Spätestens dort, wo hinter der Aussage: "Dies ist die neue Methode für Kfz-Diebstahl" in Klammern steht: "dies ist kein Witz!"

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