05.02.13

Fluggesellschaften

Deutsche Airlines gegen kinderfreie Zonen

Kinder können nerven. Doch darf man sie deswegen aus bestimmten Bereichen in Flugzeugen verbannen? Malaysia findet ja.

Foto: dpa
ARCHIV - Eine Familie betrachtet am Sonntag (03.06.2012) im Flughafen Berlin Tegel auf der Besucherterrasse auf dem Vorfeld stehende Flugzeuge von Air Berlin und Lufthansa. Kinder, insbesondere fremde, können nerven. Doch darf man sie deswegen aus bestimmten Sektionen in Flugzeugen verbannen, wie es einzelne asiatische Airlines tun? Die deutschen Gesellschaften lehnen das ab. Foto: Britta Pedersen/dpa dpa (zu dpa 0420"Kinderlärm im Flugzeug: Deutsche Airlines gegen Tabu-Zonen " am 05.02.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Eine Familie betrachtet am Sonntag (03.06.2012) im Flughafen Berlin Tegel auf der Besucherterrasse auf dem Vorfeld stehende Flugzeuge von Air Berlin und Lufthansa. Kinder, insbesondere fremde, können nerven. Doch darf man sie deswegen aus bestimmten Sektionen in Flugzeugen verbannen, wie es einzelne asiatische Airlines tun? Die deutschen Gesellschaften lehnen das ab. Foto: Britta Pedersen/dpa dpa (zu dpa 0420"Kinderlärm im Flugzeug: Deutsche Airlines gegen Tabu-Zonen " am 05.02.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Streit um Kinderlärm ist von Berliner Szene-Cafés in die Flugzeuge geschwappt. In Asien sperren Fluggesellschaften bestimmte Sitzreihen für Passagiere unter zwölf Jahren, um anderen Gästen gegen Aufpreis eine ruhigere Umgebung anzubieten. Für die deutschen Airlines ist das aber kein Vorbild.

Die vermeintlichen Kinderfeinde kommen aus dem dicht besiedelten Vielvölkerstaat Malaysia. Die dortige Gesellschaft Malaysia Airlines hatte 2011 ihre First Class zur kinderfreien Zone erklärt. Im vergangenen Jahr sperrte sie dann das komplette Oberdeck des Riesenjets Airbus A 380 mit Business- und Economy-Sitzen für die jungen Fluggäste. Die Airline argumentierte, im Hauptdeck gebe es mehr Toiletten, und Familien mit Kindern könnten dort schneller einsteigen.

Fliegen ohne Kindergeschrei

In dieser Woche zog der malaysische Billigflieger Air Asia X, der allerdings nicht mehr nach Europa fliegt, nach: Die ersten sieben Economy-Reihen der Air Asia-Jets sind für Kinder unter zwölf Jahren tabu. Erwachsene, die in der ruhigen Zone sitzen wollen, müssen einen Aufschlag zahlen. Die Airline verspricht "Frieden und Stille" für ein paar Euro und verbannt die Familien in den hinteren Flugzeugteil. In Internet-Foren findet sich neben Empörung auch viel Zustimmung zum "Fliegen ohne Kindergeschrei" und einige Kritik an Eltern, die ihren Nachwuchs nicht im Griff hätten.

Der Hamburger Luftverkehrsexperte Cord Schellenberg sieht im Vorgehen der malaysischen Gesellschaften dennoch keinen globalen Trend. Mindestens in Nordamerika und Europa seien die Gesellschaften sehr sensibel gegen Diskrimierungen, so dass für die Fluggesellschaften keine Möglichkeit bestehe, die mitfliegenden Kinder schlechter zu behandeln als andere Fluggäste. "Ein Großteil der Gäste würde das als sehr unfreundlich empfinden und nicht auf Dauer mit einer solchen Airline fliegen wollen."

Kinder seien während des Fluges sowieso abgelenkt

Die meisten Kinder seien ohnehin gebannt von Bordfilmen oder elektronischem Spielzeug, sagt Schellenberg. "Und das Schreien von Säuglingen, die ja nun wirklich nichts dafür können, muss doch jeder aushalten können." Ohnehin seien angetrunkene Erwachsene viel unangenehmere Mit-Passagiere.

Die deutschen Fluggesellschaften versichern, es gebe auch überhaupt keine Pläne für kinderfreie Zonen. Air Berlin bezeichnet sich selbst als "Airline mit Herz". "Bei uns gibt es keinerlei Überlegungen in diese Richtung", sagt eine Sprecherin. "Wir werden weiterhin ein vielfältiges Angebot für Familien mit Kindern aller Altersstufen anbieten." Auch beim Marktführer Lufthansa gibt es keine Tabu-Zonen für junge Passagiere. "Das ist auch nicht geplant", heißt es in der Frankfurter Zentrale. Konflikte an Bord lassen sich am besten durch gut geschultes Personal vermeiden, ergänzt der Experte Gerald Wissel von Airborne Consulting. "Da ist Augenmaß und Fingerspitzengefühl gefragt."

Quelle: dpa/oje
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