05.02.13

Wahrzeichen

Goldener Bahlsen-Keks taucht wieder auf

Mögliches Happy End im Keks-Drama: "Krümelmonster" hat das Riesen-Gebäckstück wohl wieder zurückgegeben. Nun wird die Echtheit geprüft.

Foto: dpa
Der Keks ist zurück - sogar mit roter Schleife
Der Keks ist zurück - sogar mit roter Schleife

Das Wahrzeichen der Firma Bahlsen – ein goldener Riesenkeks – ist wieder da. Mit einer roten Schleife verziert, hing der Keks am Dienstagmorgen an einer Kette am Niedersachsenpferd-Denkmal vor der Leibniz Uni in Hannover.

Die Polizei bestätigte die Echtheit des entwendeten Wahrzeichens der Firma Bahlsen. Größe, Gewicht und Beschaffenheit stimmten überein. Doch der "Krümelmonster"-Krimi geht weiter, denn bis jetzt konnte kein Tatverdächtiger konnte identifiziert werden.

"Krümelmonster" schickte Bekenner-Brief

Das 100 Jahre alte Kunstwerk war Mitte Januar vom Firmen-Stammhaus verschwunden. Spätestens seit sich das angebliche Krümelmonster eingeschaltet hat, sorgte der Keks-Krimi von Hannover auch international für Schlagzeilen.

Dem ersten Bekennerbrief, der bei der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" am 29. Januar einging, lag ein Foto bei. Es zeigte eine Person in einer Art Krümelmonster-Kostüm, die in einen riesigen goldenen Keks beißt.

Die Forderungen an das Unternehmen hat das "Krümelmonster" in seinem Erpresserbrief eindeutig formuliert. "Ich habe den Keks! Ihr wollt ihn haben", hieß es. Wenn Bahlsen sein Wahrzeichen wiederhaben wolle, solle es alle Stationen im Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover mit Leibniz-Keksen versorgen.

Hierbei bevorzugte der Erpresser nach eigenen Angaben die Vollmilch-Variante. "Nicht die mit schwarzer Schokolade und nicht die ohne Schokolade", heißt es in dem Schreiben. Überdies soll die zur Ermittlung des Täters ausgesetzte Belohnung von 1000 Euro an ein Tierheim gespendet werden.

Bahlsen: "Wir lassen uns nicht erpressen"

Der Schreiber des Briefes unterstrich die Ernsthaftigkeit seiner Forderung. "Also hoffentlich habt ihr den Keks so lieb wie ich und wollt deshalb großzügig sein. (...) Sonst kommt der zu Oskar in die Mülltonne wirklich", hieß es weiter.

Unternehmenschef Werner M. Bahlsen wollte auf die Forderung nicht eingehen. Er beteuerte: "Wir lassen uns nicht erpressen", und appellierte an die Täter: "Wir wollen den Keks zurückhaben. Dieser Keks ist für unser Haus ein Symbol. Er ist auch wichtig für Hannover."

Am 31. Januar hatte Bahlsen allerdings eine Spende von Tauenden Kekspackungen versprochen, sollte der vergoldete Leibniz Keks wieder auftauchen.

Auf dem Online-Netzwerk Facebook teilte der Unternehmenschef mit: "Liebes Krümelmonster, wie dir sicherlich bekannt ist, engagiert sich das Unternehmen Bahlsen bereits seit Jahrzehnten in vielfältiger Weise im sozialen Bereich. Wir versprechen unseren Fans: Bahlsen spendet 52.000 Packungen Leibniz Kekse an 52 soziale Einrichtungen, wenn du uns unseren goldenen Keks wieder zurückbringst."

Am Montag hatte der mutmaßliche Dieb in einem zweiten Schreiben angekündigt, er werde den Keks zurückgeben: "Weil der Werni den Keks so lieb hat wie ich und der jetzt immer weint und den Keks ganz dolle vermisst geb ich den zurück!!!"

Zahlreiche Schaulustige beobachteten am Dienstagmorgen, wie Polizei und Feuerwehr mit einer Leiter den mit einer roten Schleife verzierten Keks aus rund fünf Meter Höhe vom Denkmal abnahmen. Der Kriminaltechniker trug dabei Handschuhe und Mundschutz.

Die Beamten ermitteln wegen des Verdachts der versuchten Erpressung. Bisher ist völlig unklar, wer hinter dem Keks-Diebstahl steckt. Der Fundort legt nun nahe, es könnte sich um einen Studentenstreich handeln.

Der Präsident der Universität Hannover glaubt jedoch nicht, dass der Dieb des Bahlsen-Kekses ein Student seiner Hochschule ist. "Ich habe noch nie ein Krümelmonster hier in irgendeinem Hörsaal gesehen", sagte Erich Barke am Dienstag.

Kein pures Gold

Wann genau der Keks entwendet wurde, ist noch unklar. Ein Mitarbeiter hatte das Firmen-Symbol zuletzt am 4. Januar gesehen. Die Polizei hatte Hinweise von Zeugen erhalten, die zwei Männer mit einer Leiter am 11. Januar an dem Gebäude beobachtet hatten.

Erst am 21. Januar schlug eine Bahlsen-Mitarbeiterin Alarm, der Keks sei weg. Fest steht, dass es nicht so einfach gewesen sein dürfte, den Keks zu stehlen. Denn er hängt in etwa fünf Metern Höhe zwischen zwei bronzenen Männern außen an der Fassade des Stammhauses, ist 20 Kilo schwer und etwa einen halben Meter hoch.

So muss der Täter entweder ein geübter Fassadenkletterer gewesen sein oder den Keks mit einer sehr langen Leiter oder einem Hubwagen gestohlen haben. Hinzu kommt, dass das Stammhaus an einer belebten Straße liegt, rund 250 Bahlsen-Verwaltungsmitarbeiter gehen dort täglich ein und aus, rund um die Uhr fahren Autos vorbei.

Am wenigsten auffallen dürfte ein Diebstahl dort wahrscheinlich am helllichten Tag – indem der Täter einfach als Handwerker auftritt, der den Keks vor den Augen aller Passanten abmontiert. "Den kann man sich nicht mal eben einfach so unter den Arm klemmen", sagte eine Firmensprecherin.

Knapp 100 Euro Materialwert

Doch wozu der ganze Aufwand? Das Wahrzeichen ist Teil der Fassadenverzierung des Jugendstil-Bildhauers Georg Herting, jedoch nicht aus purem Gold, sondern lediglich aus vergoldeter Bronze. 20 Kilo Bronze bringen bei einem Schrotthändler im Internet derzeit gerade mal knapp 100 Euro ein.

Wie viel das Firmen-Wahrzeichen tatsächlich wert ist, weiß man bei Bahlsen nicht. "Über den materiellen Wert können wir nichts sagen. Für uns zählt der ideelle Wert und der ist hoch", sagte die Sprecherin. Der Leibniz Keks ist das bekannteste Produkt von Bahlsen. Er ist benannt nach dem hannoverschen Gelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz und kam im Jahr 1891 auf den Markt.

Der Fall erinnert an einen Fall in Erfurt Anfang 2009. Damals wurde das Abbild von der Figur "Bernd das Brot" vor dem Erfurter Rathaus gestohlen. Die gut zwei Meter hohe Figur des Kinderkanals war zwei Wochen später durch Zufall in einem Kellergewölbe entdeckt worden. Einer Videobotschaft zufolge war "Bernd das Brot" von Hausbesetzern entwendet worden, die ein Gelände räumen sollten.

Quelle: dpa/AFP/ap
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Maskottchen - verschwunden und wieder aufgetaucht
  • BERND DAS BROT

    Die Kinderkanal-Figur traf es im Jahr 2009. Zum Diebstahl der 125 Kilogramm schweren, knapp zwei Meter großen Figur bekannten sich Sympathisanten von Hausbesetzern. Die Figur hatte vor dem Rathaus in Erfurt gestanden. Gefunden wurde das Kunststoff-Brot im Kellergewölbe einer verfallenen Kaserne in Nohra bei Weimar.

  • BUGALOU

    Das Maskottchen der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg verschwand auch 2009. Das Kostüm, ein Exponat der Dauerausstellung des Stadtmuseums Gera, wurde aus einem Zelt entwendet, wo es während eines Festes gelagert worden war. Ein Bürger gab das Plüschkostüm zwei Wochen später im Rathaus von Gera ab.

  • DIE KLEINE MEERJUNGFRAU

    Das Wahrzeichen von Kopenhagen amüsierte im Jahr 2010 die Spaziergänger. Die Märchenfrau kehrte überraschend als Knochengerüst zurück, während das Original nach China ausgeliehen war. „Das Skelett gehört zur Art hydronymphus pesci (Nymphenfisch), die Ende des 17. Jahrhunderts ausgestorben ist“, hieß es in einer Erklärung eines Museums. Ein Aprilscherz.

  • DAS MANNEKEN PIS

    Die weltberühmte Figur aus Brüssel wurde in seiner bewegten Geschichte mehrfach vom Podest geholt. 1965 zerbrach der kleine Pinkel-Knabe nach einem Diebstahl und landete in einem Kanal. Das ging der belgischen Hauptstadt zu weit und sie beschloss, eine Kopie aufzustellen.

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