04.02.13

Sture Bergwall

Angeblicher Serienkiller war nur ein Lügner

Schwedens Serienmörder ist wohl ein geltungssüchtiger Lügner. Die acht Mordurteile gegen Sture Bergwall sind aufgehoben worden. Das Wissen über Leichenteile und Kannibalismus hatte er sich angelesen.

Foto: dpa

Sture Bergwall gestand zahlreiche Morde, die er nicht begangen hatte
Sture Bergwall gestand zahlreiche Morde, die er nicht begangen hatte

Im Schwedenkrimi würde man die Geschichte als nun wirklich zu unglaubwürdig abhaken: Der angebliche Serienmörder Sture Bergwall kann nach dem Geständnis von 33 Morden und der Verurteilung für acht mit der baldigen Freilassung als Opfer eine gigantischen Justizirrtums rechnen.

Nach fast 20 Jahren hinter Schloss und Riegel twitterte der 62- Jährige am Montag aus der Rechtspsychiatrie Säter: "Der Mörder ist weg, aber noch wirft er Schatten auf unser Leben."

Ende letzter Woche hat ein Gericht in Umeå auch die letzten drei Mordurteile aufgehoben. Seit 2010 hatte es solche Entscheidungen nach und nach schon zu den anderen fünf Urteilen gegen Bergwall gegeben, der sich zeitweise Thomas Quick nannte und als solcher zu schrecklicher Berühmtheit gelangt ist.

Er sei bei den Geständnissen als Psychiatriepatient "stark durch Medizin mit Drogenwirkung und andere Arzneimittel beeinträchtigt gewesen", befand das Gericht.

"Belohnt" mit den gewünschten Drogen

Entsetzliche Details über alle möglichen in Schweden zwischen 1976 und 1988 begangenen und nicht aufgeklärten Morde hatte Bergwall den Fahndern aufgetischt und verblüffend bereitwilliges Gehör gefunden.

Bis hin zur Zerstückelung von Leichen und Kannibalismus. "Belohnt" wurde der von Psychologen als krankhaft geltungssüchtig eingestufte Bergwall unter anderem mit den gewünschten Drogen.

So berichtete er es, als Anwälte, Journalisten 2006 ernste Zweifel an den acht Mordurteilen öffentlich machten und Bergwall selbst seine Geständnisse zurücknahm. Das nötige Vorwissen für glaubwürdig wirkende Aussagen habe er sich aus Medienberichten über unaufgeklärte Morde zusammengelesen. Zu passen schien auch die Vorgeschichte: Der Schwede hatte zwischen 1970 und 1990 mehrere brutale Gewalttaten gegen junge Männer, auch mit sexuellem Hintergrund, begangen.

Vermutlich nie Klarheit

Wenn, wie zu erwarten, die Aufhebung der Urteile für die letzten drei Mordfälle im Frühjahr Rechtskraft erlangt, will Justizministerin Beatrice Ask über eine Untersuchungskommission zu diesem vielleicht größten Rechtsskandal der schwedischen Geschichte entscheiden.

Betroffen sind vor allem auch die Hinterbliebenen der Mordopfer. Sechs der acht Fälle sind inzwischen verjährt: Weil schwedische Polizeifahnder, Staatsanwälte und Richter einem notorischen Lügner aufgesessen sind, werden die Angehörigen vermutlich nie Klarheit bekommen und die tatsächlichen Mörder für immer ungestraft bleiben.

Bergwall gibt zu, dass er selbst zu diesem Justizskandal erheblich beigetragen hat. Der Öffentlichkeit präsentiert er sich in Mitteilungen im Internet und Medieninterviews als ein Geläuterter. "Ich habe eine große Mitverantwortung. (...) Am liebsten würde ich den ganzen Unsinn im Gerichtssaal aufzeigen", sagte er der Zeitung "Dagens Nyheter". Aber dazu werde es wohl nicht kommen, weil die Staatsanwaltschaft daran nicht interessiert sei.

Streit wird es auf jeden Fall noch um die von Bergwall betriebene Entlassung aus der geschlossenen Psychiatrie in Säter geben. Die Psychiater dort stufen ihren Dauerpatienten seit 18 Jahren als weiter gefährlich ein. Aber die Fachleute hatten mit ihren Gutachten und der Verabreichung von Psychopharmaka eben auch entscheidend dazu beigetragen, dass Sture Bergwall alias Thomas Quick als angeblicher Serienkiller verurteilt werden konnte.

Quelle: dpa/fp
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