03.02.13

"American Sniper"

Irak-Veteran erschießt besten US-Scharfschützen

Der beste Scharfschütze der US-Armee ist auf einem Schießplatz von einem Veteranen erschossen worden: Chris Kyle soll mehr als 160 Menschen getötet haben. Im Irak nannten sie ihn den "Teufel".

Von Michael Remke
Quelle: Reuters
04.02.13 1:13 min.
Der ehemalige Scharfschütze der US-Marine, Chris Kyle, ist am Wochenende eines gewaltsames Todes gestorben. Er wurde auf einem Schießplatz in Texas erschossen, gemeinsam mit einem anderen Mann.

Chris Kyle war Amerikas berühmtester Scharfschütze. Mehr als 160 Menschen soll der Navy-Seal im Irak-Krieg erschossen haben, so viele wie kein anderer zuvor. In seinem auch in Deutschland erschienenen Bestseller "American Sniper" schrieb der 38-Jährige über seine "Arbeit" und seine "Gefühle".

Nun ist Kyle tot. Er starb durch eine Kugel. Ein 25 Jahre alter Mann hatte ihn und einen Freund in dem texanischen Luxus-Resort Rough Creek Lodge, knapp zwei Autostunden südwestlich von Dallas, erschossen. Der Täter wurde fünf Stunden später von der Polizei festgenommen. Das Motiv ist noch unklar.

"Wir haben einen Tatverdächtigen in Haft", bestätigte der Sprecher der Polizei, Sheriff Tommy Bryant. Der Mann wurde als Eddie Ray Routh identifiziert. Der 25-Jährige sei in Lancaster, etwa 110 Kilometer vom Tatort entfernt, nach einer Verfolgungsfahrt in seinem Wagen gestellt und festgenommen worden. Die Polizei hatte mit einem Nagelbrett auf der Straße den Pick-up Truck von Routh zum Stoppen gebracht.

Täter ist ein Veteran

Nach ersten Ermittlungen soll Routh Kyle und seinen Freund, Chad Littlefield (35), gegen 15.30 Uhr Ortszeit auf dem Schießstand der Lodge getroffen und getötet haben. Danach flüchtete er in seinem Wagen.

Routh, ein Irak-Veteran, der unter PTSP (Posttraumatische Belastungsstörungen) infolge seiner Kriegserfahrung leidet, soll die beiden gut gekannt haben.

Chris Kyle hatte nach seiner Pensionierung aus dem aktiven Militärdienst 2009 eine Organisation gegründet, die sich um kriegstraumatisierte Soldaten kümmert. Auch Routh soll dort behandelt worden sein.

Kein Interesse an Medaillen

Kyle war 2012 mit seiner Biografie "American Sniper", die auf Deutsch unter dem Titel "Sniper: 160 tödliche Treffer – Der beste Scharfschütze des US-Militärs packt aus", erschien, weltberühmt geworden.

Darin hatte der verheiratete Vater zweier Kinder behauptet, mehr als 160 Menschen im Irak-Krieg auf eine Entfernung von 182 Metern und mehr getötet zu haben. Die Aufständischen im Irak nannten ihn dagegen "Teufel" und setzen eine Belohnung auf seinen Kopf aus.

Mit seinem weitesten Schuss, aus mehr als einem Kilometer Entfernung, will Kyle laut seinem Buch einen Aufständischen mit einem Raketenwerfer getötet haben.

"Mich interessieren keinen Medaillen", sagte der viel dekorierte Kyle, der vor seiner Zeit beim Militär als Rodeo-Cowboy gearbeitet hatte und bereits als Kind beim Jagen mit seinem Vater das Schießen lernte . "Ich tue es auch nicht für Geld oder für Preise. Ich tue es nur, weil es jemand tun muss." Zuletzt hatte er für eine Firma gearbeitet, die militärisches Training auch für Laien anbietet.

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