Dresscodes

Wie man das perfekte Outfit für jede Gala findet

Auf der Einladung zu einer Gala wie der Goldenen Kamera fehlt selten der Hinweis auf angemessene Garderobe. Doch nicht alle Prominente halten sich an den Dresscode – und sind doch perfekt gekleidet.

Von Alexandra Bülow
Foto: pa/Sven Simon
47. Verleihung der Goldenen Kamera, 04.02.2012
Anna Loos und Friedrich von Thun bei der 47. Verleihung der Goldenen Kamera. Die Smockingjacke des Schauspielers entsprach nicht ganz dem offiziellen Dresscode – und fand trotzdem reichlich Zustimmung

Die Damen probieren zehn verschiedene Roben, stimmen das Geschmeide genau ab, lassen die Haare aufwendig zurechtfrisieren, schminken bis zur letzten Wimper das Gesicht absolut perfekt und suchen stundenlang den passenden Schuh aus. Nun die Herren: Smoking aufbügeln lassen, anziehen, Schuhe überputzen, Haare kämmen. Fertig. Kaum Aufwand. Einige Frauen beneiden die Männer darum. Doch es gibt auch Männer, die gern mal etwas mehr hermachen möchten als stets und immerzu im gleichen Outfit auf einer Gala zu erscheinen. Doch gibt es nicht umsonst gewisse Stil-Vorschriften für Veranstaltungen – aber wie streng sind Dresscodes wirklich?

"Black Tie" steht auf der Einladung für die Gäste der Goldenen Kamera. Das bedeutet, der Herr trägt den Smoking, die Dame kommt im langen Abendkleid. "Ursprünglich aber war das anders", wendet Agnes Jarosch ein, Leiterin des Deutschen Knigge-Rats. "Zum Smoking trug die Dame ein kurzes, knieumspielendes Cocktailkleid."

Die lange Robe gehörte eigentlich zum Frack, also dem Dresscode "White Tie". Agnes Jarosch: "Meine Hypothese: Das liegt daran, dass Damen lange Abendkleider lieben, es aber leider kaum noch Frackanlässe gibt. Also wird das lange Abendkleid zum Smoking getragen – und das ist mittlerweile auch in Ordnung."

Bei den Preisverleihungen der Goldenen Kamera in den vergangenen Jahren hielten sich die Gäste auch meist daran. Mit der einen oder anderen Ausnahme. Ein Preisträger nahm seine Goldene Kamera einst in Lederjacke entgegen. Manch einer kommt im dunklen Anzug. Künstlerische Freiheit der Kreativen? Stört es denn wirklich?

Wertschätzung vs. Freiheitsliebe

"Der Gastgeber hat das Recht, den Rahmen für die Veranstaltung, zu der er einlädt, festzulegen. Es hat etwas mit Wertschätzung zu tun, diesen Rahmen zu respektieren", sagt Agnes Jarosch. "Seine eigenen Bedürfnisse oder die persönliche Freiheit über die desjenigen zu stellen, der mich einlädt, ist wenig höflich."

Die Stars und Preisträger der Goldenen Kamera machen den Veranstaltern allerdings wenig Sorgen. Haarig wird es dagegen eher bei den Medienpartnern, also Fernsehteams oder Reporterteams. Sie sind keine Gäste, sondern arbeiten bei der Preisverleihung und brauchen für ihren Job auch Bewegungsfreiheit – Smoking oder Ballrobe bieten das zweifelsohne weniger als Jeans und Pulli.

Für solche Fälle haben die Veranstalter vorgesorgt: Jacketts in verschiedenen Größen hängen in einem Raum bereit. Kommt jemand in legerer Kleidung zu den Vorempfängen vor der Verleihung, wird er dezent zur Seite genommen und darum gebeten, sich rasch umzukleiden. Bislang reagierte darauf noch keiner gereizt, eher war es den Betroffenen furchtbar unangenehm. Kein Problem, dann weiß man es eben für einen nächsten Einsatz…

Ausnahmen sind erlaubt

Wie man den Dresscode einhält und dennoch eine persönliche Note in den üblichen Schwarz-Weiß-Mix des Smokings bringt, führte Friedrich von Thun bei der Verleihung der Goldenen Kamera 2012 vor. Der hochgewachsene Schauspieler wählte zur klassischen, schwarzen Smokinghose eine burgunderfarbene Smokingjacke aus Samt mit glänzendem Revers. Ein Hingucker, von vielen Damen begeistert begutachtet – eben voller Grandezza und Festlichkeit. Nun hängt dies allerdings auch von demjenigen ab, der IN dem Anzug steckt… Man denke auch an Thomas Gottschalk, der nicht im traditionellen Smoking, sondern seinen eigenen Stil pflegt. Der mag nicht jedem gefallen, wirklich deplaziert wirkt der Showmaster jedoch selten.

Man muss sich ja nicht gleich an den launigen Stil eines Thomas Gottschalk orientieren – aber wenn die Dame sich schon mächtig herausputzt, warum darf nicht auch der Herr ein wenig individuelle Freiheit beim Smoking zeigen? Agnes Jarosch antwortet mit feinen Worten: "Der schönste Schmuck des Mannes ist die Frau an seiner Seite."

Das klingt alles sehr nach Anno Schnuff? Tatsächlich war der Smoking ursprünglich alles andere als ein Festgewand. Es war eher so, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Frackjacke gegen eine bequemere Jacke getauscht wurde, wenn die Herren sich nach dem Abendessen zum Rauchen zusammensetzten.

Heute sieht das anders aus, der Smoking ist ein festlicher Anzug. Bei "White Tie" oder "Black Tie" sind ja zumindest die Herren einigermaßen auf der sicheren Seite. Eigentlich. Es erscheinen auch Männer in dunklem Anzug, wenn "Black Tie" gewünscht ist. "Das geht nicht", sagt Agnes Jarosch entschlossen. "Natürlich hat nicht jeder einen Smoking im Schrank hängen, zu selten kommt er bei den meisten Menschen zum Einsatz. Doch es gibt mittlerweile viele Geschäfte, die Smokings verleihen. Das kostet nicht die Welt."

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