02.02.13

Thronfolger

Europas künftige Könige müssen sich noch gedulden

Königin Beatrix macht den Thron frei für ihren Sohn Willem-Alexander. In den Monarchien steht die nächste Generation schon bereit – doch die meisten Thronfolger müssen sich noch gedulden.

Foto: pa/dpa

Niemand ist in Holland populärer als die schöne und temperamentvolle Máxima, Gattin von Thronfolger Willem-Alexander. Seit Jahren erwies sie sich in Umfragen als „Königin der Herzen“.

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Endlich mal wieder ein Mann an der Spitze. Nach 123 Jahren übernimmt Willem-Alexander, bislang noch Prinz von Oranien, am 30. April das Zepter in den Niederlanden. "Allein das bedeutet Abwechslung, und die finden wir immer gut", sagt die holländische Adelsexpertin Reinildis van Ditzhuysen. Doch was wird sich ändern, wenn der lebenslustige 45-Jährige, gerne auch "Prinz Pilsje" (Bierchenprinz) genannt, den Thron besteigt?

Der Sohn von Königin Beatrix, 75, die nach 33 Jahren im Amt abdanken wird, ist äußerst beliebt beim Volk. "Willem-Alexander ist nahbar, immer gut gelaunt und ein toller Vater", sagt van Dietzhuysen.

Seine Mutter Beatrix hingegen musste sich die Zuneigung ihrer Untertanen erst verdienen. Sie gilt als Intellektuelle, die sich stets klug und umsichtig in die niederländische Politik eingemischt hat, der aber eben auch eine gewisse Distanziertheit nachgesagt wird. Ihr Sohn wird dagegen für seine Herzlichkeit geschätzt.

Willem-Alexander, ein Mensch wie Du und ich also? Nicht ganz. Der Thronfolger wird sich mit Majestät ansprechen lassen, sobald er in Amt und Würden ist. An seiner Seite ist sein ganz persönlicher Trumpf, Gattin Máxima. Die 41-jährige Argentinierin ist ein begehrtes Fotomotiv. "Tatsächlich aber verehren wir Máxima nicht nur, weil sie schön ist", sagt van Dietzhuysen. Schon in der Vergangenheit hat sich die studierte Volkswirtin als kluge Ratgeberin ihres Mannes erwiesen, wenn dieser in politische Fettnäpfchen getreten war.

"Das war jetzt ein bisschen dumm", wies sie ihn einmal nach einer unbedachten Äußerung über die argentinische Militärjunta zurecht – in der übrigens auch Máximas Vater gedient hatte. Dass Willem-Alexander und Máxima ein modernes Paar sind, zeigt sich auch daran, wie sie ihre drei Töchter Amalia, 9, Alexia, 7, und Ariane, 5, erziehen. So bringt Willem-Alexander die Mädchen gern auch mal selbst mit dem Fahrrad zur Schule. So sind sie eben, die Holländer. Sophie Mühlmann

Großbritannien: Bei den Briten von der nächsten Generation der Thronfolge zu reden, könnte falsche Vorstellungen von "jüngeren Royals" wecken. Doch dank der langlebigen Queen ist der Nächste nach ihr, Prinz Charles, mit 64 Jahren nahe daran, Großvater zu werden – wenn Prinz William und seine Frau, die Herzogin von Cambridge, im Juni Eltern werden. Charles wird bei Dienstantritt – dieser Rekord ist ihm sicher – der älteste Monarch überhaupt in der Königsgeschichte seines Landes sein.

Auch Camilla an seiner Seite, die Herzogin von Cornwall, ist selber bereits 65. Sie teilt mit ihrem Mann eine lange Vorgeschichte der Leiden, vor allem im Zusammenhang des Todes der geliebten Prinzessin Diana, Charles' erster Ehefrau.

Aber die öffentliche Meinung, zunächst gegen Camilla, die Geliebte, aufgebracht, hat sich inzwischen mit ihr versöhnt. Daher darf man davon ausgehen, dass sie, auf dem Thron angekommen, nicht "Prinzgemahlin" sein wird, sondern "Queen Camilla", nach altem Brauch, der diesen Titel auch dann verleiht, wenn die Besagte nicht "queen regnant" ist, also Herrschende, sondern "nur" die Ehehälfte des Königs.

Die Generation Charles und Camilla zu überspringen, zugunsten seines populären Sohnes und dessen Glamour-Ehefrau Kate, ist von der Verfassung her ausgeschlossen – man kann es nicht oft genug gegenüber dem Boulevard betonen. Im Übrigen hat sich die Einstellung gegenüber einem künftigen Charles III. zuletzt eher zum Positiven gewendet.

Er hat das Image eines besorgten Bürgers erworben, der nicht müde wird, seine Lieblingsthemen zu propagieren, wie organische Landwirtschaft, erneuerbare Energie, menschliche Architektur, Schutz der Umwelt oder alternative Medizin.

Viele Briten teilen seine Anliegen, auch wenn Fachexperten den Mahner regelmäßig ob seiner ungefragten Interventionen zurückweisen. Großes Ansehen genießt Charles auch mit dem von ihm schon 1976 gegründeten "Prince's Trust", einer gemeinnützigen Stiftung, die jugendlichen Straftätern beruflich auf die Beine hilft. Der Trust gehört heute zu den größten karitativen Unternehmen Englands. Thomas Kielinger

Dänemark: Der dänische Kronprinz Frederik teilt eine Leidenschaft mit dem royalen Staatsoberhaupt des Nachbarlandes Schweden: schnelle und teuere Autos. Der Hang zum Luxus auf vier Rädern passt zum Lebemann-Image des 44-Jährigen. Als junger Mann feierte Frederik gerne in den (wenigen) exklusiven Clubs von Kopenhagen. Zu seiner Frau wählte er 2003 die Bürgerliche Mary Elizabeth Donaldson.

Die Australierin arbeitete früher im Marketing, kennen gelernt haben sich die beiden im Jahr 2000 während den Olympischen Sommerspielen in Sydney. Wie Frederik interessiert sich auch Mary, 40, für Sport, steigt aber lieber aufs Pferd als ins Segelboot.

Frederiks Mutter, Königin Margrethe, ist sehr an Kunst und Kultur interessiert, hat ihre – von Fachleuten eher verrissenen – Bilder sogar ausgestellt und Bühnendekorationen entworfen. Auch Frederik ist kunstbegeistert, als König aber wird er andere Akzente setzen. Der studierte Politologe (mit USA-Aufenthalt) ist sehr an der Außenpolitik interessiert.

So manchem Dänen ist das Kronprinzenpaar etwas zu glatt. Während die Königin bekennende Kettenraucherin ist, hat Frederik auf Druck seiner Frau mit dem Rauchen aufgehört. Trotz ihrer Tabaksucht erfreut sich die 72-jährige Margrethe bester Gesundheit. Weder sie noch ihr Volk haben daher ein Interesse daran, dass Frederik vor ihrem Tod auf den Thron steigt. Clemens Bomsdorf

Spanien: Letzten Mittwoch wurde Spaniens Kronprinz Felipe de Borbón y Grecia 45 Jahre alt, doch eine offizielle Feier gab es nicht. Schließlich ist angesichts der schweren Wirtschaftskrise, die Spanien durchlebt, Bescheidenheit angesagt. In diesem Punkt legt der Prinz Feingefühl an den Tag. Pompöse Auftritte, verschwenderische Feste oder aufwendige Jagdausflüge, wie sie sein Vater Juan Carlos, 75, liebt, sind seine Sache nicht.

Er steht für ein modernes, weltoffenes Spanien und bemüht sich um Bürgernähe. Vor kurzem ließ er sich ablichten, als er einem gestürzten Fahrradfahrer wieder auf die Beine half. Ganz besonders liegt ihm der Ruf des Königshauses am Herzen, daher hat er mit seinem unter Korruptionsverdacht stehenden Schwager Iñaki Urdangarín gebrochen und beschränkt den Kontakt zu Schwester Cristina auf ein Minimum.

Schon seit Jahren bereitet sich der Thronfolger intensiv auf seine künftige Rolle vor und übernimmt nach und nach Repräsentationspflichten für seinen Vater, der in den letzten zwei Jahren drei Hüftoperationen hatte. Bei seinen Auftritten steht ihm stets Gattin Letizia zur Seite.

Nichts erinnert mehr an die forsche Journalistin von einst, so vertraut ist die zweifache Mutter mit der höfischen Etikette. Sogar ihre Garderobe hat sie den Krisenzeiten angepasst und trägt jetzt mehrmals dieselben Kleider. Wer geglaubt hatte, dass die Abdankung von Königin Beatrix von Holland auch einen Generationswechsel auf dem spanischen Thron bewirken könnte, sah sich getäuscht.

"Ich bin in guter Form, mit Lust und Energie, weiterzumachen", sagte Juan Carlos soeben. Felipe muss also weiterhin brav warten, bis seine Stunde schlägt. Ute Müller

Schweden: Wenn in noch einem Königshaus die Thronfolge nicht durch den Tod des amtierende Monarchen ausgelöst wird, dann könnte dies in Schweden sein. Mehr noch: Nicht wenige Untertanen wünschen sich dort einen Wechsel auf dem Thron. König Carl Gustafs, 66, Ruf ist seit langem ruiniert, begründet etwa durch unpassende politische Bemerkungen und seinen moralisch zweifelhaften Lebenswandel.

So wurde in den vergangenen Jahren in schwedischen Medien über seine angeblichen Affären oder die Teilnahme an mehr oder weniger freizügigen Partys berichtet. Schon jetzt ist es seine älteste Tochter, Kronprinzessin Victoria, die mit ihrem harmonischen Familienleben (Tochter Estelle wird bald ein Jahr alt) von den Eskapaden ihres Vaters ablenkt.

Victoria, 35, gilt nicht als Intellektuelle, aber als solide, mitfühlende Frau, die auch über ihre eigenen Probleme reden kann, ihre Legasthenie etwa oder die Magersucht, unter der sie in den 1990ern litt.

Denkbar ist, dass sie auch an der Spitze des Staates für mehr Offenheit stehen wird. Ein Schwerpunkt ihrer jetzigen Arbeit ist es, ausländische Investoren und Importeure auf den schwedischen Markt aufmerksam zu machen. Dabei helfen wird ihr ihr Mann Daniel Westling, 39, der einst ihr Fitnesstrainer war.

Immerhin eine Familientradition besteht: Auch ihr Vater wählte mit der Deutschen Silvia Sommerlath seinerzeit keine Adlige zur Frau. Clemens Bomsdorf

Norwegen: Bürgerliche Hochzeiten sind in nordeuropäischen Königshäusern längst kein Grund mehr zum Aufschrei. Kronprinz Haakon sorgte dennoch für Schlagzeilen, als er 2001 eine alleinerziehende Mutter mit ausschweifendem Vorleben zur Frau wählte. Am Ende hat er das Ansehen des Thronfolgerpaares damit jedoch nur gestärkt. Denn eine Patchwork-Familie im Schloss, das passt gut zu dem offenen Selbstbild der Norweger.

Dass Mette-Marit auch schon vor der Aufnahme in die Königsfamilie gern segelte – in Norwegen mit seiner langen Küstenlinie ein Volkssport ebenso wie Ski fahren – kam gut an. Unvergessen ist für die Norweger wie Haakon, 39, und Mette-Marit, 39, bei der Trauerfeier für die Opfer der Terroranschläge von Utoya am 22. Juli 2011 mit ihrem Volk trauerten.

Es ist daher zu erwarten, dass die beiden auf dem Thron ein noch moderneres Norwegen präsentieren werden, als dies bereits König Harald, 75, und dessen ebenfalls bürgerliche Frau Sonja, 75, tun. Ihr Engagement für ihre Leidenschaften Kunst, Musik und Sport wird dabei sicherlich ein Schwerpunkt sein.

Allerdings wird ihre Zeit erst gekommen sein, wenn König Harald stirbt, denn ein vorzeitiges Abdanken wie in den Niederlanden ist nicht vorgesehen. Kaum jemand in Norwegen zweifelt aber daran, dass das Kronprinzenpaar ein ebenso gutes Königspaar abgeben wird wie Haakons amtierende Eltern. Clemens Bomsdorf

Foto: picture alliance / dpa

Mit dem stets prächtig gelaunten Willem-Alexander besteigt zum ersten Mal seit mehr als 100 Jahren wieder ein Mann den Thron der Niederlande. Er gilt als umgänglich und volksnah, was ihm den Spitznamen „Prinz Pilsje“ einbrachte. „Pilsje“ ist das niederländische Wort für „Bierchen“.

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